Zu früh fürs Taschentuch

Der 1. FC Kaiserslautern gerät im Aufstiegsrennen in der zweiten Liga ins Straucheln. Beim 0:2 (0:0) gegen den abstiegsgefährdeten FC St. Pauli ging für die Pfälzer schief, was nur schiefgehen konnte. Heute wird der FCK nach dem Montagsspiel Karlsruher SC - SV Darmstadt 98 vom direkten Aufstiegsplatz abrutschen.

Kaiserslautern. Kurz vor Schluss im Gästeblock. Sie wedeln mit Taschentüchern, höhnen "Auf Wiedersehen" in Richtung FCK-Fans. Die Stimmung ist blendend bei den Fans, beim auswärts brutal leidensfähigen St.-Pauli-Anhang. Das bis dahin auswärtsschwächste Team der Liga gewinnt ausgerechnet dort, wo seit fast 15 Monaten kein Gast mehr alle Punkte einsackte. Murphy ist ein Pfälzer an diesem Samstag: Was danebengehen kann, geht daneben. Das mit den Taschentüchern ist nur eine kleine Retourkutsche: Vor vier Jahren hatten sich FCK-Fans nach einem 2:0-Sieg auf diese Weise vom damaligen Bundesliga-Absteiger St. Pauli verabschiedet.Vor ein paar Wochen sprach vieles dafür, dass sich Kaiserslautern und St. Pauli auch im Zweitliga-Alltag so schnell nicht mehr wiedersehen würden. Es ist zwar immer noch realistisch, dass die Pfälzer und der weiter gefährdete Kiez-Club andere Gegner haben werden. Aber die Wahrscheinlichkeit ist geringer geworden.Die zweite Niederlage in Folge bremst den FCK im Aufstiegsrennen gehörig aus. Nach dem Montagsspiel zwischen den Verfolgern KSC und Darmstadt wird der Aufstiegsplatz fürs Erste weg sein. Bei einem Remis - es wäre nicht unbedingt das Schlechteste für die Roten Teufel - fällt der FCK sogar auf Platz vier zurück. Trainer Kosta Runjaic nennt die zweite Niederlage in Folge eine "kleine Krise". Die Pfiffe von einigen enttäuschten Fans unter den 45 000 Zuschauern wird er registriert haben. Den Frust, den kann er verstehen. Man müsse aber auch "anerkennen, dass ein junges Team auch mal verlieren darf". Und dass die Serie von 21 Heimspielen ohne Niederlage irgendwann reißen muss.Bloß nicht runterziehen lassen, die Krise als Chance begreifen, gemeinsam wieder auf Kurs kommen: Das mag man zwar unempathisch als "Durchhalteparolen" labeln. Aber es kam am Samstag auch einiges zusammen für den Aufstiegsanwärter. Da waren zum einen die großzügig ausgelassenen Chancen in der ersten Halbzeit. "Da hatten wir Glück", bilanzierte St.-Pauli-Trainer Ewald Lienen. Glück - das ist auch der Vorname der Hamburger Führung. Das 1:0 kam aus dem Nichts. FCK-Spieler Kerem Demirbay verlängerte einen Ball unfreiwillig exakt in den Lauf von Jan-Philipp Kalla, der Torhüter Marius Müller keine Chance ließ (48.). Vor dem 2:0 reichte Christopher Buchtmann bei einem Konter eine clevere Körperdrehung im Strafraum, Dominique Heintz hielt ihn - und den fälligen Foulelfmeter verwandelte Marcel Halstenberg. "Das war für uns wie gemalt", freute sich Lienen, der mit seinem Team erst in der zweiten Halbzeit so richtig zufrieden war. Der FCK stemmte sich gegen die Niederlage, drängte auf den Anschluss - aber im zweitletzten Heimspiel wollte nichts zusammenlaufen. "Ich habe keine Ahnung, ob der Sieg verdient war", sagte Lienen. "Für uns war er aber überlebenswichtig." So spannend es im Tabellenkeller der Liga ist, so eng geht es oben zu - und das spitzt sich am vorletzten Spieltag zu: Sowohl der FCK (in Aue) als auch Darmstadt (in Fürth) spielen bei Abstiegskandidaten. Der KSC ist zu Gast bei den starken Braunschweigern.Extra

Das Aufstiegsrennen: Heute: Karlsruhe - Darmstadt (20.15 Uhr, Sport1/Sky) Sonntag, 17. Mai: Aue - FCK, Braunschweig - KSC, Fürth - Darmstadt Sonntag, 24. Mai: FCK - Ingolstadt, KSC - 1860, Darmstadt - St. Pauli, Berlin - Braunschweig