| 18:16 Uhr

Fifa zahlt Abstellungsgebühren
Ein „Jahresgehalt“ für die WM-Borussen

Für jeden Tag, den ein Gladbacher Spieler bei der WM verbringt, gibt es Geld. Ein Grund: Die sieben Russland-Fahrer verpassen schließlich Teile der Vorbereitung und haben weniger Urlaub. Von Jannik Sorgatz

Wer es ganz genau wissen wollte, erhielt in der Schweizer Boulevardzeitung „Blick“ alle Infos: Yann Sommer saß auf dem Weg zur Weltmeisterschaft alleine in Reihe 7, Denis Zakaria in Reihe 9 neben François Moubandje, Nico Elvedi in Reihe 11 neben Kapitän Stephan Lichtsteiner und Josip Drmic in Reine 12 neben Valon Behrami. Am Montag landeten die Schweizer WM-Borussen fast gleichzeitig mit ihrem dänischen Kollegen Jannik Vestergaard in Russland. Gestern folgte Matthias Ginter mit dem DFB-Team, heute kommt Thorgan Hazard mit den Belgiern als letzter an. Und es sieht einen Tag vor dem Beginn des Turniers ganz danach aus, als würden die WM-Borussen die wichtigsten Momente so verleben wie den Hinflug – sitzend.

Insgesamt 15 Testspiele haben die Schweiz, Dänemark, Belgien und Deutschland in den vergangenen zwei Wochen absolviert (bis auf Deutschland gegen Österreich blieben alle ungeschlagen). Nur Sommer und Zakaria waren einmal in der Startelf zu finden. Der Bankplatz im letzten Spiel ähnelte immerhin einer Auszeichnung, weil sie geschont wurden. Von 1350 möglichen Einsatzminuten standen die Borussen nur 368 auf dem Rasen.

Einzig Torwart Sommer hat einen Stammplatz sicher, gleich am Sonntag bekommt er es mit den Brasilianern zu tun. Drmic könnte sich noch an Haris Seferovic vorbei in die Startelf arbeiten, lieferte dafür aber zumindest in den Tests nur wenige Argumente. Zakaria darf immerhin damit rechnen, dass Routinier Valon Behrami nicht in allen drei Gruppenspielen beginnen kann. Der Gladbacher ist die Nummer drei auf der Doppelsechs, der Boss heißt Granit Xhaka. Bei den Dänen belegt Vestergaard in der Innenverteidigung den Warteplatz hinter Andreas Christensen, noch ein Ex-Borusse, und Simon Kjaer. Ginter wird die Null auf seinem WM-Minutenkonto erst einmal nicht verbessern können, sofern kein Konkurrent ausfällt. Hazard kam in jedem Testspiel als Joker, doch die erste Elf ist derzeit wohl ebenfalls utopisch.

Trotz der vielen „Banker“ verdient Borussia. Die neue Bestmarke von sieben WM-Spielern kann der Verein als Auszeichnung sehen, schließlich stehen sie bei zwei Halbfinal-Kandidaten sowie zwei potenziellen Überraschungsteams im Kader. Doch die Abwesenheit von alleine sechs Stammspielern der Vorsaison in den ersten Wochen der Vorbereitung auf die neue, wiegt schwer. Der Weltverband Fifa schüttet 178 Millionen Euro für rund 24.500 Abwesenheitstage aus, die die 32 Mannschaften mit ihren je 23 Spielern anhäufen werden. Gezahlt wird für die Zeit ab dem 31. Mai bis zum Tag nach dem jeweiligen Ausscheiden.

8530 US-Dollar gibt es pro Tag und Spieler, umgerechnet etwa 7640 Euro. Allein in der Vorrunde kommen bei Borussia 203 Tage zusammen, mehr als 1,5 Millionen Euro – was grob dem Jahresgehalt des einen oder anderen Profis im Kader entsprechen dürfte. Ein Drittel der Summe für Ginter und Zakaria muss aber abgeben werden, weil der Zeitraum ab der EM 2016 für die Berechnung relevant ist. Da standen beide noch bei Borussia Dortmund und den Young Boys Bern unter Vertrag. Dafür gibt es Geld, weil Christensen in der Saison 2016/17 als Leihspieler in Gladbach registriert war. Somit nehmen von allen Bundesligisten nur Dortmund und der FC Bayern mehr durch das „Fifa Club Benefits Programme“ ein.

Schaffen es WM-Borussen mit ihren Teams ins Achtelfinale, sind dem Verein nochmal etwa 250.000 Euro sicher. Allerdings beeinflusst jede weitere Runde die Vorbereitung unter Dieter Hecking. Selbst wer in der Vorrunde ausscheidet, dürfte erst nach dem ersten Testspielwochenende am 16. Juli wieder einsteigen. Wer es ins Achtelfinale schafft, kann zumindest im Trainingslager am Tegernsee voll dabei sein. Der Verein peilt für jeden WM-Fahrer um die zwei Wochen Urlaub an.