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Bayer feiert Sieg in Leipzig
Neuer Vertrag verleiht Julian Brandt "Flüüügel"

Julian Brandt jubelt in Leipzig mit Kevin Volland.
Julian Brandt jubelt in Leipzig mit Kevin Volland.
Leipzig. Was für eine Woche für Julian Brandt: Erst verlängerte er seinen Vertrag bei Bayer Leverkusen vorzeitig bis 2021 und erteilte etwaigen Wechselgerüchten eine Absage, dann führte er sein Team zu einem im Kampf um die Champions-League-Plätze eminent wichtigen 4:1-Sieg in Leipzig. Dorian Audersch

Bayer 04 liegt nach dem 29. Spieltag auf Platz vier der Tabelle und hat am kommenden Samstag gegen Eintracht Frankfurt im eigenen Stadion die Chance, die Tür zur "Königsklasse" weit aufzustoßen (15.30 Uhr), ehe es am 17. April im Pokal-Halbfinale gegen den FC Bayern München geht. Es folgt das Auswärtsspiel in Dortmund – Topspielwochen für die Werkself.

"Wir wollen natürlich gegen Frankfurt den Schwung mitnehmen und die nächsten drei Punkte einfahren", sagte Brandt, der von Leipzigs Defensive kaum zu bremsen war. "Die letzten zwei Wochen standen wir ein bisschen auf der Bremse, aber jetzt sind wir in Fahrt gekommen." Sein Rezept für eine gelungene Schlussphase der Saison: "Einfach weiter Gas geben."

Genau daran hatte es in den vergangenen Wochen gehapert. Einer 0:2-Niederlage beim Derby in Köln folgte eine Nullnummer gegen den FC Augsburg. Der klare Erfolg gegen Leipzig zeigte auch, wie stark Leverkusen sein kann, wenn der Gegner nicht nur auf Zerstörung aus ist, sondern ebenfalls das Spiel gestalten will. Entsprechend war es eine rassige Partie, die von den Offensivreihen geprägt wurde.

Bayers Torschützen Kai Havertz (45.), Julian Brandt (51.), Panagiotis Retsos (56.) und Kevin Volland (69.) nutzten die gewährten Freiräume eiskalt aus. Marcel Sabitzer hatte sein Team indes früh in Führung gebracht (17.). Danach war über weite Strecken Powerplay der Gäste angesagt – und Leipzig erholte sich nicht von dem Doppelschlag nach der Halbzeit. Insgesamt war das über Montagsspiel trotz des Boykotts der Leverkusener Fans eine Werbung für die Bundesliga: Beide Seiten spielten klar auf Sieg. Die Begegnung hätte durchaus auch mit einem 8:5 enden können.

Als einen wichtigen Faktor für seine Leistungsexplosion nannte Brandt die Unterschrift unter seinen neuen Vertrag, der nun nicht mehr bis 2019, sondern bis 2021 läuft. "Ich kann mir gut vorstellen, dass es im Unterbewusstsein hilft, wenn die eigene Zukunft geklärt ist", sagte der 21-Jährige. "Das ist eine kleine Befreiung. Vielleicht waren das die letzten Prozente, die in den letzten Wochen bei mir gefehlt haben." Psychisch gesehen könne das durchaus eine Befreiung gewesen sein.

Tatsächlich schwankten die Auftritte des Blondschopfes zuletzt meist zwischen durchwachsen und genial. Im Viertelfinale des Pokals bot er gegen Werder Bremen eine Galavorstellung. Danach konnte er indes nur noch bedingt daran anknüpfen. Bisweilen wirkten seine Aktionen fahrig. Nun zeigt der Pfeil wieder klar nach oben – nicht nur wegen seines siebten Saisontores. Auch sonst war er ein steter Gefahrenherd für die Abwehrreihe der Gastgeber.

Für Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler war es freilich ebenfalls ein rundum gelungener Montagabend in Leipzig. Trotz des beflügelten Auftritts der Werkself wollte der 57-Jährige aber nicht abheben: "Wir bleiben definitiv mit den Füßen auf dem Boden. Das ist wichtig." Nun müsse man trotz aller Euphorie ganz schnell zur Tagesordnung übergehen. Und die hält ab heute die Vorbereitung für das Heimspiel gegen Frankfurt bereit.

Gleich drei Wermutstropfen hielt der erste Sieg in der Bundesliga gegen Leipzig dennoch bereit: Sowohl Abwehrchef Sven Bender als auch Linksverteidiger Wendell mussten verletzt ausgewechselt werden. Bei letzterem sieht es nach einer ernsteren Verletzung am Sprunggelenk aus. Auch Torwart Bernd Leno hat die Partie nicht unbeschadet überstanden. Er klagte nach dem Schlusspfiff über Schmerzen im Knie.

Ein längerer Ausfall des Trios käme angesichts des anstehenden Programms zur Unzeit. Die genauen Diagnosen stehen noch aus, aber es könnte sein, dass der Triumph in Leipzig ein teuer erkaufter war.