Bei einigen Clubs verhallt der Jubel

Bei einigen Clubs verhallt der Jubel

Die neue dreigleisige Fußball-Regionalliga ruft bei einigen beteiligten Clubs wenig Begeisterung hervor. Nach einem halben Jahr werden schon einschneidende Korrekturen angemahnt. Eine Zwischenbilanz der neuen vierten Liga.

Die Ausgangslage: "Für uns war es wichtig, aus der Oberliga heraus erst mal in diese neue Liga zu kommen, auch wenn es weiterhin nur die vierthöchste Spielklasse ist. Das Umfeld hat eine gewisse Erwartungshaltung, die wir mit der Präsentation von etwas Neuem befriedigen konnten." Das sagt Markus Lösch, seit Saisonbeginn Team-Manager beim Süd-Regionalligisten SSV Ulm und früher Spieler bei Eintracht Trier (2002 bis 2004, 2005/06). So wird bei einigen der insgesamt 54 neuen Viertligisten gedacht. Nach den ersten Monaten ist jedoch vielerorts die Euphorie ein wenig verflogen. Nicht, weil das sportliche Niveau schlecht ist, sondern weil anderweitig die Attraktivität geschmälert wird. Aus mehreren Gründen.

Der Reiz: "Die traditionsreichen Amateurclubs sind Sparringspartner für die Nachwuchs-Teams der Bundesligisten", kritisiert Roland Seitz, Trainer des Süd-Regionalligisten SSV Reutlingen und zu Beginn der Saison 2006/07 Kurz-zeit-Trainer in Trier. 22 der 54 Regionalligisten sind Zweitvertretungen von Lizenz-Vereinen. Das Problem: Sie sind kein Zuschauermagnet. Zudem können sie den Wettbewerb verzerren — abhängig davon, wie viele Profis "von oben" phasenweise mitspielen. Aktuell werden zwei der drei Staffeln von Zweitvertretungen angeführt (Süd: Eintracht Frankfurt II, West: 1. FC Kaiserslautern II).

Die Auflagen: Die Regionalligisten müssen in einem Lizenzierungsverfahren viele Auflagen im technisch-organisatorischen und wirtschaftlichen Bereich erfüllen. Teilweise wird's dabei skurril. Lösch: "Im Donaustadion mussten alle Wellenbrecher erneuert werden, weil sie aus Sicht des Deutschen Fußball-Bunds etwa 30 Zentimeter zu niedrig waren." Dank des Umfelds haben Zweitvertretungen mit den Anforderungen weniger Probleme als einige der anderen Clubs, die zudem beklagen, vom DFB zur Erfüllung der Vorgaben nicht genügend Geld zugewiesen zu bekommen. "Wenn der DFB die Liga so ernst nimmt, wie er sie behandelt, muss er auch die Clubs unterstützen", sagt Harry Thiele, Vorstandsmitglied von West-Regionalligist Eintracht Trier. Sauer stößt den Vereinen abseits der Nachwuchs-Teams auf, dass zur neuen Saison die Fernsehgeld-Zuweisung fast um die Hälfte (von 162 000 Euro auf 88 000 Euro) reduziert werden soll. "Will der DFB, dass sich die Vereine auch weiter sozial engagieren - etwa im Jugendbereich -, oder will er letztlich ein Mäzenatentum?", fragt Dirk Jacobs, Geschäftsstellenleiter von Eintracht Trier.

Die Auswirkungen: Unter den gegebenen Voraussetzungen ist es aus Sicht einiger Clubs schwierig, zukunftsgewandt zu wirtschaften. Darmstadt 98 fehlen derzeit 400 000 Euro, um einen gestellten Insolvenzantrag zurückziehen zu können. Waldhof Mannheim kämpft gleichfalls gegen eine drohende Pleite. Dem SSV Reutlingen geht im Sommer der Hauptsponsor abhanden.

Das Zuschauer-Gefälle in den Staffeln ist immens. Zum Spiel Türkiyemspor Berlin gegen Wilhelmshaven in der Nord-Staffel kamen 68 Zuschauer, der Partie 1. FC Magdeburg gegen Hallescher FC wohnten 12 000 Fans bei. Aus Sicht des Trierers Paul Linz, Trainer des 1. FC Magdeburg, ist für die Resonanz letztlich ausschlaggebend, was jeder Club seinen Fans bietet: "Wir haben ein tolles Stadion, sind ein Traditionsverein und spielen guten Fußball."

Das Dilemma: "Wer in der Regionalliga bleiben will, kann das mit Feierabend-Fußball schaffen. Wer aufsteigen will, braucht Profi-Spieler und einen Profi-Trainer", sagt Lösch. Das wiederum kostet viel Geld, das mittels Vermarktung in der vierten Liga schwierig zu generieren ist. Ulms Team-Manager: "Auf Dauer kannst du in der Regionalliga nicht überleben. Sponsoren werden nach und nach abspringen, da für sie die Liga unattraktiv ist. Sponsorengeld ist jedoch die Haupteinnahmequelle der Clubs in der Regionalliga."

Zukunfts-Ideen: "Entscheidend ist, dass in den Regionalligen der bislang wertlose zweite Platz aufgewertet wird", fordert Lösch. Derzeit steigt aus den Regionalliga-Staffeln nur der jeweils Erstplatzierte auf. Lösch: "Das ist ein Zuschauerkiller." Würde der zweite Platz zur Teilnahme an einer Relegation mit dem Viertletzten der dritten Liga berechtigen, könnte länger in einer Saison bis zu den Mittelfeld-Plätzen Spannung herrschen. Roland Seitz geht noch weiter. Er fordert nur noch zwei Regionalligen unter der dritten Liga - befreit von allen Zweitvertretungen, die eine eigene Runde bestreiten sollen: "Vielleicht gäbe es dann mehr Fernseh-Geld."

Meinung

Wohin soll der Weg führen?

In den neuen Regionalligen stehen die organisatorischen Anforderungen an die Clubs in keinem gesunden Verhältnis zur finanziellen Ausstattung. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. Gleichzeitig ist es auch nachvollziehbar, dass in die vierte Spielklasse nicht viel Fernsehgeld gepumpt werden kann, wenn die Gegenleistung - nämlich Fernsehpräsenz - häufig so gut wie nicht gegeben ist. Der Deutsche Fußball-Bund muss sich schleunigst Gedanken machen, ob er eine Profi-Liga oder eine Amateur-Klasse unterhalb der erfolgreich angelaufenen dritten (Profi-)Liga haben möchte — und entsprechend handeln. Unter den gegebenen Voraussetzungen verkommt die vierte Klasse über kurz oder lang zur Farce. m.blahak@volksfreund.de

Hintergrund

Mit Beginn der Saison 2008/09 ist die Fußball-Regionalliga die vierthöchste Spielklasse im deutschen Männerfußball. Sie gliedert sich in drei Staffeln (Nord, West, Süd), deren Meister in die gleichfalls neu eingeführte eingleisige dritte Liga aufsteigen. Die Zuordnung der 54 Mannschaften in die Staffeln soll jedes Jahr nach geografischen und logistischen Kriterien erfolgen. Dabei soll auf eine gleichmäßige Aufteilung der zweiten Mannschaften von Lizenzvereinen geachtet werden. (red)

Mehr von Volksfreund