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Trainingsauftakt
Suche nach mehr Spielkultur: Favre nimmt Arbeit beim BVB auf

Trainer Lucien Favre soll für mehr Spielkultur bei Borussia Dortmund sorgen. Foto: Bernd Thissen
Trainer Lucien Favre soll für mehr Spielkultur bei Borussia Dortmund sorgen. Foto: Bernd Thissen FOTO: Bernd Thissen
Dortmund. Das Debüt von Lucien Favre auf dem Trainingsgelände von Borussia Dortmund stand unter strenger Beobachtung. Mit prüfenden Blicken verfolgten Hans-Joachim Watzke, Michael Zorc und Sebastian Kehl am Montag die ersten Einheit unter der Regie des neuen Fußball-Lehrers. Von Heinz Büse, dpa

Die Präsenz der kompletten Führungstroika wurde von Beobachtern als Indiz für einen Strategiewechsel gewertet. Nach einem Jahr mit teaminternen Spannungen herrscht vor allem in einer Hinsicht Handlungsbedarf. „Wir wollen versuchen, eine neue Stimmung zu erzeugen - mit großem Fokus auf Disziplin“, hatte der zum Leiter der Lizenzspielerabteilung ernannte Kehl zuvor angedeutet.

Erste Eindrücke lassen darauf schließen, dass die Botschaft bei den Profis angekommen ist. „Mir ist hier eingeprägt worden: Man muss sehen, dass man kämpft“, sagte der einstige Frankfurter Marius Wolf, einer von bisher fünf Neuzugängen am Ende der 80-minütigen Trainingseinheit bei hochsommerlichen Temperaturen. Nicht nur der offensive Mittelfeldspieler war mit großem Eifer bei der Sache. „Alle erwarten, dass wir es besser machen als in der vergangenen Saison“, sagte Wolf.

Der Wunsch nach mehr Ordnung im Kader beeinflusste auch die Transferpolitik. Statt blutjunger Talente wie Ousmane Dembélé, Emre Mor oder Jadon Sancho wurden diesmal Profis wie Thomas Delaney, Wolf und Abdou Diallo verpflichtet, die vor allem für bedingungslosen Einsatz stehen. Gleichwohl wollte Zorc nicht von einem radikalen Umkehr in der Einkaufspolitik sprechen. „Der Kader kann nicht nur aus zwölf 20-Jährigen bestehen. Du brauchst auch Verlässlichkeit und Erfahrung“, sagte er dem „Kicker“.

Noch sind die Personalplanungen nicht abgeschlossen. Neben Außenstürmer Andrej Jarmolenko, den es offenbar zum englischen Club West Ham United zieht, dürften noch weitere Profis aus dem bisher noch üppigen 30er-Kader den Club verlassen. Ob ein neuer hochkarätiger Mittelstürmer hinzukommt, der die Lücke nach dem Weggang von Pierre-Emerick Aubameyang schließen könnte, ließ Watzke offen: „Wenn einer auf den Markt kommt, vom dem wir total überzeugt sind, werden wir darüber nachdenken. Sonst nicht.“

Möglicherweise muss Favre den Saisonstart ohne Jungstar Julian Weigl planen. „Ich kann noch nicht sagen, wann es weitergeht“, antwortete der 22-Jährige als Trainingsgast auf Fragen nach gesundheitlichen Fortschritten. Trotz mehrwöchiger Schonung leidet der Mittelfeldspieler weiter an einer Adduktoren-Reizung, die ihn schon zum Ende der vergangenen Spielzeit gehandicapt hatte. Bei der USA-
Reise des Revierclubs vom 18. bis 26. Juli wird er deshalb fehlen.

Den ersten Test hat der BVB am 13. Juli bei Austria Wien. Fünf Tage später geht es auf US-Tour. Vom 1. bis 8. August bezieht der achtmalige deutsche Meister ein Trainingslager in Bad Ragaz/Schweiz. Was Vereinschef Watzke von Favre erwartet, brachte er bereits bei dessen Vorstellung am vergangenen Freitag zum Ausdruck: „Sicher wird sich jemand finden, der Titelträume formuliert. Wir haben diese Titelträume nicht. Lucien Favre soll nicht mit einer unrealistischen Erwartungshaltung überfrachtet werden.“