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Eberl über Kaderplanung
„Muss Geld verdienen, um Transferpläne zu realisieren“

Max Eberl hat auf der Jahreshauptversammlung der „Gladbacher Bank“ unter anderem über die Transfers dieser Woche gesprochen. Der Fußball bereitet ihm ein paar Sorgen. „Er driftet in eine Richtung ab, die für viele Leute nicht mehr greifbar ist“, sagte Borussias Manager. Von Jannik Sorgatz

Max Eberl hat sich rar gemacht in den vergangenen Wochen, was in doppelter Hinsicht an der Sommerpause liegt. Zum einen ist der öffentliche Teil des Bundesliga-Geschäfts im Stand-by-Modus, zum anderen gibt es für den Sportdirektor eben abseits des Rampenlichts genug zu tun. Diese Woche hat er zwei Spieler abgegeben, Vincenzo Grifo und Raúl Bobadilla, und einen geholt, Nachwuchsstürmer Torben Müsel vom 1. FC Kaiserslautern. Einen Auftritt, zumindest einen halb-öffentlichen, hatte Eberl am Mittwochabend dann doch. Auf der Jahreshauptversammlung der „Gladbacher Bank“ stand er in der Business-Lounge des Borussia-Parks auf der Bühne und sprach mit Stadionsprecher Torsten Knippertz vor allem über Transferpolitik.

Verkünden konnte und wollte Eberl noch nichts. Dass Borussia einen Mittelstürmer sucht und der Manager bereits in Hannover war, um wegen Niclas Füllkrug zu verhandeln, ist allerdings kein Geheimnis. „Wir haben in den letzten Jahren viel mit beweglichen und kleineren Angreifern gespielt. Damit hatten wir Erfolg, aber manchmal kommst du in der Analyse eben zu dem Schluss, dass du dein Spiel etwas verändern musst, weil du ein wenig berechenbar geworden bist“, sagte Eberl über die generellen Pläne in der Offensive.

Martin Kind äußert sich erneut

Dass ein Protagonist wie 96-Präsident Martin Kind ständig Wasserstandsmeldungen gegenüber der Presse durchgibt, hält er – unabhängig von aktuellen Fällen – für „kontraproduktiv“: „Ich weiß, dass der Fußball unfassbar öffentlich geworden ist“, sagte Eberl. „Aber ich finde es schade, wenn man nicht mehr in Ruhe arbeiten kann. Damit meine ich nicht, im stillen Kämmerlein zu mauscheln, sondern Argumente auszutauschen und dann vielleicht einen Konsens zu finden.“

Und als wolle er Eberls Punkt untermauern, wird Kind am Donnerstagmorgen erneut vom „Sportbuzzer“ aus Hannover zitiert. „Wir wollen und werden Füllkrug nicht abgeben“, sagt er. Trotzdem läuft der Poker um den 14-Tore-Stürmer noch, Kind bezeichnet das Thema als „hochemotional“ für 96. Dahingehend gab sich Eberl auf der Bühne unterschwellig als Gegenpol, ohne sich direkt auf Hannover zu beziehen: „Jeder Verein muss seine Entscheidungen treffen, auch wenn sie manchmal weh tun, ohne sich treiben zu lassen von der Öffentlichkeit. Ich weiß um die Bedeutung der Öffentlichkeit in unserem Beruf, aber aus dem Grund muss ich noch rationaler an die Entscheidungsfindung herangehen“, sagte er.

Erstmals kommentierte Eberl auch den Wechsel Vincenzo Grifos nach Hoffenheim. Der 25-Jährige verlässt Borussia nach nur einem Jahr mit lediglich neun Startelfeinsätzen für rund acht Millionen Euro. „Wir wollten Vince nicht abgeben, aber er kam mit dem Wunsch auf uns zu aufgrund der für ihn unbefriedigenden Saison. Auch wir hatten uns mehr vorgestellt“, sagte Eberl. „Aus unserer Sicht haben wir eine sehr gute Ablöse erzielt. Ich muss Geld verdienen, um meine Transferpläne zu realisieren.“

Dass Leute sich fragten, warum Grifo abgegeben werde, könne er verstehen. „Gleichzeitig soll ich unbedingt eine Nummer neun holen“, entgegnete Eberl. „Alles können wir uns nicht leisten. Wenn wir keinen großen sportlichen Erfolg und keine enormen Transfererlöse haben, müssen wir nach wie vor Geld zusammensammeln, um Pläne umzusetzen.“ Er glaube, dass Borussia unterm Strich einen Schritt nach vorne machen werde. Grifo verabschiedete sich am Donnerstag bei Instagram von Borussia: „Ich finde es schade, aber für mich persönlich und sportlich ist es die beste Entscheidung.“ Er freue sich, bald wieder in der Nähe seiner Heimat Pforzheim zu spielen.

In Kürze werde Borussia, so Eberl, die Verpflichtung weiterer Spieler der Alterskategorie Müsel bekanntgeben. Der 18-Jährige wird nächste Woche bei der U23 ins Training einsteigen und zwar mit den Profis ins Trainingslager fahren. Ein Kandidat für den Bundesligakader dürfte er jedoch nicht sofort sein – wobei ähnliche Voraussetzungen vor einem Jahr Michael Cuisance auch nicht daran gehindert haben, durchzustarten. Die „Westdeutsche Zeitung“ berichtet, dass Außenbahnspieler Luca Esposito vom VfR Fischeln in die Gladbacher U19 wechseln soll. Bereits vergangene Woche hat Borussia den norwegischen Junioren-Nationalspieler Sander Christiansen verpflichtet, ebenfalls für die U19.

Eberl untermauerte am Mittwoch noch einmal, dass dieser Weg „alternativlos“ sei und für ihn die „Borussia-DNA“ ausmache. „Ich will in der Bundesliga kein namenloser Klub sein, sondern möchte für etwas Besonderes stehen. Das heißt: für eine junge Mannschaft, die alles gibt, erfolgreich ist, auch Fehler macht, aber für diesen Verein und diese Stadt steht“, sagte der 44-Jährige.

Die finanzielle Entwicklung des Profifußballs sieht Eberl kritisch. „Er driftet in eine Richtung ab, die für viele Leute nicht mehr greifbar ist – für mich übrigens auch nicht. Wenn du so einen Transfervertrag von Granit Xhaka unterschreibst, musst du schon schlucken bei den ganzen Nullen“, sagte er. „Gut finde ich die Entwicklung nicht, weil es keinen sportlichen Hintergrund mehr hat, sondern nur noch darum geht, wer das meiste Geld hat, wer wie viel bekommt, wer welchen Geldgeber hat und wer einen riesigen Transfer macht. Es geht nicht mehr so sehr darum, was der Spieler kann und was er deshalb kosten soll, sondern darum, möglichst viel zu bekommen, um es nach außen vertreten zu können. Solche Argumente kann ich auch schwer entkräften.“

Sollten sich Vorschläge der Uefa um ihren Präsidenten Aleksander Ceferin durchsetzen, das Transfergeschäft in gewissen Punkten zu regulieren, würde Eberl dies begrüßen. „Auch wenn es weh tut, musst du irgendwann mal ‚nein‘ sagen. Sonst kannst du diese Spirale nicht aufhalten“, sagte er.