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Borussias 1:5 gegen Bayern
"Auf diese Lektion hätte ich gerne verzichtet"

Borussia Mönchengladbach hat beim FC Bayern eine weitere Klatsche in dieser Saison kassiert. Trainer Dieter Hecking war nach dem 1:5 angefressen. Christoph Kramer schilderte die Hilflosigkeit, wenn der Rekordmeister über einen Gegner hinwegfegt. Jannik Sorgatz, München

In den 90er Jahren gab es die "Mini Playback Show": Kinder gingen mit dem Outfit einen Musikstars in der Hand in die "Zauberkugel" und kamen als jene Stars wieder heraus. In der Münchner Allianz-Arena trennt eine große Milchglastür den Kabinentrakt von der Interviewzone, und auch die Borussen kamen nach dem Spiel verwandelt heraus – die meisten allerdings mit hängenden Köpfen, leeren Blicken oder beides, schnurstracks in den Mannschaftsbus schleichend.

Die großen Themenkomplexe beim FC Bayern – vorzeitiger Titelgewinn, Champions-League-Halbfinale und vor allem Niko Kovac – hatten Dieter Heckings Mannschaft noch mehr als sonst die Gegner des Rekordmeisters zu Nebendarstellern degradiert. Eine Viertelstunde lang hatte sich Borussia in der "Zauberkugel" Allianz-Arena in den Mittelpunkt gedrängt, war durch Josip Drmic in Führung gegangen, danach aber ununterbrochen in den Verteidigungsmodus geraten. "Die Rückrunde ist kompliziert genug. Auf diese Lektion hätte ich gerne verzichtet", sagte Hecking. "Wir haben die Bayern spielen lassen. So haben sie die Spielfreude entwickelt, die wir eigentlich nicht zulassen wollten. Das müssen wir uns ankreiden und niemand anderem."

Der Trainer stellte sich nicht wie sonst schützend vor seine Spieler, sondern fand klare Worte. Dabei fokussierte er sich allerdings auf die zweiten 45 Minuten, obwohl der letzte von vier Torschüssen bereits in der zwölften Minute abgegeben wurde. "So darfst du nicht auftreten. Du kannst verlieren in München, du kannst auch mal drei Gegentore kriegen. Aber das war mir in der zweiten Halbzeit viel, viel zu einfach. Darüber werden wir sicherlich zu reden haben."

Das Reden übernahm Christoph Kramer bei "Sky" und später in der Mixed Zone. Der 27-Jährige gab ein paar Einblicke, wie es ist, von den Bayern derart rundgespielt zu werden. "Wenn Welle um Welle kommt, was willst du da machen? Du bist kaputt, hast 100-mal verschoben, in der 70. Minute gefühlt Blasen an den Füßen, kamst in der keinen richtigen Zweikampf, haust den Ball nach vorne – und dann kommt die nächste Welle", sagte Kramer.

Seine Erklärungsansätze machten weniger den Eindruck, dass es den Borussen am Wollen gemangelt hätte, sondern vielmehr an Können. "Es hat nichts mit Mut zu tun. Wenn man es nicht erklären kann, nimmt man immer so emotionale Dinge", echauffierte sich Kramer. Er lief am meisten von allen (12,7 Kilometer), spielte die meisten Pässe (56), hatte die beste Erfolgsquote (93 Prozent) und gewann wie seine Kollegen überhaupt mehr Zweikämpfe als die Bayern – doch das entsprach genau so wenig der Wirklichkeit wie die Verwandlung der Kids aus den 90ern in Michael Jackson oder Tina Turner. Deutliche Worte fand Sportdirektor Max Eberl. "In der zweiten Halbzeit war es beschämend, was wir gespielt haben", sagte er. "Wenn du nebenher läufst und keine Zweikämpfe annimmst, kannst du auch keine gewinnen."

So stand am Ende die höchste Niederlage der Saison nach dem 1:6 gegen Dortmund, auf dem geteilten zweiten Platz mit dem 1:5 gegen Leverkusen. Mit drei Punkten im sogenannten "Bonusspiel" in München hätte Gladbach nochmal eingreifen können in den Kampf ums internationale Geschäft, auch wenn Kramer sagte: "Europa war auch vorher schon weg." Fünf Mannschaften hinter ihr sind nun näher dran an Borussia als Borussia am Siebten.