Eine Philosophie, zwei Profiteure

Heute Abend bestreitet Fußball-Regionalligist Eintracht Trier ein Testspiel gegen die luxemburgische A-Nationalmannschaft (19 Uhr, Stade Rénert in Berbourg). Dass die Partie zustande kommt, ist Ausdruck einer engen Zusammenarbeit zwischen der Eintracht und dem Fußballverband des Großherzogtums.

 Pit Hess ist ein Rohdiamant in den Reihen von Eintracht Trier. TV-Foto: Archiv/Hans Krämer

Pit Hess ist ein Rohdiamant in den Reihen von Eintracht Trier. TV-Foto: Archiv/Hans Krämer

Trier. (bl) September 2009: Die U-17-Nationalmannschaft Luxemburgs setzt in der Europameisterschafts-Qualifikation gegen Ungarn (1:1) und Albanien (3:2) Ausrufezeichen. Oktober 2009: In der U-19-EM-Qualifikation trotzt das Großherzogtum der Türkei ein 1:1 ab.

Die Beispiele zeigen, dass der luxemburgische Fuß´ball-Nachwuchs auf europäischer Ebene konkurrenzfähiger wird. "Abgeschossen werden die Jugend-Auswahlmannschaften nicht mehr", sagt auch Reinhold Breu, Nachwuchskoordinator von Eintracht Trier.

Vor mehreren Jahren hat der luxemburgische Verband begonnen, seine Nachwuchsarbeit zu professionalisieren. Die Investitionen tragen mehr und mehr Früchte. Die herausragenden Talente schaffen es in die Kader ausländischer Profi-Clubs (zum Beispiel Alemannia Aachen, SC Freiburg, CS Sedan, FC Metz).

Seit einigen Monaten ist auch Trier Partner im Konzept der Luxemburger. Die Eintracht als Anlaufstelle für gute Nachwuchsspieler, die den Sprung nach ganz oben noch nicht schaffen, die aber gleichzeitig in den luxemburgischen Ligen unterfordert sind.

Im Herbst 2008 begann das zarte Pflänzchen zu sprießen. Über den Eintracht-Aufsichtsrat, die Vereinsspitze und die Trainerstäbe wurde begonnen, das grenzüberschreitende Netzwerk zu bilden. Ergebnis: "Wir sprechen die gleiche Sprache", sagt Breu. In der Trainingssteuerung, in der Förderkonzept-Philosophie liegen beide Seiten auf einer Wellenlänge.

Acht Jugend-Nationalspieler in Triers Mannschaften



Die Kooperation zeigt Wirkung: Hinter dem A-Nationalen Gilles Bettmer (20) spielen aktuell acht luxemburgische Jugend-Nationalspieler bei Eintracht Trier: Pit Hess (U 19), Vic Speller, Pit Siebenaler, Ryan Klapp, Yannick Bastos, Jeff Moos, Andrea Moro (alle U 17) und Lars Engel (U 13). "Bis zur U 17 trainieren die Spieler montags bis donnerstags täglich mit ihren Jugend-Nationalmannschaften im nationalen Leistungszentrum Mondercange. An den Wochenenden spielen sie dann bei uns mit", beschreibt Breu die Aufgabenteilung.

Für den Sommer kündigt er weitere Verpflichtungen aus dem Großherzogtum an. Weit gediehen seien Gespräche etwa mit dem 16-jährigen Jugend-Nationalspieler Andrea Deidda.

Aus Sicht des 39-jährigen Niederbayers liegt eine Partnerschaft mit Luxemburg auf der Hand: "Wir haben pro Jahrgang auf deutscher Seite in einem Umkreis von 50 Kilometern rund um Trier vielleicht zwölf bis 15 Spieler, die ein gleich gutes Niveau haben. Da bietet es sich an, dank Luxemburg diesen Kreis zu erweitern."

Hintergrund

Zum Spiel: Als Generalprobe vor dem Regionalliga-Spiel am Samstag beim SC Verl möchte Triers Trainer Mario Basler die heutige Partie bei der luxemburgischen Nationalmannschaft nicht titulieren. Vielmehr sollen auch Spieler, die zuletzt in der zweiten Reihe standen, sich nochmals beweisen dürfen. In der offenen Torwart-Frage wollte sich Basler gestern derweil noch nicht festlegen. Die Entscheidung, wer heute Abend zwischen den Pfosten steht, sei nicht unbedingt ein Fingerzeig für die Restrückrunde in der Regionalliga. Fehlen wird laut Basler neben Christopher Reinhard (Muskelfaserriss) und Tim Eckstein (Aufbautraining) auch Andy Rakic (Erkältung). Michael Dingels (nach Fußprellung) soll wieder fit sein. Luxemburgs Nationalspieler Gilles Bettmer wird nach eigener Auskunft ausschließlich im Eintracht-Team zum Einsatz kommen. "Ich habe schon einmal gegen die eigenen Nationalelf-Kollegen gespielt. Früher, als Jugendlicher in Diensten des SC Freiburg. Heute Abend will ich auf jeden Fall mit Trier gewinnen", sagt er. (bl)

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