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Benefizspiel in Trier nach Hochwasser: Dreiviertel Million Euro Spenden

Stars kicken im Moselstadion : Benefizspiel für Flutopfer in Trier: Dreiviertelmillion Euro Spenden gesammelt

Spektakuläre Seitfallzieher, junggebliebene Ex-Profis und tapfere Bürgermeister: Trotz des Staraufgebotes beim Benefizspiel im Trierer Moselstadion stehen die Flutopfer im Mittelpunkt – denn für diese wird eine beeindruckende Summe gesammelt.

Waren es Psycho-Tricks? Hinweise? Nur ein „pass’ auf die 16 auf, die steht immer am Rande zum Abseits“? Leider bleibt ungeklärt, was Otto Rehhagel und Schiedsrichter Dr. Markus Merk vor dem Anpfiff des Benefizspiels am Mittwochabend im Trierer Moselstadion besprachen. Wobei: Ziemlich sicher ging es bei diesem Plausch nicht nur um Fußball. Wie an diesem gesamten Abend. Zwar kickten Weltmeister und ehemalige Stars auf dem Platz, doch im Mittelpunkt standen diejenigen, für die gesammelt wurde. Diejenigen, die beim Hochwasser vor einigen Wochen vieles – teilweise sogar alles – verloren haben. Für sie waren am Mittwoch Legenden, Bürgermeister und Prominente ins Moselstadion gereist.

Deshalb: Klären wir das mit Abstand Wichtigste zuerst. Am Ende kommt eine Spendensumme von 750 000 Euro zusammen. Darunter 120 000 Euro, die bereits vorab gependet wurden, Privatspenden an diesem Abend und Schecks wie der, den Guido Cantz und Dariusz Wosz als Vertreter der Lotto-Elf (10 000 Euro) an die Organisatoren übergaben. Außerdem wurde von Seiten der Bürgermeister kommunal gesammelt: Hierbei kamen 400 000 Euro zusammen.

Benefizspiel in Trier: Fußball nicht im Mittelpunkt, aber unterhaltsam

Und dennoch war es natürlich schön, an einem lauen Sommerabend den Idolen von früher zuzusehen. Das reine Kicken schien an diesem Abend teilweise unwichtig – und doch wunderschön. Drei Teams, gespickt mit großen Namen (auch wenn die Bürgermeisternationalmannschaft teilweise eher lokale Bekanntheit genießt, wie die Nummer Acht, Dennis Junk, Ex-Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wittlich-Land und aktueller Landtagsabgeordneter). Wer sich nicht an einer Innenverteidigung aus 1990er-Weltmeister Guido Buchwald und 2002er-Vize-Weltmeister Jens Nowotny erfreut, der sollte sich bei einem ersten Date vielleicht nicht als Fußball-Nostalgiker vorstellen. So formierte sich die Abwehr der DFB-Allstars im Auftaktspiel (gespielt wurden dreimal 35 Minuten, jeder gegen jeden) gegen die Bürgermeister-Nationalmannschaft.

Rücken wir den Fußall in den Mittelpunkt: Das erste Spiel war ein ungleiches Duell, in dem es die Politiker jedoch immer wieder schafften, Nadelstiche zu setzen. Jedoch erwiesen sich vor allem die etwas jüngeren Spieler in Reihen der DFB-Allstars (Nein, zu denen zählt nicht Maurizio Gaudino, dessen Technik jedoch noch immer schön anzusehen ist). Marcell Jansen (35), Christian Träsch (33) und Sandra Smisek (44) stellen am Ende auf ein klares 3:0, an dem auch Dennis Junk in Doppelfunktion als Renate-Lingor-Manndecker und Ballverteiler im Mittelfeld nichts ändern konnte.

Robin Koch: „Gemeinsam können wir das überstehen“

Organisiert wurde die Benefizpartie vom Trierer Robin Koch, mittlerweile in England bei Leeds United unter Vertrag. Er schickte eine Grußbotschaft ins Moselstadion (“Gemeinsam können wir das überstehen“), konnte aufgrund der Vorbereitung nicht persönlich vor Ort sein. Im Interview mit dem Deutschen Fußball-Bund sagte Koch vor der Partie: „Alle Menschen, die ich persönlich kenne, hatten Glück im Unglück.“ Körperlich sei niemand zu Schaden gekommen. „Und angesichts der Toten und der vielen Verletzten, die es leider auch gegeben hat, verbietet es sich für mich, bei materiellen Schäden von besonders schlimmen Schicksalen zu sprechen.“

Guido Cantz versenkt, Michael Thurk artistisch

Auch in der zweiten Partie sahen sich die Bürgermeister einigen ehemaligen Stars gegenüber – unter anderem dem Eifeler „Euro-Eddy“ Edgar Schmitt. Sie hielten sich jedoch tapfer. Gegen eine Lotto-Elf, bei der vor allem Dariusz Wosz, Benjamin Auer und Michael Thurk (der Ex-Mainzer versenkte einen Seitfallzieher der Marke „Tor des Monats“) wirbelten wie in früheren Tagen, konnte jedoch auch die sehr starke Torwartleistung nicht verrhindern, dass die Partie mit 8:0 endete. Ein Highlight: Comedian und Moderator Guido Cantz, der zum Elfmeter antrat, keinen Spaß verstand und diesen cool rechts unten versenkte.

Umkämpftes Duell zwischen Lotto-Elf und DFB-Allstars

Das Hauptduell des Abends stieg dann nur noch zwischen Legenden und Ex-Stars: Die Lotto-Elf gegen die DFB-All-Stars. Wer hier einen lockeren Kick zwischen zwei alternden Mannschaften erwartete, wurde enttäuscht. Immer wieder entstanden hitzig geführte Duelle. Auch die Tore waren durchaus anschaulich herausgespielt – wie das 1:0 für die DFB-Allstars durch Marcell Jansen und das 2:0 durch Lukas Sinkiewicz, das im direkten Gegenzug durch Michael Thurk gekontert wurde, der Roman Weidenfeller im Eins-gegen-Eins keine Chance ließ. Am Ende behielten die DFB-Allstars in einer umkämpften Partie die Oberhand.

Doch diese Ergebnisse, dieser Fußball, diese Tore – all das war trotz seiner Schönheit an diesem Abend unwichtig. Zumindest unwichtiger als die Spenden für die Flutopfer. Aber übrigens: Markus Merk hat gut gepfiffen, Otto Rehhagel ruhig gecoacht.

Wer weiterhin Spenden möchte, kann das hier tun.