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| 17:00 Uhr

TV-Serie Nachspielzeit
„20 000 Leute – an einem Mittwoch!“

Damals und heute: Reiner Brinsa posiert im Moselstadion mit einem Foto aus früheren Zweitliga-Zeiten. Der 65-Jährige ist mit rund 600 Einsätzen Rekordspieler bei Eintracht Trier.
Damals und heute: Reiner Brinsa posiert im Moselstadion mit einem Foto aus früheren Zweitliga-Zeiten. Der 65-Jährige ist mit rund 600 Einsätzen Rekordspieler bei Eintracht Trier. FOTO: Picasa / Jürgen C. Braun
TRIER. TV-Serie Nachspielzeit: Eintracht-Legende Brinsa erinnert sich an große Spiele im Moselstadion und den Europapokal.

Leiser Nieselregen untermalt das triste Grau des verhangenen Wolkenvorhangs. Zwei gegen die Witterung geschützte Läufer ziehen  - jeder für sich allein - einsam und verlassen ihre Bahnen auf dem Tartan-Rund. Vom kalten Eisen-Geländer, an das wir uns gelehnt haben,  blättern lautlos  dünne Rostfragmente auf den Splitt der Stufen des Trierer Moselstadions. Bonjour Tristesse!

„Hier drängten sich mittwochabends fast 20 000 Leute gegen Nürnberg oder 1860 München“, sagt Reiner Brinsa und zeigt Richtung Backsteinbau gegenüber. „Die Zweige der Bäume waren nicht grün, sondern schwarz. Schwarz vor Menschen, die darin kauerten, um noch was vom Spiel mitzubekommen.“

Gegen Nationalspieler Jimmy Hartwig, erzählt er, „habe ich damals gegen 60  gespielt. 0:0 heiß es am Ende. Die Fußball-Euphorie in Trier und Umgebung damals war ungeheuer. Die Eintracht war überall Thema. Kaum jemand, der sich nicht dafür interessiert hätte.“

Mit dem 65-jährigen gebürtigen Saarländer, der 1976 nach dem Aufstieg des SVE in die damalige 2. Bundesliga Süd von Borussia Neunkirchen an die Mosel gewechselt war, haben wir uns für heute hier verabredet.

Gegen Borussia Neunkirchen und Wormatia Worms hatte sich die Eintracht damals in der Aufstiegsrunde durchgesetzt. Brinsa trug damals noch das Trikot des Saarlandmeisters. „Beim 4:4 in Neunkirchen habe ich drei Tore geschossen. Und noch eines für die Eintracht. Ein Eigentor. Vielleicht wollten sie mich ja danach auch deswegen.“

Brinsa entschied sich zum Wechsel und  kam, um zu bleiben. 13 Jahre trug er das Eintracht-Trikot. In der zweiten Liga, später nach dem Abstieg in der Oberliga Südwest. Wurde als Interims-Trainer 1988 mit den Trierern Deutscher Amateurmeister. „Das war so eine Art Gnadenbrot für die, die die Aufstiegsrunde zur zweiten Liga nicht erreicht hatten. Für uns damals dennoch ein Riesen-Erfolg.“ Der gelernte Bauzeichner, der mit 1,82 Meter Größe und 82 Kilo fast noch das damalige „Kampfgewicht“ aufweist, war und ist Fußballer durch und durch. „Aber ich war auch Realist. Schon als kleiner Knirps wollte ich unbedingt  Fußballer werden.“ Sein Talent wurde bald offenkundig. Der damalige Trainer des Fußball-Verbandes Saar, der spätere Bundestrainer Jupp Derwall, war sein Entdecker und Förderer. Aber ich wusste auch, dass ich nicht ewig würde spielen können. Die berufliche Absicherung war mir wichtig.“

In Trier bot man ihm beides. Profitum  und Arbeitsstelle. „Mich kriegt man so schnell nicht mehr weg, wenn ich einmal irgendwo bin“, sagt Brinsa und lacht.  40 Jahre blieb er im gleichen Unternehmen. Geht noch heute, kurz nach der Rente, ein bis zwei Mal „in meine Firma.“

Er machte die berühmten „Nägel mit Köpfen“. In Euren lernte er seine Frau Michaela kennen, das Paar hat zwei Kinder. In Tarforst steht das Haus der Familie Brinsa. Man glaubt es ihm und sieht es ihm an, wenn er sagt: „Es geht mir gut heute.“

Sieben Jahre hat er als Jugendlicher bei der Borussia in Neunkirchen gekickt, danach 13 Jahre bei der Eintracht (mit rund 600 Einsätzen ist er Rekordspieler). 15 Jahre Trainer in Luxemburg, seit 42 Jahren beruflich im gleichen Betrieb. „Wer mich erst mal hat“, sagt Reiner Brinsa und lacht „der wird mich so schnell nicht  mehr los.“

Seine Passion Fußball und seine Weitsicht der Dinge hat er immer ausgelebt.  Eineinhalb Jahrzehnte  stand er als Coach im kleinen luxemburgischen Grenzort Rosport an der Bande. Bei der Viktoria wurde er zum „lebenden Denkmal“:  Aufstieg  in die erste Liga des Großherzogtums, Pokalfinale, 2005 Einzug in den UI-Cup gegen Göteborg. „Das war völlig verrückt. Unvorstellbar. Wir waren ein Dorf von 1100 Einwohnern. Für das  Hinspiel in Schweden haben wir ein Flugzeug gechartert. Das ganze Dorf ist mitgeflogen.“

Nach dem Abschied als Trainer in Luxemburg war Schluss mit dem Fußball-Geschäft. „Das war ein Cut. Ich habe gemerkt, dass dieser Abschnitt damit zu Ende war. Ich wollte nicht mehr.“ Dem Sport ist er treu geblieben, wird er treu bleiben: „Mit der Eintracht noch in der Ü 50 kicken, das macht Spaß. Werner Kartz kümmert sich da drum.“ Dazu Mountain biken („Ab und zu fahre ich zu Paul Linz nach Riol.“)   Das Skifahren hat es ihm angetan. Wenige Tage nach dem Termin mit dem TV ging’s nach Südtirol. „Drei Zinnen. Schnee ohne Ende.“

Reiner Brinsa ist ein durch und durch positiver Mensch. Einer, der mit Leidenschaft, aber auch mit Augenmaß die Chance genutzt hat, die ihm das Leben vor mittlerweile mehr als 40 Jahren auf dem Silbertablett offerierte. Als wir uns am Ausgang verabschieden, dreht er sich noch einmal um und betrachtet das Stadion. Leicht wehmütig sagt er wie zu sich selbst. „Regionalliga. Höchstens. Mehr nicht mehr. Schade, sehr schade.“ Ein ausverkauftes Moselstadion in einem Punktspiel? Nein, es gibt kein Zurück in die Zukunft mehr.

Die Viktoria aus Rosport, sagt Brinsa zum Abschluss, „schickt  mir jedes Jahr noch meine Dauerkarte.“ Und hier? Verlegenes Schulterzucken. „Ach, lassen wir das.“

In der TV-Serie Nachspielzeit berichten wir in loser Folge über Kicker, die den Fußball in der Region über Jahre geprägt haben.