Retterspiel gegen den FC Bayern: Ausnahmezustand in Kaiserslautern

Retterspiel gegen den FC Bayern : Ausnahmezustand in Kaiserslautern

Im Retterspiel trennen sich der 1. FC Kaiserslautern und Bayern München 1:1. Ein Weltmeister zeigt sich vond er Stimmung angetan.

Ausnahmezustand in Kaiserslautern – die Bayern kommen! Von der Autobahnausfahrt bis zum Fritz-Walter-Stadion braucht man 90 Minuten, schon zweieinhalb Stunden vor Spielbeginn herrscht ein riesiges Verkehrschaos in der pfälzischen Fußball-Hochburg.

Zum „Retterspiel“ reist der frisch gebackene Double-Gewinner und deutsche Fußball-Rekordmeister FC Bayern München auf den einst so gefürchteten Betzenberg an, und das Fritz-Walter-Stadion ist mit 48 500 Zuschauern ausverkauft.

Der Drittligist und Verbandspokalsieger 1. FC Kaiserslautern schlägt sich überraschend wacker und spielt gegen die mit einigen Stars wie Mats Hummels und Serge Gnabry aufgelaufenen Münchner 1:1 (1:0). Die Führung für den FCK erzielt Hendrick Zuck schon in der achten Minute, zum späten Ausgleich trifft der zusammen mit den von den Bayern-Fans geforderten Franck Ribery in der 72. Minute eingewechselte Torjäger Robert Lewandowski (80.).

Viel wichtiger als das Endergebnis ist aber die Stimmung im Stadion und der Auftritt der Lauterer Mannschaft nach einer schwierigen Drittligasaison – sowie die finanzielle Komponente. Unter dem Strich bleiben von diesem Retterspiel für den finanziell stark angeschlagenen Pfälzer Traditionsverein 750 000 Euro hängen – eine nette Summe, die bei der angestrebten Rückkehr in die zweite Liga hilfreich ist.

Thomas Müller führte den FC Bayern als Kapitän aufs Feld, schon nach 16 Minuten musste er allerdings mit leichten Oberschenkelproblemen ausgewechselt werden. Von der Stimmung auf dem Betzenberg war das Bayern-Urgestein angetan: „Man hat selbst heute gesehen und gehört, was hier los ist, wenn die Lauterer vors Tor kommen. Ob es in Zukunft noch mal reichen kann für die Rückkehr in die erste Liga weiß ich nicht. Da bin ich zu weit weg, um das beurteilen zu können.“

Erinnern konnte er sich aber an zwei Länderspiele im Fritz-Walter-Stadion, zwei Freundschaftsspiele – und eine Niederlage in der Saison 2010/11, gleich nach dem Bundesliga-Aufstieg des FCK. Da gewannen die Lauterer im ersten Saison-Heimspiel mit 2:0 nach Toren von Lakic und Ilicevic – der bis dato letzte Sieg gegen die Münchner, die in den 1970er Jahren zu Zeiten eines Paul Breitner die Punkte schon mit der Post nach Kaiserslautern schicken wollten.

Am Montagabend wäre es fast wieder so weit gewesen, denn die Lauterer spielten und kämpften vor der großen Kulisse aufopferungsvoll. Sie versäumten es aber, das 2:0 nachzulegen – und so reichte die 18-Minuten-Zauberei von Ribery und Lewandowski zu einem Pfostenschuss des Franzosen und den Ausgleichstreffer durch den Bundesliga-Torschützenkönig aus Polen.

Aber unter dem Strich „hat es sehr großen Spaß gemacht und es war ein versöhnlicher Abschluss für uns“, fand FCK-Verteidiger Dominik Schad. Die Fans genossen das Erstliga-Feeling auf dem Betze und träumten wieder von besseren Zeiten, bevor sie sich auf den Rückweg nach Hause und zurück ins Verkehrschaos begaben.

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