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Borussia in Berlin
Als es Traoré wie Robben machte ...

Und rein damit: Ibrahima Traore (r), zuvor eingewechselt, erzielt im „Robben-Style“ das 2:1-Siegtor im Olympiastadion. Für Borussia ist es ein wichtiger Schritt in Richtung Champions League.
Und rein damit: Ibrahima Traore (r), zuvor eingewechselt, erzielt im „Robben-Style“ das 2:1-Siegtor im Olympiastadion. Für Borussia ist es ein wichtiger Schritt in Richtung Champions League. FOTO: dpa / Oliver Mehlis
Im Mai 2015 erzielte Borussias Dribbler das Siegtor im Olympiastadion. Am Samstag hofft er auf sein Saison-Debüt. Von Karsten Kellermann

Es war eine verrückte Woche für Ibrahima Traoré. Erst musste er erklären, warum sein 2:1-Siegtor bei Hertha BSC, seinem Ex-Verein, so eine herrliche Kopie eines typischen Robben-Tores war: Von rechts lief der Borusse ins Zentrum und zwirbelte den Ball dann an Thomas Kraft, dem Berliner Torwart vorbei, ins lange Eck. Traoré grinste sein typisches Grinsen und erklärte gern, warum Tore wie dieses eben nicht nur typisch seien für den Bayern-Star, sondern auch für ihn selbst. Was er den Samstag darauf gegen Bayer Leverkusen belegte. Da nämlich kopierte er seine Kopie des Robben-Tores, und wer so etwas hinkriegt, dem darf man zugestehen, ein Original zu sein, frei nach der mathematischen Formel: Minus mal Minus ist Plus.

Das Problem der Geschichte ist, dass sie verdammt lange her ist. Anfang Mai 2015 trug sie sich zu und Traorés Tore waren zwei wichtige Bausteine auf dem Weg der Borussen in die Champions League. Dritter wurde das Team von Lucien Favre in jener Saison. Traoré wurde in beiden Spielen eingewechselt und kam jeweils zu Joker-Toren. Ein solches Szenario kann man sich auch für Samstag vorstellen: Traoré wird eingewechselt und trifft gegen den „Ex“. Es wäre eine der typischen Fußball-Geschichten. Wenn er dann noch ein typisches Traoré-, respektive Robben-Tor machen würde, dann... Aber lassen wir das.

Theoretisch denkbar ist indes, dass Traoré als Überraschungsfaktor ein Teil des Gladbacher Dreierangriffs ist, ein flotter Dribbler wie er kann gegen ein kompaktes Team wie Hertha BSC immer hilfreich sein. „Aber ich war verletzt, bin erst seit Kurzem wieder im Training und die anderen haben es gut gemacht“, sagt Traoré. Darum sagt er, wie es sich für einen modernen Team-Player gehört: „Ich werde gut trainieren, möglichst fit bleiben und auf meine Chance warten.“

Dass sein Trainer ein Fan des traoré’schen Spiels ist, weil dieser mit seinen flinken Dribblings und den Haken, die er schlägt, nicht nur ein Spaßfußballer ist, sondern auch einer, der den Unterschied machen kann, daraus hat Hecking keinen Hehl gemacht. Eine charmante Idee wäre zum Beispiel ein frankophoner Angriff mit den Franzosen Traoré und Alassane Plea und dem Wallonen Thorgan Hazard. „Die Kommunikation wäre da sicher kein Problem“, sagt Traoré.

Vielleicht war eine solche Konstellation zuletzt ja auch Thema, als sich die eine Delegation Borussias mal wieder zum Essen im Hause Traoré einfand. „Lunch at IBO’S“ nannte er das Gruppenbild mit Dame, das er bei Instagram postete. Diese Dame ist Traorés Mutter über deren Essen Michael Cuisance im Interview mit unserer Redaktion sagte: „Das kann man sich nicht entgehen lassen. Sie müssen das mal probieren, es ist genial.“ Neben Hazard und Plea gehörten auch Cuisance, Mamadou Doucouré, Mandela Egbo und Denis Zakaria zu dieser exklusiven Tafelrunde.

Was Berlin angeht, ist es der Ort, wo Traorés Bundesligazeit begann. Anfang 2007 kam er von Levallois FC zur Hertha, tat sich aber da noch schwer mit der Bundesliga. Erst in Augsburg und Stuttgart kam er richtig im deutschen Fußball an, 2014 wechselte er dann im Zuge der damaligen Neu-Beflüglung des Favre-Fußballs nach Gladbach. Was Hertha angeht, ist seine Bilanz als Borusse perfekt. Fünfmal spielte er gegen Berlin mit, fünfmal siegte Gladbach. Dass er deswegen eine ausgesprochene Vorfreude auf die Reisen in die deutsche Hauptstadt verspürt, „kann ich nicht sagen“. Dennoch: „Da hat alles angefangen, daher sind es dann doch besondere Spiele für mich.“

In diesem Fall wäre es besonders, weil es sein Saison-Debüt wäre. Sein Comeback hatte Traoré beim Testspiel gegen den VfL Bochum in Willigen am 6. September gegeben, vor zwei Wochen also. Gegen Schalke feierte er sein Kader-Debüt in dieser Saison. Da es am Ende darum ging, die Führung zu verteidigen, kamen andere rein. Was in Berlin passiert, wird sich zeigen. „Hertha ist punktgleich mit uns, verteidigt gut, ist unangenehm. Trotzdem: Wir wollen zeigen, dass wir zu Recht oben dabei sind“, sagt Traoré. Was er dazu beitragen kann, liegt bei Hecking. Der sieht den Dribbler noch nicht bei 100 Prozent. Aber auch von der Bank kann einer wie Traoré etwas bewirken. Siehe 2015.