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Kommentar zum Wechsel nach einem Jahr
Das große Missverständnis zwischen Grifo und Borussia

Meinung Vincenzo Grifo hat sich entschieden, Borussia zu verlassen und zurückzukehren zu 1899 Hoffenheim. Für Gladbach ist es eine verpasste Chance, der Spieler läuft weg. Für alle ist es vor allem ein großes Missverständnis. Von Karsten Kellermann

Die gemeinsame Geschichte von Vincenzo Grifo und Borussia dauerte nur eine Saison. Grifo hat sich entschieden, zurück zu 1899 Hoffenheim zu gehen. Ob er wieder der wird, der er in den beiden Spielzeiten in SC Freiburg war (eine in der Zweiten Liga), oder ob er sich auch bei Julian Nagelmann schwer tut, wird sich zeigen. Funktioniert Grifo in Hoffenheim, fällt das auch auf Gladbach und Trainer Dieter Hecking zurück, siehe Nico Schulz.

Grifos Talente können jedem Team helfen, seine fußballerischen Fähigkeiten sind allen, die das Spiel lieben, eine Freude – wenn er sie auf den Platz bringt. Nur Künstler zu sein, reicht aber nicht. Dass es mit ihm und Trainer Dieter Hecking nicht so richtig lief, liegt auf der Hand. So etwas kommt aber vor im Fußball. Grifo fehlte Heckings Vertrauen und er vertraute nicht darauf, dass es anders werden würde. Borussia hätte ihn vielleicht gern gehalten, doch was hilft ein unzufriedener Spieler?

Klar ist: Der Grifo, den es beim 3:1 in Hoffenheim zu sehen gab, würde immer spielen, egal bei welchem Trainer. Der Grifo jedoch, der flapsig und unzuverlässig vor sich hin kickt, wird es überall schwer haben. Es gibt Spieler, denen man auch viel Freiheit geben muss, doch eine gewisse taktische Disziplin ist unabdingbar.

Es wäre trotzdem interessant gewesen, wie es gelaufen wäre, wenn Grifo versucht hätte, sich doch durchzubeißen bei Borussia. Er hatte es angekündigt, bevor er zur Hochzeit und in die Flitterwochen entschwand, doch stand vermutlich schon da sein Entschluss fest, es nicht zu tun. So jedenfalls sind die Einlassungen von Präsident Martin Kind in Hannover zu verstehen. Das Beispiel Granit Xhaka, der sich zunächst auch schwer tat bei Trainer Lucien Favre, zeigt, dass man an solchen Situation wachsen kann.

Xhaka wurde vom vermeintlichen Flop zum Boss. Grifo bleibt ein uneingelöstes Versprechen. Sein Abgang ist, je nach Blickwinkel, eine verpasste Chance (für Borussia) oder ein Weglaufen (Grifo). Von allen Seiten betrachtet, war es ein großes Missverständnis. Schade.