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Als Koblenz in der Prümer Dell K.o. ging

TV-Serie Welch’ ein Spiel : Als Koblenz in der Prümer Dell K.o. ging

Der Verein schaffte es sogar mal in die dritthöchste deutsche Liga. Weit über die Grenzen der Region hinaus war der SV Prüm einst bekannt, wurde dann aber vor knapp zwei Jahrzehnten wegen großer finanzieller Probleme aufgelöst. Erinnerungen bleiben, wie an die Oberliga-Aufstiegssaison 1992/93. Der damalige Spielertrainer Werner Kartz blickt im Rahmen unserer Serie „Welch ein Spiel!“ auf ein Duell zurück, von dem sie in der Eifel heute noch schwärmen.

Auf jenen 7. November 1992 hatten sie beim SV Prüm und bei der TuS Koblenz schon seit einigen Wochen hingefiebert. Die beiden Topteams der Verbandsliga Rheinland trafen im Stadion in der Dell aufeinander. Spitzenspiel in Liga vier. Hier die seit Jahren behutsam von Spielertrainer Werner Kartz aufgebaute Mannschaft mit Eifeler Jungs, von denen er einige ein paar Jahre zuvor noch von A-Liga-Clubs verpflichtet hatte. Dort das Koblenzer Starensemble um den extrovertierten englischen Coach Colin Bell, der später unter anderem noch Assistent beim 1. FC Köln und Cheftrainer von Dynamo Dresden werden sollte. „Wir wussten, dass viele Zuschauer zu diesem Knüllerspiel kommen. Dass es dann gut 2200 werden, war aber schon überraschend“, erinnert sich Kartz.

Als viele noch in einer langen Schlange vor dem Kassenhäuschen standen, hatten die von rund 800 mitgereisten Fans unterstützen Gäste vom Deutschen Eck bereits Grund zum Jubeln. Der wieselflinke Hansi Dames – ansonsten von seinem Widerpart Rudi Fell vollkommen abgemeldet, wie der TV in seiner Analyse anmerkte – war nach einer Linksflanke zur Stelle und überwand SVP-Schlussmann Detlef Mucha noch in der ersten Minute zum 0:1.

„Koblenz hat sehr selbstbewusst agiert. Der frühe Rückstand und das ganze Drumherum haben uns doch etwas nervös gemacht“, sagt der aus dem zehn Kilometer von Prüm entfernten Pronsfeld stammende und schon lange in Trier lebende Kartz. Als 35-Jähriger war er seinerzeit der mit Abstand Erfahrenste im schwarz-weißen Dress, nachdem er von 1981 bis ’87 bei Eintracht Trier und dem FSV Salmrohr (hier am Ende sogar in der Zweiten Bundesliga) gespielt hatte, um dann als Spielertrainer zum SVP zurückzukehren.

Das Glück stand den Hausherren in der 22. Minute zur Seite. Der Koblenzer Markus Pickenhahn hatte den Ball bereits im Prümer Gehäuse untergebracht, Schiedsrichter Michael Herrmann aus Schweich entschied aber auf Torwartbehinderung – sehr zum Unmut von TuS-Coach Bell („Es war ein regelgerechtes Tor.“).

Ganz langsam kam das von Kartz aus dem zentralen Mittelfeld heraus dirigierte Team in Fahrt. Mit dem Halbzeitpfiff fiel dann der Ausgleichstreffer. Beim strammen Schuss von Udo Backes aus 16 Metern streckte sich TuS-Keeper Marcus Patt vergeblich.

„In der Halbzeitpause habe ich eindringlich davor gewarnt, dass wir nicht noch mal so starten dürfen, wie in die erste Hälfte“, so Kartz, der heute als kaufmännischer Leiter beim Verkehrsverbund Region Trier (VRT) arbeitet und bei Eintracht Trier für die Ü50 und die Traditionself verantwortlich ist.

Schon sieben Minuten nach dem Wiederanpfiff hatte man die Partie gedreht.  Dietmar Juchmes kam aus halblinker Position frei zum Schuss und war zum 2:1 erfolgreich. In der Folge verdienten sich die als Geheimfavorit in die Runde gestarteten Prümer den damals noch doppelten Punktgewinn – drei Zähler für einen Sieg gibt es hierzulande erst seit 1995.

Stolz berichtet Kartz, dass selbst der aus Koblenz stammende und als Zuschauer in der Dell anwesende Trainer-Weltenbummler Rudi Gutendorf den Prümern bescheinigte, aufgrund der fußballerischen Qualitäten verdient gewonnen zu haben.

Das 2:1 über die Gäste von Rhein und Mosel ließ den SV Prüm endgültig zum ernstzunehmenden Titelkandidaten werden. Vor dem Rückspiel im Stadion Oberwerth waren die Eifeler nur noch theoretisch einzuholen von der TuS. Durch die 1:2-Niederlage mussten sie nur ein paar Tage länger auf den Meistertitel in der höchsten Spielklasse des Fußballverbands Rheinland und den Aufstieg in die Drittklassigkeit warten: Am 23. Mai 1993 machten Heinzen, Kartz, Fell & Co. den größten Erfolg in der bis dahin 73-jährigen Vereinsgeschichte nach dem 3:0 über den VfL Trier perfekt.

Wie stark der damalige Zusammenhalt war, wurde noch ein Vierteljahrhundert später deutlich. Zum Silberjubiläum kam die Meistermannschaft mitsamt Kartz und dem damaligen Presse- und Stadionsprecher Hermann Lichter 2018 zusammen, um alte Zeiten aufleben zu lassen.

Wehmut schwang mit. Aufgrund großer finanzieller Probleme wurde  der einst so stolze Verein aus der Eifel im Jahre 2001 aufgelöst. Kartz findet es zwar einerseits gut, dass es mit dem Fußball in der Abteistadt weiterging, indem der FC Prüm gegründet wurde. Andererseits trauert er der großen Tradition des SV Prüm, der in diesem Jahr 100 geworden wäre, nach: „Es war völlig unnötig, den SVP ganz auszulöschen.  Aus meiner Sicht wäre trotz der Schulden eine Rettung oder eine Neugründung möglich gewesen.“

Unauslöschlich sind aber Erinnerungen, wie an jenes Fußballfest Anfang November ’92, als die TuS Koblenz in der Prümer Dell vor einer Rekordkulisse niedergerungen wurde.

Aufstellung der Verbandsliga-Partie am 7. November 1992 zwischen dem SV Prüm und der TuS Koblenz:

SVP: Mucha - Manfred Backes, Fell, Irsch, Juchmes, Udo Backes, Christian (82. Jonas), Heinzen, Kartz, Simon, Leuwer.

TuS: Patt - Wolke, Eich, Schmidt, Jung, Piedboeuf, Breitbach, Kröber (75. Grünewald), Brace, Dames (69. Oencebe), Pickenhahn.

Werner Kartz Foto: Andreas Arens

Schiedsrichter: Herrmann (Schweich)