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Fußball-Bundesliga
Hertha kommt - Kovac braucht kein „Spektakel“ für BVB-Jagd

 Niko Kovac steht vor seinem 100. Bundesliga-Spiel als Trainer. Foto: Sven Hoppe
Niko Kovac steht vor seinem 100. Bundesliga-Spiel als Trainer. Foto: Sven Hoppe
München. Beim nächsten Schritt im Titelrennen will der FC Bayern beweisen, dass es auch ohne Königsklassen-Glanz und Anfield-Atmosphäre mit dem „zu Null“ geht. Von Christian Kunz und Klaus Bergmann, dpa

Nach der meisterlichen Defensivleistung beim FC Liverpool soll ein Dreier gegen Hertha BSC den Druck auf Borussia Dortmund weiter erhöhen. „Wenn man international spielt, hat das eine ganz andere Bedeutung oder ein ganz anderes Flair, auch in solch einem tollen Stadion gegen eine fantastische Mannschaft. Aber wir müssen in der Bundesliga jetzt nochmal nachlegen“, forderte Trainer Niko Kovac vor seinem 100. Bundesliga-Spiel als Trainer.

Das Mia-san-Mia-Gefühl wird beim deutschen Fußball-Meister bei der Aufholjagd Woche für Woche stärker. Drei statt wie Anfang Februar sieben Punkte beträgt der Rückstand auf Spitzenreiter Dortmund. Am Samstag (15.30 Uhr) möchten die Münchner gegen Berlin zumindest für einen Tag zum schwächelnden Rivalen aufschließen.

„Wir wollen und müssen gewinnen, um unsere Chancen zu wahren, am Ende deutscher Meister zu werden. Wir können mit einem Sieg erstmal gleichziehen, so dass der BVB nachlegen muss“, sagte Kovac vor dem Duell mit dem Ex-Club. Trotz eines Heimspiels wird es für die Borussia am Sonntag (18.00 Uhr) gegen Leverkusen um Ex-Coach Peter Bosz nach fünf Pflichtspielen ohne Sieg alles andere als leicht.

„Sie sind Tabellenführer. Sie sind noch da, wo wir gerne hin möchten“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der nach dem Aufschwung voller Freude konstatierte: „Die Erkenntnis bei Bayern München ist, man darf Bayern München nie unterschätzen.“

Ob die Tage der Dortmunder an der Tabellenspitze aber tatsächlich gezählt sind, wird auch von der Münchner Defensivleistung abhängen. Beim 0:0 in Liverpool glückte das, was in der Liga in diesem Jahr noch nicht gelang. „Das war ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg, dass wir die Null gehalten haben“, erklärte Kapitän Manuel Neuer.

Als ein Stabilisator gegen die ausgebremsten Tempofußballer des ehemaligen Dortmunder Trainers Jürgen Klopp fällt Mats Hummels (grippaler Infekt) gegen Hertha aus. Den gegen die „Reds“ herausragenden Mittelfeldkämpfer Javi Martínez könnte eine offensivere Aufstellung zurück auf die Bank befördern.

Allerdings hob Kovac vor der Berlin-Aufgabe hervor, dass ihm nicht an überschwänglicher Angriffsfreude gelegen ist: „Für mich zählt einzig und allein der Sieg. Wenn es ein Spektakel wird, nehme ich es gerne mit. Wenn es weniger Spektakel gibt, ist mir das auch egal.“ Ob der angeschlagene Leon Goretzka (Sprunggelenkblessur) mitwirken kann, ließ er offen. Jérôme Boateng meldete sich nach überstandenem Infekt im Training zurück.

Ein besonderes Kalkül muss Kovac bei Joshua Kimmich und Rafinha anstellen. Beim Angriff auf den BVB kann sich der Trainer eigentlich nicht den Luxus erlauben, Topvorbereiter Kimmich auf die Bank zu setzen. Andererseits braucht Rafinha Spielpraxis, um den am 13. März im Rückspiel gegen Liverpool dann gelbgesperrten Kollegen als Rechtsverteidiger gut ersetzen zu können. „Wir sind in einer Situation, in der wir aufholen müssen. Da versucht man schon, einen Teil der Mannschaft einzuspielen“, sagte der 47-Jährige.

Aber man müsse Rafinha integrieren, sagte der Coach. „Mit Fünf-Minuten-Einsätzen wird es schwierig. Wenn das Spiel gut läuft, wenn wir früh in Führung gehen, wenn wir eine sichere Führung haben, kann man dem Spieler mehr Minuten geben“, sagte Kovac. „Uns ist bewusst, dass wir in den nächsten Wochen aber nicht nur Minuten finden müssen, sondern auch mehrere Minuten.“