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Nach Abstieg
Maloche statt Luftschlösser: HSV ordnet sich neu

Der Hamburger SV muss sich nach dem Abstieg neu ordnen. Foto: Axel Heimken
Der Hamburger SV muss sich nach dem Abstieg neu ordnen. Foto: Axel Heimken FOTO: Axel Heimken
Hamburg. Mit dem Zusammenkehren des Scherbenhaufens hält sich der Hamburger SV nach dem erstmaligen Abstieg in seiner Bundesliga-Geschichte erst gar nicht auf. Von Franko Koitzsch und Thomas Prüfer, dpa

Stattdessen heißt das Kommando in den Geschäftsräumen des Volksparkstadions: Blick gerade aus und los! Der aufs Altenteil geschickte Dino will dabei aber nicht großmäulig den Bau prächtiger Luftschlösser versprechen. Europapokalsieger war man vorgestern, heute ist man Zweitligist.

Als primäre Aufgabe ruft der Verein die Neuordnung der Strukturen im eigenen Haus aus, um die Weichen für die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga stellen zu können.

„Wir müssen die Kosten im Personalbereich in den Griff bekommen und können nicht weiter über unsere Verhältnisse leben“, forderte Aufsichtsratsvorsitzender Bernd Hoffmann nach dem sportlichen Absturz. „Wir werden uns den Gegebenheiten der 2. Liga anpassen.“

Die Daten sprechen eine deutliche Sprache. Ohne das großzügige Fernsehgeld als Bundesligist geht es dem HSV in der 2. Liga deutlich schlechter. In der gerade abgeschlossenen Saison hat der 130 Jahre alte Traditionsverein rund 34 Millionen Euro TV-Prämie kassiert.

In der 2. Liga werden es voraussichtlich nur rund 20 Millionen Euro sein. Das alles vor dem Hintergrund, dass der Club schon im vergangenen Geschäftsjahr in der Bundesliga ein Defizit von 13,4 Millionen Euro geschrieben hat und die Verbindlichkeiten auf 105,5 Millionen Euro anwachsen ließ.

Jetzt regiert der Rotstift. Der Gehaltsetat soll von 55 Millionen auf rund 30 Millionen Euro eingedampft werden. Spieler, deren Verträge auch für die 2. Liga gelten, müssen mit erheblichen Einschnitten rechnen. „Wir werden mit Sicherheit nicht weiter Unsinnspreise zahlen, wie wir das in der Vergangenheit teilweise getan haben“, verkündete Hoffmann. Die Verhandlungen sollen Trainer Christian Titz, Kaderplaner Johannes Spors und der noch zu benennende Sportvorstand führen.

Investor Klaus-Michael Kühne, der bislang mehr als 100 Millionen Euro in den Verein gesteckt hat, soll nicht mehr angepumpt werden. „Immer dann, wenn es uns schlecht geht, zu Herrn Kühne zu rennen“, sei keine Lösung, betonte Hoffmann. „Wir müssen uns von Herrn Kühne im Kopf unabhängig machen.“

Acht Spielerverträge laufen aus. Das betrifft Aaron Hunt, Nicolai Müller, Dennis Diekmeier, Lewis Holtby, Bjarne Thoelke, Sven Schipplock, Sejad Salihovic und Gotoku Sakai. Letzterer will bleiben. Unmittelbar nach dem Abpfiff am Samstag, noch mit Tränen in den Augen, verlängerte der Kapitän - „mit dem Herzen“, wie er sagte. Holtby, von dem Titz enorm viel hält und der unter dem Coach aufgeblüht ist, wäre wohl auch in der 2. Liga dabei, wenn er die Gehaltskürzungen akzeptiert.

Die beiden Brasilianer Douglas Santos und Walace werden gehen. Das betrifft auch den von Titz ins U21-Training abgeschobenen Abwehrspieler Mergim Marvraj und vermutlich ebenso André Hahn und Torhüter Christian Mathenia, die zum Schluss nur noch Tribünengäste waren. Der Schwede Albin Ekdal, Stürmer Luca Waldschmidt sowie die Rückkehrer Pierre-Michel Lasogga (Leeds United) und Alen Halilovic (Las Palmas) sollen Transfererlöse in die leere Kasse spülen.

Neuverpflichtungen werden nur im bescheidenen finanziellen Rahmen möglich sein. Tendenz: mehr Talent als Name. Bislang wurden der 19 Jahre alte ablösefreie Stürmer Manuel Wintzheimer vom FC Bayern München und Abwehrspieler David Bates von den Glasgow Rangers geholt. Die schon getesteten U21- und U19-Spieler aus dem eigenen Verein sollen eine Säule des Neuaufbaus sein. Ob mit Fiete Arp? Unklar. Eins aber ist klar: Beim großen HSV wird künftig alles deutlich kleiner.

HSV-Interview Hoffmann

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