Die Geschichte des Pep - zwischen Erfolg und bitteren Niederlagen

Die Geschichte des Pep - zwischen Erfolg und bitteren Niederlagen

Nun ist es also amtlich: Pep Guardiola verlässt den FC Bayern München nach Vertragsende im Sommer dieses Jahres. Wohin es ihn nach drei Jahren Amtszeit beim deutschen Rekordmeister zieht, bleibt fraglich. Allem Anschein nach hat Manchester City die besten Karten. Doch auch ein erneutes Sabbatical, wie es der Spanier bereits vor seiner Zeit beim FC Bayern vollzog, erscheint möglich.

Immerhin arbeitet kein anderer Coach mit solch einer Hingabe und Akribie wie der Trainer, der für viele der beste Teamleiter der Welt ist. Doch diese Aufopferung für den Fußball kostet Kraft. Auch dies mag ein Grund sein, weswegen sich Guardiola nach drei Jahren gegen eine Vertragsverlängerung entschieden hat. Wir blicken zurück auf Siege und Niederlagen des Katalanen und geben einen Ausblick auf noch mögliche Erfolge.

Viele Titel ohne KrönungAls Guardiola zur ersten Pressekonferenz in München antrat, staunten viele Pressevertreter nicht schlecht, als der Katalane die versammelten Journalisten mit den Worten begrüßte: "Guten Tag, grüß Gott, Damen und Herren, verzeihen Sie mir mein Deutsch." Eifrig hatte der Spanier in seinem Sabbatjahr die deutsche Sprache gelernt, was - so das offene Geheimnis - Pflicht ist, möchte man als Trainer vom FC Bayern agieren, der sich in seinem Kern noch immer als deutscher Verein versteht.

Dennoch: Es zeigte bereits zu Anfang, dass Guardiola bereit ist, alles für den sportlichen Erfolg zu unternehmen. Dabei hatte der 44-jährige, der vorab lediglich eine Trainerstation beim FC Barcelona absolvierte, ein schweres Erbe anzutreten. Mit dem Triple-Gewinn verabschiedete sich Jupp Heynckes vom FC Bayern. Nur logisch, dass sich der Erfolgstrainer von Barca an den Errungenschaften seines Vorgängers messen lassen muss, auch wenn es Sportvorstand Matthias Sammer erst kürzlich als "Schwachsinn" bezeichnete, dass man nach 2013 schon wieder das Triple holen müsse.

Erfolge des Pep Guardiola beim FC Bayern


Saison

Titel


 2013/2014

 FIFA-Klub-Weltmeisterschaft

UEFA Super Cup

Deutsche Meisterschaft

DFB-Pokal


 2014/2015

 Deutsche Meisterschaft


 2015/2016

 noch in allen Wettbewerben vertreten

Doch genau dies, den maximalen Erfolg, den Gewinn von Pokal, Meisterschaft und Champions League, will Pep Guardiola. In den ersten beiden Jahren scheiterten Trainer und Mannschaft jedoch kläglich an diesem Vorhaben, wofür es unterschiedliche Gründe gegeben hat. Im ersten Jahr war im Halbfinale der Champions League Schluss gegen Real Madrid. Guardiola hatte auf Drängen seiner Spieler die Taktik geändert, Mannschaft und Coach wurden verheerend geschlagen. Guardiola bezeichnete die Taktik im Halbfinale gegen Madrid im Nachhinein als größten Fehler seiner Karriere. Auch im zweiten Jahr war in der Runde der letzten vier Mannschaften Schluss. Dieses Mal kam das Aus gegen Peps Herzensklub Barcelona. In diesem Fall kam das Pech hinzu, denn aufgrund einer schier endlosen Verletztenliste konnte der Startrainer lediglich mit einer B-Elf beim aktuellen Champions-League-Sieger antreten.

Die erfolgreichsten Trainer der Bundesliga (Stand 13. Dezember 2015)


Trainer

Spiele

Punkte pro Spiel


 Pep Guardiola

 84

 2,52


 Ottmar Hitzfeld

 460

 1,98


 Louis van Gaal

 63

 1,94


 Udo Lattek

 523

 1,87


 Ernst Happel

 204

 1,86


 Giovanni Trapattoni

 122

 1,82


 Helmut Benthaus

 102

 1,78


 Matthias Sammer

 170

 1,76


 Georg Knöpfle

 128

 1,75


 Jupp Heynckes

 642

 1,75

Quelle: statista.com

Im dritten und letzten Anlauf soll jedoch alles besser werden. Nachdem das Ende von Guardiola öffentlich wurde, kamen jedoch Zweifel in der breiten Öffentlichkeit auf, Guardiola selbst meinte, der FC Bayern sei noch nicht bereit für den CL-Sieg . Von einer "lame duck" war die Rede, aufgrund der abgewiesenen Vertragsverlängerung sei die Spannung raus. Vorstand und Verantwortliche wollten davon aber nichts wissen, ganz im Gegenteil. Karl-Heinz Rummenigge ist "überzeugt, dass Trainer und Mannschaft jetzt noch intensiver daran arbeiten werden und Großes erreichen", Thomas Müller wies darauf hin, dass auch Jupp Heynckes seinen Abschied frühzeitig verkündete, am Ende der Saison gewannen Trainer und Mannschaft das Triple.

Guardiola der MissverstandeneAuch wenn der Coup des Triple-Gewinns bislang noch nicht gelang, erfolglos war die Zeit von Guardiola in München gewiss nicht, zudem der FCB in der aktuellen Saison noch in allen drei Wettbewerben in aussichtsreicher Position vertreten ist. Bereits das anstehende Achtelfinale gegen den letztjährigen Champions-League-Finalisten Juventus Turin wird aber zeigen, ob der große Erfolg in dieser Saison möglich sein wird. Sollte Pep schlussendlich doch noch das Triple holen, wird er in München schnell Legendenstatus erreichen. Scheitert Pep erneut, bleibt er der Missverstandene, der den FC Bayern und seine deutsche Mentalität nie verstanden hat.

Steckbrief von Pep Guardiola


Vertragslaufzeit beim FC Bayern

 01. Juli 2013 - 30. Juni 2016


Spielerstationen

 Dorados de Sinaloa (2006)
Al-Ahli SC (2003 - 2005)
Brescia Calcio (2003)
AS Rom (2002 - 2003)
Brescia Calcio (2001 - 2002)
FC Barcelona (1984 - 2001)
Gimnàstic de Manresa (1981 - 1984)


Trainerstationen

 FC Bayern München (2013 - 2016)

FC Barcelona (2008 - 2012)
FC Barcelona B (2007 - 2008)


Spielererfolge

 Europapokalsieger der Landesmeister 1992
Europapokalsieger der Pokalsieger 1997
UEFA-Super-Cup Sieger-1997, 1992
Olympiasieger 1992
Spanischer Meister 1999, 1998, 1994,
1993, 1992, 1991
Spanischer Pokalsieger 1998, 1997
Spanischer-Supercup-Sieger 1996


Trainererfolge

 FIFA Klub-Weltmeister 2013, 2011, 2009
Champions-League-Sieger 2011, 2009
UEFA-Super-Cup-Sieger 2013, 2011, 2009
Deutscher Meister 2014, 2015
DFB-Pokalsieger 2014
Spanischer Meister 2011, 2010, 2009
Spanischer Pokalsieger 2009, 2012
Spanischer-Supercup-Sieger 2011,
2010, 2009

So oder so war die Entscheidung 2013 für eine Verpflichtung eines internationalen Top- aber von großer Bedeutung im Vorhaben, die Marke "FC Bayern München" international zu etablieren. Denn interkontinentale Strahlkraft besaß Guardiola gewiss mehr als Jupp Heynckes. Der FCB Sponsor Tipico kam an Bord und beschert den Bayern jährlich neue Millionen, Top-Stars wie Arturo Vidal, Xabi Alonso und Thiago sowie aussichtsreiche Talente wie Kingsley Coman bescheinigten, dass sie auch wegen Pep Guardiola an die Säbener Straße gekommen sind. Und gewiss weiß der noch junge Trainer Guardiola, der selbst noch am Beginn seiner jungen Trainerkarriere steht, das Engagement beim FC Bayern zu schätzen, wo er, nach eigener Aussage, viel gelernt und ganz besondere Menschen getroffen habe.

Nichtsdestotrotz bleibt der Eindruck nicht verwehrt, Guardiola ist in München nie so recht heimisch geworden. Viele lieben Pep, Guardiola selbst verspürt allem Anschein nach aber nur wenig emotionale Bindung zu einem Verein. Gewiss mag es verständlich sein, dass ein junger Coach möglichst viele Erfahrungen im Ausland sammeln möchte, aber auch die Hinhaltetaktik im Poker um eine mögliche Vertragsverlängerung zeigte, dass Guardiola vor allem eines wichtig ist: seine eigene Zukunft. Dass aber auch ein so großer Klub wie der FC Bayern Planungssicherheit benötigt, schien der Noch-Bayern-Trainer zumindest kurzfristig vergessen zu haben. Dabei stand eben jener Verein stets zu seinem Übungsleiter, auch wenn die bisherigen Zweieinhalbjahre durch einige Fehltritte und Machtspiele des Spaniers gekennzeichnet waren.

Das Ärzte-Fiasko

Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt zählte 40 Jahre lang zu den Gesichtern des FC Bayern, auch wenn der ehemalige Mannschaftsarzt nie wirklich im Rampenlicht stand. Bei internationalen Sportstars wie Usain Bolt besitzt der Sportmediziner eine Art Legendenstatus. Nur Pep Guardiola kam mit "Mull" nie zurecht. Guardiola beschuldigte Müller-Wohlfahrt indirekt, an der langen Verletztenliste des FC Bayern Schuld zu tragen und somit auch am Ausscheiden in der Champions League 2014. Für das Ärzteteam um Müller-Wohlfahrt war dies ein Grund, den Dienst zu quittieren, für Guardiola ein gewonnener Machtkampf, für viele Bayern-Fans ein Fiasko.

Die Mia-San-Mia-Mentalität

Bei aller Professionalität ist der FC Bayern noch immer eine Art Familienverein, in dem niemand vom Geschehen ausgeschlossen wird, der sich einmal um den Verein verdient gemacht hat - auch wenn derjenige unlängst kein Amt mehr beim Verein innehatte. So wollte es Uli Hoeneß, so wird es auch zukünftig sein. Für Pep Guardiola war das Einmischen von "Außenstehenden" aber zu viel. Paul Breitner oder Michael Ballack, sie alle kommentieren das tägliche Geschehen fleißig. Pep war dies aus Barcelona nicht gewöhnt, wo sich allenfalls Johan Cruyff zu Wort meldete. Doch beim FC Hollywood gehört dies eben dazu.

Die deutschen Berührungsängste

Es war im Oktober 2014 nur ein kleiner Fehlgriff, in den Medien und von anderen Trainern aus der Bundesliga wurde dieser aber zu einem exemplarischen Beispiel der Münchener Sonderbehandlung und zu einem körperlichen Angriff auf einen Schiedsrichter hochstilisiert. Guardiola legte bei der vierten Offiziellen Bibiana Steinhaus im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach "Hand auf". Doch die kleine Berührung an der Schulter schlug ungeahnt hohe Wellen. Guardiola konnte dies nicht nachvollziehen, dabei waren Trainer bereits für ganz andere Taten auf die Tribüne verbannt worden. Guardiola fühlte sich in Deutschland einmal wieder missverstanden.

Pep im Barcelona Stadion. Foto: Maxisport - 102182602 / Shutte

Trotz aller Missverständnisse und Widrigkeiten bleibt das Engagement von Guardiola nicht nur für den FC Bayern München, sondern für die komplette Bundesliga und den deutschen Fußball eine positive Erfahrung, die zukünftig hoffentlich auch andere Stars, ob nun Spieler oder Trainer, nach Deutschland lockt. Mit Carlo Ancelotti steht jedenfalls ein erfahrener internationaler Top-Trainer bereit , das Amt des Übungsleiters an der Säbener Straße nach der Ära Guardiola zu übernehmen.