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Kind der Bundesliga
Ex-Schiedsrichter Heynemann wird 65

 Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Bernd Heynemann. (Archiv)
Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Bernd Heynemann. (Archiv) FOTO: imago sportfotodienst
Ex-Schiedsrichter Bernd Heynemann feiert am Dienstag seinen 65. Geburtstag. Dem Fußball ist der Magdeburger bis heute treu geblieben.

An seinem Ehrentag klinkt sich Bernd Heynemann ganz bewusst aus. "Ich mach das mit meiner Frau nach dem Motto von Hape Kerkeling: 'Ich bin dann mal weg.'", sagte Deutschlands früherer Top-Schiedsrichter dem SID vor seinem 65. Geburtstag am Dienstag (22. Januar). Für 24 Stunden hat der Fußball Pause, dieser Tag gehört nur ihnen. Zeit, zurückzuschauen.

"65 ist zwar kein runder Geburtstag, aber es ist ein gewisser gesellschaftlicher Einschnitt, wo man sagt: Jetzt bist du eigentlich zum alten Teil gehörig", meinte Heynemann. Wo es zur Feier des Tages hingeht, wollte der frühere Pfeifenmann nicht verraten, nicht einmal seine Frau wisse Bescheid, sagte der Ex-Referee. Nur so viel: Er habe "etwas geplant, und wir sind weg."

In trauter Zweisamkeit wird sich das Ehepaar erinnern an ein Leben, in dem Heynemann zum Großteil Männern in kurzen Hosen hinterhergelaufen ist. Bis heute ist der Magdeburger Fußballer durch und durch. "Selber habe ich als Straßenfußballer angefangen und irgendwann gab es dann die Gabelung: Weiterspielen oder pfeifen. Also Fußball ist eigentlich mein Leben", sagte Heynemann.

Nach 151 Bundesliga-Spielen, der EM 1996 und der WM in Frankreich zwei Jahre später hatte er 2001 seine aktive Schiedsrichter-Karriere beendet. Heute kickt Heynemann wieder selbst: Bei den Alten Herren des Polizeisportvereins Magdeburg. Auf die große Bühne kehrt er gelegentlich noch zurück - als Experte bei Sport1 oder privat.

Auf Schalke, in Wolfsburg, bei Hertha BSC oder seinem Heimatverein 1. FC Magdeburg in der 2. Liga treibt sich Heynemann gerne auf den Tribünen herum. Er ist ein Kind der Bundesliga. Wenn er über sie spricht, wird er sentimental. "Früher haben wir im West-Fernsehen die Bundesliga geguckt und auf einmal warst du ab 1991 selber dabei", sagte er: "Das ist natürlich schon eine Geschichte, als wenn du einen Hollywood-Film guckst und dann selber in Hollywood bist."

Nur ein Jahr nach seinem Debüt im Oberhaus, vorher hatte er von 1980 bis 1991 in der DDR-Oberliga gepfiffen, leitete Heynemann 1992 das Endspiel des DFB-Pokals zwischen Borussia Mönchengladbach und Hannover 96 (3:4 i.E.).

Lange ist das alles her. Mittlerweile hat Heynemann eine weitere Passion gefunden. Die Politik. Für die CDU saß er von 2002 bis 2009 im Bundestag, später auch im Landtag von Sachsen-Anhalt (2015 bis 2016). Im Stadtrat Magdeburgs ist er heute noch aktiv, in diesem Jahr macht er die 20 Jahre voll.

Bei den Kommunalwahlen im Mai will Heynemann noch einmal antreten. Sie mache ihm Spaß, die Kommunalpolitik, sagte er. Die große Politik von einst sei aber "Geschichte". Doch eine Meinung hat Heynemann trotzdem. Seitdem er mitmischt, habe sich das politische Klima verändert.

Dabei nehme er einen "großen Unterschied zwischen Ost und West" wahr. "Ich denke schon, dass seit 2015 ein Riss durch die gesamte Gesellschaft ging, durch die Flüchtlingspolitik", sagte er. „Was auch viele Ängste und Ungerechtigkeiten hervorgerufen hat."

Heynemanns Appell ist klar: "Jetzt muss man sehen, wie man bei realer, politischer Arbeit nicht nur redet, sondern auch etwas tut, um die Gesellschaft wieder in Einklang zu bringen." Er wird es von Magdeburg aus beobachten.

(ako/sid)