Am Seidel-nen Faden

4:1 - bei Borussia Mönchengladbach II gelingt Eintracht Trier der höchste Saison-Auswärtssieg. So klar waren die Kräfte-Verhältnisse aber nicht. Trier profitierte unter anderem davon, dass Gladbachs Routinier Sören Seidel kein Zielwasser getrunken hatte.

Mönchengladbach. Ernst Wilhelmi hatte nur einen Wunsch. Die Mannschaft sollte dem Vorstandsmitglied von Eintracht Trier zu seinem Geburtstag einen Sieg schenken. Gesagt, getan. Mit dem 4:1-Erfolg bei Borussia Mönchengladbach II gelangen Trier drei wichtige Punkte im Kampf gegen den Abstieg.

Zu Ende ist die Serie siegloser Liga-Spiele (fünf). Zu Ende ist die Flaute im Eintracht-Sturm. Gegen die Borussia-Fohlen traf Wilko Risser zweimal (sein vierter Saison-Doppelpack in Liga und Pokal). Florian Bauer traf erstmals in der Liga - in seinem fünften Spiel. "Jungspund" Tim Eckstein, in der zweiten Halbzeit eingewechselt, gab zwei starke Tor-Vorlagen.

Bei Bauer entpuppte sich der anfangs kolportierte Nasenbeinbruch indes "nur" als Prellung: "Sie ist ein bisschen schmerzhaft, behindert mich aber nicht. Es war ein Supergefühl, vor den vielen Trierer Fans zu treffen."

Rund 150 Trierer Anhänger hatten das Team ins Rheydter Grenzlandstadion begleitet. Sie sahen eine trotz des am Ende deutlichen Siegs keineswegs so dominante Eintracht. Lücken in der Abwehr - vor allem in der Anfangsphase - begünstigten die 1:0-Führung durch Christian Schlösser. Hinzu kam Dusel, als unter anderem Sören Seidel zwei hundertprozentige Chancen ausließ. Triers Sieg: Er hing am Seidel-nen Faden.

Das sachliche Fazit von Linksverteidiger Andy Rakic: "Die ersten zehn bis 15 Minuten haben wir in der Abwehr geschlafen. Insgesamt täuscht das hohe Ergebnis ein wenig über den Spielverlauf hinweg. Wir hatten schon auch ein bisschen Glück." Auch Eintracht-Trainer Mario Basler hob nicht ab: "Wir waren wie schon zuletzt anfangs gedanklich nicht richtig auf dem Platz. Mit dem Ausgleich haben wir uns gefangen. In der zweiten Halbzeit haben wir ordentlich gespielt und gut gekontert." Angesichts nun acht Punkten Vorsprung auf Platz 16: Ist das Abstiegs-Gespenst endgültig vertrieben? Basler: "Na ja, die Lage hat sich für uns ein bisschen beruhigt. Aber wir wollen in der Tabelle ja nicht auf einem zweistelligen Platz bleiben."

Eintracht-Ecke

Kleine Belohnung: Es war der Tag der Eintracht-Stürmer in Mönchengladbach. Immerhin einen kleinen Erfolg verbuchte auch Christian Müller. Erstmals seit dem Heimspiel gegen Rot-Weiß Essen durfte er mal wieder mitmischen — nach 83 Minuten kam er gegen die Borussia auf den Platz. Eintracht-Trainer Mario Basler: "Das war eine kleinere Belohnung dafür, dass er im Training ordentlich gearbeitet hat." Prellung: Schon nach 23 Minuten musste Verteidiger Michael Dingels wegen einer Mittelfußprellung ausgewechselt werden. Zum Spiel in Elversberg (2. Mai) will er wieder fit sein. Nächsten Freitag gegen Leverkusen fehlt er ohnehin wegen seiner zehnten gelben Karte. Geduld: Länger als erwartet muss Eintracht-Torwart Uli Schneider an den Folgen seines im Dezember 2008 erlittenen Meniskusrisses laborieren. "Ich habe noch immer Knieprobleme. In den nächsten Wochen muss ich noch Reha-Maßnahmen absolvieren. Wahrscheinlich gegen Ende der Saison könnte ich wieder fit sein." Besteht die Gefahr eines Langzeitproblems? Schneider verneint: "Ich weiß, dass ich zurückkehren werde." (bl)