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Borussia trainiert mit 20 Feldspielern
Wenn Normalität die Ausnahme ist

Mönchengladbach. Bei Borussia wird so langsam wieder erkennbar, dass der Kader gar nicht so schmal ist. Das erste Mal seit langem war am Mittwoch im Training mal wieder ein Elf-gegen-Elf möglich. Auch, weil Vincenzo Grifo wieder trainiert. Dafür fehlte der Trainer. Jannik Sorgatz

Ibrahima Traoré ging zu Boden und hob den Arm. Monatelang war das für die Betreuer am Rand des Geschehens das Zeichen, sich provisorisch in Richtung Medizinkoffer zu bücken und generell Böses zu ahnen. Doch am Mittwoch war es ein gutes Zeichen, nämlich ein ganz normales: Traoré war im Elf-gegen-Elf gefoult worden und wollte einen Freistoß haben. Wie die Normalität aussieht, ist angesichts der Gladbacher Verletztenmisere fast in Vergessenheit geraten. Borussia hatte zum Auftakt in die Trainingswoche 20 Feldspieler an Bord, dazu drei Torhüter, so dass nach einer gefühlten Ewigkeit wieder das möglich war, was Fußball eigentlich ist: zwei Mannschaften, je elf Spieler, zwei Tore, ein Ball.

Vincenzo Grifo stieg dreieinhalb Wochen nach seiner Kreuzbanddehnung wieder so richtig ein, Tony Jantschke hatte seinen grippalen Infekt auskuriert. Schon am Ende der vergangenen Woche war Denis Zakaria wieder dabei, Traoré ging in seine zweite komplette Trainingswoche, Tobias Strobl in seine vierte und Laszlo Bénes saß am Sonntag beim 0:0 in Mainz bereits wieder auf der Bank. "Das sah sehr gut aus", sagte dementsprechend Co-Trainer Dirk Bremser. Wobei es dann doch einen neuen Ausfall zu vermelden gab: Trainer Dieter Hecking ist krank und wird wohl erst morgen zurückkehren. In seiner Abwesenheit leitete Bremser mit dem zweiten Assistenten Frank Geideck das Training.

Trotz der guten Nachrichten dürfte die Zahl der Verletzten am Samstag gegen Hertha BSC allenfalls knapp unter den Saisonschnitt von acht rutschen. Mamadou Doucouré und Julio Villalba sind die einzigen beiden, die weder vor Kurzem bei der Mannschaft waren noch individuell mit Rehatrainer Andy Bluhm fürs Comeback arbeiten können. Fabian Johnson hat einen Rückschlag erlitten und fehlt vorerst wieder. Raúl Bobadilla ist nach seinem Muskelfaserriss auch noch nicht so weit, während es bei Reece Oxford (ebenfalls Muskelfaserriss) nicht mehr lange dauern soll bis zur Rückkehr ins Teamtraining.

Der Rest ist dabei, wobei Hertha für Traoré und Grifo zu früh kommen dürfte. "Wir müssen abwarten, wie die Woche läuft. Aber Bock habe ich immer", sagte Grifo, der keine Schmerzen mehr hat. Er zählt zu den Borussen, die noch eine Rechnung offen haben mit dieser Saison. In der Abwesenheit des Italieners hat es Hecking wieder mit der Dreierkette probiert. Prädestiniert ist Grifo in diesem System auf den ersten Blick für keine Rolle, doch der 24-Jährige könnte vielleicht einmal seine Stärken im Zentrum unter Beweis stellen. Fest steht: 3-4-1-2 und 4-4-2 geben Hecking mehr Möglichkeiten, und durch die Rückkehrer erhalten die Möglichkeiten noch mehr Facetten. "Wir müssen einfach noch sechs Spiele Gas geben und erst einmal gegen Hertha gewinnen. Europa ist oft genug zum Thema gemacht worden. Jetzt gilt es, noch so viele Punkte wie möglich zu holen", sagte Grifo.

Stehen Strobl, Zakaria und Jantschke am Samstag wieder im Kader, könnte es erstmals seit langer Zeit für keinen U 23-Spieler reichen. So konnte Florian Mayer in Mainz seine womöglich letzte Chance zum Debüt in dieser Saison nutzen. 19 Minuten kam er in den Genuss von Bundesliga-Luft. So langsam wird wieder erkennbar, dass Borussias Kader ursprünglich dafür ausgelegt war, dass ein Elf-gegen-Elf im Training keine Eilmeldung wert ist.