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Griechischer Profi von Bayer 04
Retsos äußert sich zum Pistolen-Eklat in seiner Heimat

Panagiotis Retsos (Archivbild).
Panagiotis Retsos (Archivbild). FOTO: imago
Der griechische Nationalspieler Panagiotis Retsos von Bayer 04 Leverkusen hat sich nach dem Eklat in der griechischen Liga für eine Bestrafung von Ivan Savvidis ausgesprochen. Der Präsident und Eigentümer des Vereins PAOK Saloniki stürmte am Sonntag auf das Spielfeld – mit seiner Pistole am Gürtel. Dorian Audersch

Es ist ein im europäischen Fußball einmaliger Eklat: Am Sonntag musste das Topspiel der griechischen Super League zwischen PAOK Saloniki und AEK Athen in der 90. Minute abgebrochen werden. Grund war PAOK-Klubchef Ivan Savvidis, der an der Seite seiner Bodyguards mit einer Waffe am Gürtel den Platz gestürmt hatte, nachdem der Schiedsrichter das vermeintliche Führungstor seines Vereins aberkannt hatte. Dabei soll er auch den Schiedsrichter bedroht haben. Am Montag reagierte die griechische Regierung auf den Vorfall. Ligaspiele sollen "auf unbestimmte Zeit" nicht mehr stattfinden. Als "sehr schlecht" für den Fußball in seinem Heimatland bezeichnete Panagiotis Retsos die Situation.

Der griechische Nationalspieler wechselte im vergangenen Sommer von Olympiakos Piräus zu Bayer Leverkusen und gilt als eines der größten Abwehrtalente Europas. Weil sein Ex-Klub ein großer Rivale von PAOK sei, wolle er nichts Spezifisches zu dem Fall sagen, erklärte der 19-Jährige, betonte aber: "Savvidis muss bestraft werden."

Für Fans und Spieler seien der Eklat und der vorläufige Abbruch der Liga eine Zumutung. "Jetzt stehen die wichtigsten Spiele der Saison an, in denen sich die Meisterschaft entscheidet. Ich hoffe, dass die Liga so schnell es geht fortgesetzt werden kann." Dennoch habe er Verständnis für die Maßnahme der Regierung: "Sowas gehört nicht in den Fußball. Das war eine wirklich schlimme Situation", sagt Retsos. Für Savvidis und die griechische Liga sei die Außenwirkung fatal. "Er hat vor der Saison gute Spieler eingekauft und das Team zusammengehalten, aber mit diesem einen Moment zerstört er alles."

Ähnlich beschreibt der für Sport zuständige Minister Giorgos Vassiliadis die Lage. "Bilder mit Funktionären, die bewaffnet den Platz stürmen, werfen den griechischen Fußball um Jahre zurück", sagte er.

Der gebürtige Russe Savvidis kaufte sich 2012 bei PAOK ein und ist durch seine zahlreichen Investments eine der bedeutendsten Wirtschaftsgrößen der Stadt. Der 58-Jährige gilt als ein Freund von Wladimir Putin und gehörte von 2003 bis 2011 dem russischen Parlament an. Seit 2013 hat er zusätzlich auch die griechische Staatsbürgerschaft. Er rechtfertigte sich damit, dass es ihm in Griechenland erlaubt sei, eine Waffe zu tragen. Er habe niemanden damit bedroht und werde nun alle notwendigen Schritte einleiten, um die Mannschaft zu schützen.

Nachdem er mit seinem Gespann in die Kabine geflüchtet war, nahm sich Schiedsrichter Georgios Kominis zwei Stunden Bedenkzeit, ehe er seine Entscheidung korrigierte – zum Entsetzen der Spieler von AEK Athen, die sich daraufhin weigerten, die Partie fortzusetzen. So wurde das Spiel am Sonntag beim Stand von 1:0 abgebrochen. Vor dem Anpfiff führte Athen die Tabelle mit zwei Punkten Vorsprung vor Saloniki an. Wie und wann es in der Meisterschaft weitergeht, ist ungewiss. In den kommenden Tagen will sich Vassiliadis mit dem Fußballverband, den Vereinen und der Uefa beraten. "Es sollte sich im Fußball alles nur um den Sport drehen und die Menschen sollten das genießen können", appelliert Retsos. "Ich will solche Szenen nicht sehen."