| 11:40 Uhr

Das Netz schimpft auf den Videobeweis
"Wembley-Tor von 1966 zählt NICHT!"

Mainz. Beim Spiel zwischen Mainz und Freiburg hat der Videobeweis ein neues Niveau der Skurrilität erreicht. Weil es nachträglich einen Elfmeter gab, mussten die Freiburger Spieler aus der Halbzeitpause zurück auf den Rasen. Fans und Beteiligte sind fassungslos.

Beim Spiel zwischen Mainz und Freiburg hat der Videobeweis ein neues Niveau der Skurrilität erreicht. Weil es nachträglich einen Elfmeter gab, mussten die Freiburger Spieler aus der Halbzeitpause zurück auf den Rasen. Fans und Beteiligte sind fassungslos.

In Mainz hatte Schiedsrichter Guido Winkmann (Kerken) die Spieler zunächst in die Halbzeitpause geschickt, auf Hinweis der Video-Assistentin Bibiana Steinhaus aber dann doch noch eine fragliche Szene selbst am Bildschirm überprüft und auf Handelfmeter für Mainz entschieden. Die SC-Profis mussten zurück auf den Rasen kommen. Pablo De Blasis behielt die Nerven und traf sieben Minuten nach dem vermeintlichen Halbzeitpfiff. In der 78. Minute legte der Argentinier den zweiten Mainzer Treffer nach.

Bei vielen Fans scheint der Videobeweis damit endgültig jeglichen Kredit verspielt zu haben. Bei Twitter sprachen User von "Irsinn", "Wahnsinn" und forderten, der Videoassistent müsse abgeschafft werden. "Ich glaube, jetzt ist das Fass voll", twitterte der frühere Profi Didi Hamann, jetzt Experte bei Sky.

So manch ein Beobachter dachte schon weiter und entwarf Szenarien, bei denen der Videobeweis erst eingreift, wenn die Zuschauer nach dem Abpfiff schon auf dem Weg nach Hause sind.

Andere forderten das nachträgliche Eingreifen des Videobeweises bei historischen Entscheidungen. So könne doch auch das berühmt-berüchtigte Wembley-Tor, das 1966 das WM-Finale zwischen England und Deutschland zugunsten der Engländer entschieden hatte, ein Fall für den "VAR" sein. Weitere Twitter-Reaktionen lesen Sie hier.

Auch für Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich war der Ablauf der Videobeweisentscheidung zum zwischenzeitlichen 1:0 beim 2:0 (1:0) des FSV Mainz 05 gegen den SC Freiburg höchst unglücklich. "Das sind Szenen, die am Ende keiner will", sagte er bei Eurosport: "Das ist nicht schön und keine Werbung für den Ablauf." Dennoch sei die Entscheidung "nicht anders möglich" gewesen.

"Ich lasse diese Dinge jetzt über mich ergehen und über die Mannschaft, thematisiere das nicht und versuche, das zu beeinflussen, was wir beeinflussen können", sagte SC-Trainer Christian Streich: "Sollen sie machen, was sie machen wollen. Deshalb heißt es Schiedsrichter. Die entscheiden das, und wir haben das zu akzeptieren."

"Das kann man am letzten Spieltag machen, wenn es nur noch um die Goldene Ananas geht. Da können sie den Videobeweis ausprobieren. Aber bei solch einem Spiel - unglaublich, dass man da so eine Entscheidung trifft", schimpfte der Freiburger Abwehrspieler Manuel Gulde.

Die kurios anmutende Videobeweisentscheidung war laut des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in jeder Hinsicht regelkonform. Die Video- und Tonaufzeichnung aus dem Kontrollzentrum in Köln würden belegen, dass Video-Assistentin Bibiana Steinhaus (Langenhagen) den Kontakt zu Schiedsrichter Guido Winkmann (Kerken) aufgenommen hat, "bevor dieser das Spielfeld verließ", sagte DFB-Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich.

Am Dienstagmorgen war zunächst spekuliert worden, ob es möglicherweise zu einem Regelverstoß gekommen sein könnte, weil Winkmann das Spielfeld schon verlassen hatte. Dann hätte er laut Absatz 5.2. im Regelwerk, der allerdings den Videobeweis noch nicht berücksichtigt, seine Entscheidung nicht revidieren dürfen.

(areh/sid/dpa)