Bei ihm hat die kurze Hose eine lange Tradition

Als Spieler war Sascha Purket ein Original, als Torwart-Trainer von Eintracht Trier ist er es auch. Sein Markenzeichen ist das Tragen kurzer Hosen — auch wenn es schneit und stürmt. In der aktuellen Torwart-Diskussion bei der Eintracht ist der 40-Jährige indes hin- und hergerissen.

 Auch wenn es kalt wird, hält Sascha Purket (links, neben Eintracht-Trainer Mario Basler) an seinen kurzen Hosen fest. TV-Foto: Hans Krämer

Auch wenn es kalt wird, hält Sascha Purket (links, neben Eintracht-Trainer Mario Basler) an seinen kurzen Hosen fest. TV-Foto: Hans Krämer

Trier/Berbourg. (bl) Schnee, Kälte, Wind: Viele Menschen bibbern in diesen Tagen wieder. Einer aber offensichtlich nicht. Sascha Purket. Torwart-Trainer von Eintracht Trier. Minus sechs Grad zeigt das Thermometer an, als am Mittwochabend in Berbourg das Testspiel zwischen der luxemburgischen Nationalmannschaft und Trier angepfiffen wird. Wer sitzt dennoch mit kurzer Hose auf der Bank? Purket. So wie immer. "Ich muss zugeben, beim Aufwärmen waren kurz die Gedanken da, eine lange Hose anzuziehen." Aber nur kurz. Purket und lange Hosen — das passt nicht. Das gab es auch schon zu seiner aktiven Zeit nicht, als er 15 Jahre lang bei Borussia Neunkirchen zwischen den Pfosten stand. "Nur bei Hallenturnieren musste ich notgedrungen eine Ausnahme machen."

Immerhin: Am Mittwochabend trägt der 40-Jährige eine Mütze. "In meinem Alter muss ich auf meine Ohren aufpassen." Und sonst friert es ihn nirgends? "Okay, es wurde gegen Ende des Spiels etwas unangenehm. Aber ich bin abgehärtet." Aus seiner Zeit als Spieler. Aus seiner Zeit als Zimmerer. "Neben dem Fußball bin ich damals zwölf Jahre lang diesem Beruf nachgegangen. Es härtet definitiv ab, wenn du bei minus zehn Grad auf dem Dach stehst."

"Als Torwart ist man halt ein bisschen verrückt"



Weil er bei Wind und Wetter in kurzen Hosen unterwegs war, ist Jochen Rücker, ehemaliger Torwart-Trainer und heutiger Betreuer beim VfB Stuttgart, deutschlandweit bekanntgeworden. Ist er für Purket ein Vorbild? "Nein, mich haben zwar mal ein paar Leute darauf angesprochen. Aber ich will ihm nicht nacheifern. Es ist bei mir kein Ritual, einfach nur ein Faible. Als Torwart ist man halt ein bisschen verrückt. Ich fühle mich immer noch ein bisschen als Spieler."

In der Mannschaft ruft sein Verhalten Kopfschütteln hervor. Wetten, wann er denn mal einknicken wird, würden aber nicht laufen. Was das Tragen kurzer Hosen angeht, fährt Purket einen klaren Kurs. Unentschiedener ist er derzeit in der offenen Torwart-Frage bei der Eintracht. Kenneth Kronholm hat seinen Status als Nummer eins eingebüßt. Die Konkurrenten Ulli Schneider und Assen Alexov sind momentan an ihm vorbeigezogen. Im Testspiel gegen Luxmburg durften beide je eine Halbzeit spielen. Purket: "Wir haben in der Winterpause unsere bis dato 35 Gegentore analysiert. Sicher kann man Kenneth wenig Fehler ankreiden. Aber gerade in den letzten Spielen vor der Winterpause hat er uns auch nicht mit klasse Paraden im Spiel gehalten."

Hinzu kommt Kronholms Rote Karte im Spiel beim VfL Bochum II, die ihn Kredit gekostet hat. Und ein Eindruck aus der Winter-Vorbereitung, Purket: "In den Einheiten, die wir trotz der widrigen Wetterverhältnisse machen konnten, kam mir Kenneth zu ruhig vor. Er sieht nicht so richtig glücklich aus. Klar, unsere drei Torleute sind alle ruhig. Manchmal sogar zu ruhig. Aber in den vergangenen Wochen haben Ulli und Assen einen Tick mehr Besessenheit ausgestrahlt. Vielleicht hat Kenneth irgendein Kopfproblem. Ich will mit ihm sprechen. Vielleicht bekomme ich etwas raus. Denn ich will ihn auf keinen Fall fallenlassen!"

Hintergrund

Sonderlob für Kempny: Im Testspiel gegen die (allerdings ersatzgeschwächte) luxemburgische Nationalmannschaft hat Eintracht Trier einen guten Eindruck hinterlassen. Der Lohn: ein verdienter 2:0-Sieg nach Toren von Gustav Schulz (47.) und Wilko Risser (86., Abstauber). Ein Sonderlob von Eintracht-Trainer Mario Basler bekam Rechtsverteidiger Thomas Kempny: "Er absolviert seine bislang mit Abstand beste Vorbereitung." In der zweiten Halbzeit kamen die Nachwuchskräfte Pit Hess (18) und Jonas Raltschitsch (17) zum Einsatz. Möglicherweise werden beide zur nächsten Saison regelmäßiger zum Team stoßen. (bl) Aufstellung Trier: Alexov (46. Schneider) - Kempny (54. Dingels), Cinar (59. Bachl-Staudinger), Fernandes (59. Raltschitsch), Bettmer - Schulz (59. Ay), Anfang (54. Hess), Lacroix, Wagner (59. Anicic) - Pektürk (46. Salem), Senesie (59. Risser)

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort