| 07:31 Uhr

Weggefährten erinnern sich an Wolf Werner
Liebenswert, aber nie stromlinienförmig

Der Fußball nimmt Abschied von Wolf Werner, der mit 76 Jahren gestorben ist. Ein ganz persönlicher Nachruf. Von Bernd Jolitz und Gianni Costa

Bei Wolf Werner wusste man immer, was man bekam. Ganz sicher keine stromlinienförmigen Worthülsen, kein Nach-dem-Mund-Reden. Aber auch kein nachhaltiges Eingeschnapptsein, wenn der Gesprächspartner einmal anderer Meinung war und diese auch öffentlich geäußert hatte. Dann spielte Werner nicht die beleidigte Leberwurst, sondern sprach das, was ihn störte, direkt an.

Vollkommen unerwartet ist der langjährige Manager und Sportvorstand des Bundesliga-Aufsteigers Fortuna Düsseldorf am Freitagabend gestorben. Eine kurze, schwere Krankheit beendete im Alter von 76 Jahren ein Leben, das ganz dem Fußball gewidmet war – obwohl Werner seine berufliche Laufbahn als Zeitsoldat und Lehrer begonnen hatte und erst mit 37, damals als Assistent von Cheftrainer Jupp Heynckes bei Borussia Mönchengladbach, zum Profigeschäft fand. Auch am Niederrhein trauert man um ihn. „Wolf Werner war mein erster Co-Trainer als Profi, wir sind damals mit ihm deutscher Jugendmeister geworden“ erinnert sich Borussias Chefcoach Dieter Hecking. „Er war ein sehr angenehmer Zeitgenosse, mit dem man sich über Fußball, aber auch über private Dinge gut austauschen konnte.“

Wolf Werner hatte Ecken und Kanten. Wir Redakteure lernten das schnell. Wie 2010, als wir mit ihm über die Transferpolitik Fortunas so aneinandergerieten, dass ein Friedensgipfel nötig wurde. „Jeder bringt einen Sekundanten mit“, sagte er schnarrend am Telefon. „Sie können nehmen, wen Sie wollen, Herr Jolitz, ich bringe unseren Trainer Norbert Meier mit.“ Zu viert ging es dann in einem Café zunächst mächtig zur Sache – doch dann reichten wir uns die Hand, redeten über Fußball und setzten eine nie pflegeleichte, aber faire und konstruktive Zusammenarbeit fort.

Und dann war da noch im Jahr 2012 der Anruf beim Fortuna-Manager. „Herr Werner, haben Sie schon mit Herrn Rensing reden können? Werner: „Rensing ist heute nicht im Kader.“ Frage: „Haben Sie denn schon mit ihm gesprochen?“ Werner: „Herr Costa, Herr Rensing ist heute nicht im Kader. Mehr gibt es dazu heute nicht zu sagen.“

Werner war eben nicht immer ein einfacher Gesprächspartner, weil er mit ausgiebiger Leidenschaft zunächst alle um sich herum schützte. Er war aber fair im Zusammenspiel und hielt sich stets an Absprachen. Deshalb behalten ihn auch die Profis in bester Erinnerung. „Wolf Werner wird uns mit seiner Hingabe für den Sport und seiner menschlichen, herzensguten Art immer ein Vorbild bleiben“, sagt Fortunas Kapitän Oliver Fink, den Werner 2009 nach Düsseldorf holte. „Unsere Gedanken sind bei seiner Frau Ingrid und seiner Familie.“

Vizekapitän Adam Bodzek geht es ebenso. „Als ich auf dem Heimweg von seinem Tod erfuhr, war ich schwer geschockt“, gibt der 32-Jährige zu. „Ich hatte einen Kloß im Hals. Wolf Werner hatte stets ein offenes Ohr, und ich habe gern und oft mit ihm gequatscht.“ Werner stehe für alles, was Fortuna auf ihrem Weg zurück aus der Dritt- und Viertklassigkeit ausmache, sagt Bodzek. „Und er hat mir meine erste Geldstrafe in Düsseldorf verpasst“, erinnert er sich schmunzelnd. „Ich bin ohne Schuhe ausgelaufen, wie ich es aus Duisburg gewohnt war. Da kam Wolf Werner um die Ecke und schimpfte: ,Das macht die Stutzen kaputt, das dulde ich nicht. Du zahlst jetzt zehn Euro pro Stutzen.“

Zur Fortuna geholt hatte Werner der heutige DFB-Vizepräsident Peter Frymuth. Erst als Geschäftsführer Sport, später empfahl er dem Aufsichtsrat, ihn zum Sportvorstand zu machen. „Mich beschäftigt die Nachricht von seinem Tod sehr“, betont Frymuth. „Er war ein besonderer Wegbegleiter, ein sehr spezieller Mensch. Er hat mit seinem Herzen gesprochen. Er war für jeden da. Für Mitarbeiter, Spieler und Fans. Er hat sich gestellt, wenn andere sich weggeduckt haben. Ich habe es bis zuletzt genossen, mit ihm über Fußball zu diskutieren und habe seine Meinung geschätzt. Er ist in sehr kurzer Zeit zu einem echten Fortunen geworden, der sich mit diesem Verein absolut identifiziert hat.“ Sogar so sehr, dass er nach seiner Demission 2014 weiter so offen seine Meinung kundtat, dass es der aktuellen Führung nicht immer schmeckte. Aber das hat Werner nie interessiert. Er hatte seine Meinung, und mit der hielt er nicht hinter dem Berg.

Zum Abschluss greift Frymuth zu einer persönlichen Bemerkung: „Wolf, mach et joot. Ich werde dich vermissen.“ Damit ist er nicht allein.