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Borussias Hofmann zum Dreierpack und Platz zwei
„Es ist ein sehr, sehr schönes Gefühl“

Jonas Hofmann erzielte drei Tore beim 4:0-Sieg der Borussia gegen Mainz.
Jonas Hofmann erzielte drei Tore beim 4:0-Sieg der Borussia gegen Mainz. FOTO: AP / Martin Meissner
Borussia Mönchengladbach hat sich mit einem 4:0-Heimsieg gegen Mainz 05 auf den zweiten Platz vorgeschoben. Einen großen Anteil am Erfolg der Fohlenelf hatte einmal mehr Jonas Hofmann, der seit Wochen durch starke Leistungen besticht.

Jonas Hofmann war der Mann des Tages beim 4:0 der Borussen gegen Mainz 05. Drei Tore erzielte der Mittelfeldmann, der zuvor in seiner gesamten Laufbahn insgesamt sieben Liga-Tore erzielt hatte, je drei für Borussia Dortmund und Mainz und eines für Gladbach beim 2:0 zum Saisonauftakt gegen Leverkusen. Nun wird es definitiv seine Rekordsaison. Nebenbei war er auch gegen Mainz – wie in seinen sechs Spielen zuvor – der fleißigste Läufer: 12,72 Kilometer spulte Hofmann ab, so viele wie kein anderer Akteur des Spiels.

„Jonas ist in diesem frühen Stadium der Saison eine der positiven Erscheinungen in der Liga. Wenn es so ist, dass Joachim Löw Jonas auf dem Zettel hat, hat er sich mit dem Spiel gegen Mainz sicher nicht aus dem Notizbuch des Bundestrainers herausgespielt“, sagte Trainer Dieter Hecking. Der Trainer hatte immer an Hofmann, der nach seinem Wechsel vom BVB zu Gladbach im Januar 2016 oft unglücklich spielte oder verletzt war, geglaubt. „Für mich ist mit ihm gar nicht so viel passiert. Ich sehe ihn ja jeden Tag und ich habe immer gesagt, dass er ein kompletter Spieler ist, wenn er merkt, wie gut er ist und Selbstvertrauen bekommt. Er hat Schnelligkeit, Ausdauer, taktisches Gespür und ein tolles Gefühl für das Spiel. Vor dem Tor war das Manko, aber das kommt, wenn man Selbstvertrauen hat und das Vertrauen der anderen spürt, dann geht vieles leichter“, sagte Hecking. Bis 2020 ist Hofmann vertraglich an Gladbach gebunden, er kann sich aber gut vorstellen „langfristig“ zu bleiben. Hofmann fühlt sich sehr wohl am Niederrhein – was er mit seinen aktuellen Leistungen eindrucksvoll unterstreicht.

Hofmann ist in seiner Freizeit leidenschaftlicher Darts-Spieler – am Sonntag schaffte er sozusagen seine erste 180 als Borusse, also die höchstmögliche Trefferzahl. Schon vor dem Spiel hatte sich angedeutet, was gehen kann, beim Warmschießen setzte er einen Drehschuss derart exakt in die lange Ecke, dass kein Blatt dazwischen passte. Danach löste sich seine Torblockade, das 1:0 war sein erstes Tor aus dem Spiel heraus für Gladbach, zwei weitere folgten.

Herr Hofmann, wie fühlt es sich ein Dreierpack an?

Jonas Hofmann Überragend, ich bin natürlich überglücklich. Wir haben ein gutes Spiel gemacht. In der ersten Halbzeit haben wir sehr gut gestanden, wir wussten, dass Mainz eine sehr gute Defensive hat, darum wäre es fatal gewesen, gegen so ein Team in Rückstand zu geraten. In der zweiten Halbzeit war dann mit dem 3:0 der Sack zu - und wir haben es souverän runtergespielt.

Sie haben nicht nur drei Tore erzielt, sondern waren auch der Spieler, der die meisten Kilometer gemacht hat. Was kann jetzt noch kommen?

Hofmann Ein Viererpack (lacht). Aber im Ernst: Darüber mache ich mir gerade gar keine Gedanken. Wir sind froh, auf dem zweiten Platz zu stehen und dass es für uns und für mich sehr gut läuft. Was noch kommt, werden wir sehen. Wir genießen ein bisschen die Momentaufnahme, dann schauen wir auf die nächste Aufgabe in Freiburg am Freitag.

Was macht Borussia gerade so stark?

Hofmann Was uns stark macht, ist erst einmal unsere Defensive. Wenn wir hinten keinen fangen, ist unsere Offensive so stark, dass wir immer für ein Tor gut sind, vorne sind wir eiskalt. Das setzen wir sehr gut um momentan. Gerade wie wir uns beim ersten Tor über das Mittelfeld nach vorn gespielt haben, das ist genau der Fußball, den Borussia spielen will. Wir lassen uns auch nicht aus der Ruhe bringen, wenn wir mal eine Minute lang über Yann Sommer spielen müssen.

Entscheidend sind auch die Ballgewinnen durch das frühe Anlaufen, oder nicht?

Hofmann Vorne fängt die Defensive an. Wir treffen im Moment in vielen Situationen die richtigen Entscheidungen und deshalb sind wir jetzt Zweiter. Es ist natürlich ein sehr, sehr schönes Gefühl, wenn man auf die Tabelle schaut. Aber wir wissen es realistisch einzuschätzen. Viele Fans träumen jetzt vielleicht schon von Größerem, aber es sind erst acht Spiele vorbei und wir bleiben dabei, von Spiel zu Spiel zu denken. Weil wir das tun, stehen wir da, wo wir stehen.

Wovon träumen Sie selbst?

Hofmann Ich habe nach dem Spiel noch kurz mit den Mainzer Physios gesprochen, die haben gesagt: Schön für dich, dass du mal über fast ein Jahr verletzungsfrei bist. Mein Traum ist, dass es so bleibt. Das klingt vielleicht kleinlich, aber es ist nun mal die Basis für alles. Verletzungsfrei zu bleiben und auf dem Niveau weiterzuspielen, auf dem wir uns befinden, das wäre schön. Wichtig ist aber, bodenständig zu bleiben, das ist in meinen Augen für uns alle der große Bringer im Moment.

Es wurde lange über ihre Torlosigkeit diskutiert, das Thema dürfte vom Tisch sein.

Hofmann Natürlich, gerade meine Torlosigkeit war ein großes Thema immer wieder. Aber mit dem Tor gegen Leverkusen und nun den dreien gegen Mainz sollte das tatsächlich vorbei sein.

Ihre Teamkollegen freuen sich offen mit Ihnen.

Hofmann Stimmt. Wir sind einfach eine super Truppe, das Klima im Team ist sehr gut. Wir haben ja über die Sachen gesprochen, die auf dem Platz passen. Aber es muss auch neben dem Platz passen. Das tut es, und auch das ist ein Grund dafür, dass wir momentan so erfolgreich sind.

Was hat das neue System, das Sie besser macht?

Hofmann Es kommen viele Komponenten zusammen. Wir haben das System in der Vorbereitung gut erarbeitet. Es fängt beim Anlaufen an – das ist ganz anders mit den Dreien vorn und den beiden Achtern, die immer wieder auch die Innenverteidiger anlaufen. Wir haben das System so drauf, dass wir sehr gut stehen und wenig zulassen.

(kk)