Den Kopf aus der Schlinge ziehen

Training um 1.33 Uhr in der Nacht. Und das am 1. April. Was sich wie ein Aprilscherz anhörte, aber keiner war, war ein gefundenes Fressen für die Boulevardpresse und viele elektronische Medien. So erlangten die Fußballer der Trierer Eintracht nach der 0:3-Pleite im Regionalligaspiel in Verl unerwartete Berühmtheit.

Trier. (wir) "Es ist zweitrangig, ob die Spieler sauer sind", kommentierte Eintracht-Coach Mario Basler die ungewöhnliche Maßnahme, "von Bedeutung ist, dass ich sauer bin." Basler will gegen den Tabellenletzten 1. FC Kleve (Freitag, 19 Uhr Moselstadion) "eine ganz andere Einstellung" sehen. Die ersten Reaktionen der "Bestraften" lassen auf Einsicht und damit die Fähigkeit zur Selbstkritik schließen. Mittelfeldakteur Gustav Schulz verblüfft zunächst mit der Aussage, dass es "das unter Michael Prus auch schon mal gegeben" hat und steht voll hinter der Maßnahme des Coachs: "Wir waren wirklich schlecht und haben zu wenig Biss gezeigt. Die 40 Minuten Lauftraining in der Nacht haben uns klar gemacht, dass es nicht geht."

Basler macht auch deutlich, dass es mit dem nächtlichen Intermezzo allein nicht getan war: "Wir werden in den nächsten Tagen einiges dafür tun, dass sich die Einstellung verbessert." Basler will erst gar keine Eigendynamik in Gang kommen lassen. "Da spielst du einige Spiele ordentlich und kriegst dann gesagt, dass es auch fehlendes Glück war, dass du nicht gepunktet hast. Und dann lieferst du so eine lustlose Leistung ab." Was ihm auch sauer aufstieß: "Da fahren unsere Fans 400 Kilometer durch die Nacht, feuern das Team ununterbrochen an, und dann bedankt sich die Mannschaft nicht mal bei ihnen." So haben seine Schützlinge also mehrfache Wiedergutmachung zu leisten. "Gegenüber den Fans, dem Verein und sich selbst."

Was vor einigen Wochen noch niemand geglaubt hätte: "Dieses Spiel ist jetzt enorm wichtig geworden. Sieben Punkte Abstand zum Abstiegsplatz sehen komfortabel aus - sie sind es aber nicht." Und Kleve wird in Trier "um seine allerletzte Chance kämpfen, den Klassenerhalt noch zu realisieren". Daraus ergibt sich: "Wir müssen den Kampf annehmen und drei Punkte holen, um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Trotz aller berechtigter Kritik appelliere ich an die Fans, uns bei dieser Aufgabe wieder so toll zu unterstützen, wie sie das immer tun."

Wie genau seine Formation aussehen wird, wollte Basler nicht verraten. Nur soviel: "Tim Eckstein bleibt im Kader, er hat seine Sache ordentlich gemacht, Christian Müller kommt zurück in den Kader und Fabio Fuhs dazu." Denn neben den gesperrten Sebastian Hartung, Kevin Lacroix, Josef Cinar und Wilko Risser werden Sahr Senesie (Innenbandeinriss im Knie) und Malik Traore (Adduktorenzerrung) ausfallen - Aydin Ay und Moussa Touré sind fraglich.