27 Sekunden bis zum ersten Jubel

Mit dem 2:0-Heimsieg gegen Borussia Dortmund II hat Eintracht Trier in der Regionalliga West die 40-Punkte-Marke übersprungen. Die Moselaner sind nun wieder ärgster Verfolger von Spitzenreiter Preußen Münster.

"Kann ich dein Trikot haben?", fragte der Junge auf der Osttribüne, als Lukas Mössner in Richtung Kabine ging. "Nein, das geht leider nicht", entgegnete der Österreicher. Es war keine Böswilligkeit des Stürmers, der sein Jersey weiterhin benötigt. Ohnehin hätte er es nur ungern abgetreten. "So schnell werde ich das nicht hergeben", sagte er später. Weil mit dem Trikot eine schöne Erinnerung verbunden ist.

Dortmund II nur bis zum Strafraum ansprechend



Zwei Tore hatte Mössner zuvor in den 90 Minuten gegen Borussia Dortmund II erzielt. Das erste gleich nach 27 Sekunden, als er nach feinem Pass von Alban Meha mit stoischer Ruhe erst Gäste-Torwart Johannes Focher umkurvte und dann den Ball einschob.

Es war der Nachmittag des St. Pölteners, der in einer Woche 27 Jahre alt wird. "Sensationell, mit so einem frühen Treffer zu beginnen", sagte der Stürmer. Nach etwas mehr als einer Stunde stocherte er nach einem Schuss von Ahmet Kulabas den Ball gedankenschnell über die Linie — der dritte Eintracht-Sieg in Folge war eingetütet. Es waren Mössners Saisontreffer Nummer sechs und sieben.

Für Trier war es ein hartes Stück Arbeit gegen einen lauf- und spielstarken Kontrahenten, der aber nur bis zum Strafraum gefällig agierte.

"Der Gegner hat heute gezeigt, wie man Fußball spielt. Wir haben gezeigt, wie man Tore schießt", analysierte Eintracht-Trainer Roland Seitz. Nicht zufrieden sein konnte er damit, wie viele Räume sein Team den Gelb-Schwarzen im Mittelfeld gewährte. Lobende Worte fand der Oberpfälzer dagegen für die Einstellung seiner Mannschaft: "Sie wollte kein Gegentor kassieren. Sie hat sich gegen eine starke Borussia gewehrt. Es war auch ein Erfolg des Willens."

Hintergrund

Cozza, Karikari, Kempny: Weil Cataldo Cozza wegen einer Erkältung kurzfristig ausfiel, lief überraschend Jeremy Karikari als Rechtsverteidiger auf — und nicht der etabliertere Thomas Kempny. Nach 36 Minuten musste Eintracht-Trainer Roland Seitz seine Personalentscheidung revidieren. Karikari ging, weil er gelb-rot-gefährdet war — und Kempny kam. Seitz: "Jeremy war nicht so in den Zweikämpfen, wie ich mir das vorgestellt habe. Thomas hat dann gut gespielt." Jugend statt Erfahrung: Auf der linken Abwehrseite ließ Seitz erneut den 20-jährigen Fabian Zittlau spielen, obwohl bei Routinier Thomas Drescher die Oberschenkel-Probleme abgeklungen sind. "Thomas hat zuletzt fast nie trainiert. Er ist einfach noch nicht so weit, auch wenn er am vergangenen Dienstag im Rheinlandpokal gespielt hat. Zudem hat Fabian in den letzten Wochen seine Sache gut gemacht", begründete Seitz. Zittlau freute sich über das Vertrauen: "Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass ich spiele, wenn Thomas fit ist. Aber ich denke, ich habe mir den Einsatz verdient." (bl)