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Borussias neuer Stürmer
Alassane Plea tut Gladbach gut

Alassane Plea machte gegen Schalke 04 ein starkes Spiel. Auch am Samstag in Berlin dürfte er zur Startelf gehören.
Alassane Plea machte gegen Schalke 04 ein starkes Spiel. Auch am Samstag in Berlin dürfte er zur Startelf gehören. FOTO: Dirk Päffgen
Auch dank des Franzosen kann Borussia das Fehlen von Raffael und Lars Stindl nun besser auffangen. Von Karsten Kellermann

Lars Stindl genoss es. Der Ball flog von rechts vor das Tor und ihm optimal auf den Fuß. Borussias Kapitän schoss das Spielgerät mit der Innenseite hinein ins Tor und drehte dann grinsend ab. Ja, sie funktioniert noch, diese besondere Schusstechnik des 30-Jährigen, auch nach der langen Pause, die ihm das Schicksal in Form eines Syndesmosebandrisses auferlegt hat. Stindl ist zurück im Training, am Sonntag machte er erstmals wieder mit, als die Reservisten des Schalke-Spiels ihre Einheit absolvierten. Am Dienstag war er wieder ganz regulär im Teamtraining dabei. Indes mit noch reduziertem Programm. Und mit dem Wissen, dass er dabei ist, aber noch nicht mittendrin im Kandidatenkreis für das Spiel am Samstag in Berlin.

Berlin, das war in der vergangenen Woche auch für Raffael ein Sehnsuchtsort. Er spürte früh, dass seine Wade einen Einsatz gegen seinen Ex-Verein Schalke verhindern würde, doch danach bei Hertha BSC, den Verein, für den er fünf Jahre spielte, da würde er schon gern wieder bereit sein, sagte der „Maestro“. Noch ist das nicht ausgeschlossen, doch die Wahrscheinlichkeit, dass es reicht, ist wohl eher gering. Am Dienstag, als die Borussen in die Trainingswoche starteten, lief Raffael nur und wollte auch noch keine positiven Prognosen abgeben für Samstag.

Ohne Kapitän Stindl und Inspirator Raffael, das ist das nicht unwahrscheinliche Szenario für Trainer Dieter Hecking für Berlin. Seit er Borussen-Trainer ist, gab es erst drei Spiele, in denen keiner der beiden Zampanos beim Anpfiff auf dem Platz stand: Am 11. Februar 2017 beim 1:0-Sieg in Bremen war das so, dann am 12. März 2017 beim 1:2 in Hamburg und nun, eineinhalb Jahre später, beim 2:1 gegen Schalke. Zwei Spiele in Folge ohne wenigstens einen der beiden gab es in der Ära Hecking noch nicht.

Die Zeiten haben sich aber geändert. Stindl und Raffael sind nach wie vor Fixpunkte in Heckings Team, doch muss man ihr Fehlen nicht mehr mit Worten wie „Katastrophe“ oder „Schock“ garnieren. Hecking hat mehr Alternativen, die andere schwer beeindrucken können. Das liegt einerseits am neuen Spielsystem, denn im 4-3-3 gibt es mit den beiden Achtern zwei Kreativkräfte im Rücken des Angriffs, die immer wieder die für den Gegner unangenehmen Räume bespielen können. Zum anderen ist da nun in Alassane Plea ein Mittelstürmer, dessen Name für viel Torgefahr steht. Vier Pflichtspieltore hat er gemacht, mithin alle in der Fremde, was Hertha aufhorchen lassen wird. Doch hätte der Franzose, dessen Spielart immer mehr an den früheren Gladbach-Torjäger Martin Dahlin erinnert, auch gegen Schalke treffen können, hätte nicht Torwart Ralf Fährmann bei seinem Kopfball großartig reagiert.

„Dass er gegen Schalke kein Tor gemacht hat, ist schade, aber er hat trotzdem die Präsenz gehabt, ist immer anspielbar gewesen, hat viele Wege gemacht, für die Mitspieler Löcher gerissen, hat ballsicher agiert. Das sind alles Dinge, die wir uns durch ihn erhoffen. Und das nicht nur auf der zentralen Position, sondern auch mal auf der Außenbahn“, sagte Hecking.

Einer wie Plea fehlte in der Vorsaison, Raul Bobadilla sollte den Job machen, doch aus diversen Gründen bekam er es nicht hin. Nun hat Borussia viel ausgegeben für die neue Anrgiffsidee. 23 Millionen Euro kostete Plea. Geld, das indirekt auch in das gute Gewissen von Stindl und Raffael investiert wurde. Denn beiden wird so der Druck genommen, ihr Comeback zu überstürzen, oder, wenn sie wieder da sind, wie früher pausenlos spielen zu müssen. Plea tut Gladbach gut.

Interessant wird es, wenn alle drei fit sind. Plea und Raffael haben schon zusammengespielt, Plea kam da mehr über den Flügel, auf der anderen Seite könnte dann Thorgan spielen – plus Stindl dahinter als einer der Achter, das wäre eine sehr edle Nummer. Auch eine Dreierreihe mit Plea, Stindl und Raffael ist vorstellbar. Aber das sind Gedankenspiele für die Zukunft. Wer in Berlin Plea assistiert, wird Hecking in den nächsten Tagen herausfiltern. Gegen Schalke waren das zunächst Fabian Johnson und Thorgan Hazard. Doch Patrick Herrmann hat sich mit seinem Tor beworben, Ibo Traoré ist ebenfalls bereit. Auch ohne Stindl und Raffael hat Hecking vor der Hütte ein volles Haus.