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Trotz Sieg beim FC Bayern
Real Madrid denkt an Turin und warnt

München . Real Madrid will trotz des erneuten Erfolgs beim FC Bayern nichts vom Finale hören. Die Erinnerung an das Drama gegen Juventus Turin ist noch frisch. Auch Cristiano Ronaldo wird sich im Rückspiel steigern müssen.

Real Madrid will trotz des erneuten Erfolgs beim FC Bayern nichts vom Finale hören. Die Erinnerung an das Drama gegen Juventus Turin ist noch frisch. Auch Cristiano Ronaldo wird sich im Rückspiel steigern müssen.

Superstar Cristiano Ronaldo rückte nach einem für ihn seltsam grauen Champions-League-Abend erst nach dem Schlusspfiff in den Mittelpunkt. Der Weltfußballer von Real Madrid hatte nach dem 2:1 (1:1) im Halbfinal-Hinspiel beim FC Bayern gerade mit Toni Kroos abgeklatscht, da musste ihm ein Ordner schon den ersten Flitzer vom Hals halten. Mit den nächsten beiden posierte er gewohnt lässig für ein Foto, bis auch sie eingefangen wurden.

Als er eine knappe Stunde später mit protzigen Kopfhörern um den Hals die Allianz Arena verließ, warteten noch Dutzende kreischende Fans auf "CR7". Dabei lag es ausnahmsweise gar nicht an Ronaldo, dass das "unverwüstliche Real" (AS) erneut zum "Bayern-Albtraum" (Marca) wurde - und vom nächsten Finale am 26. Mai in Kiew träumen darf.

Der Portugiese ging erstmals in dieser Champions-League-Saison leer aus. Stattdessen schossen Marcelo (41.) und Marco Asensio (57.) Madrid trotz "durchschnittlicher Leistung" (Kroos) zum sechsten Sieg gegen den deutschen Rekordmeister hintereinander. Der dritte Titel in der Königsklasse in Serie und 13. insgesamt ist jetzt keine Utopie mehr. Das historische Triple, sagte Kroos, "wäre unglaublich".

So weit wie der deutsche Weltmeister wollte bei Real aber kaum jemand denken. "Wir haben noch nichts erreicht", sagte Kapitän Sergio Ramos, und Trainer Zinedine Zidane erinnerte mit Nachdruck an das Viertelfinal-Rückspiel. Am Dienstag müsse Real "anders spielen" als beim 1:3 gegen Juventus Turin, sagte er, "sonst wird es uns schlecht ergehen. Wir werden wieder leiden müssen, die Bayern können das auch im Bernabeu noch wettmachen."

Zumal sich Madrid beim 150. Sieg in der Champions League (Rekord) verwundbar zeigte. "Das Ergebnis ist gut, mehr nicht", sagte Kroos selbstkritisch, "wir können besser spielen."

Das gilt besonders für Ronaldo, dessen erster Torschuss sinnbildlich für seinen schwachen Auftritt stand: Er landete im Seitenaus (47.). Sein Tor (71.) fand wegen Handspiels zurecht keine Anerkennung. Ronaldo, urteilte El Pais, sei in München "nicht anwesend" gewesen.

Dass Real wie zuvor in der K.o.-Runde in Paris (2:1) und Turin (3:0) zum "Terror Europas" (Marca) wurde, war neben dem starken Ramos dem eingewechselten Asensio zu verdanken. "Er hat alles", sagte Zidane über den 22-Jährigen. Als der spanische Jungstar 2015 von Mallorca nach Madrid wechselte, waren auch die Bayern interessiert. "Kein Witz: Asensio hat 3,5 Millionen gekostet", erinnerte Marca am Donnerstag genüsslich an Reals Coup.

Asensio kam für Dani Carvajal (Oberschenkel), der wie Isco (Schulterstauchung) verletzt raus musste. Doch Real quälte sich zum Sieg. Oder, wie es Ramos in seiner Instagram-Botschaft mit nacktem Oberkörper und in die Kamera gereckter Faust ausdrückte: "Wissen, wie man leidet. Wissen, wie man gewinnt. Wissen, wie man Real Madrid ist. Es bleiben 90 Minuten. Vamos!"

(sid)