Eintracht-Ass auf Abruf

57 Punkte, Rang zwei — und damit Anführer der Verfolger-Schar, die seit Freitagabend Preußen Münster zum Drittliga-Aufstieg gratulieren kann: Eintracht Trier hat mit dem 2:0-Sieg gegen die SV Elversberg den dritten Erfolg in Serie eingefahren.

Trier. Für Roger Schmidt hat sich die Reise ins Trierer Moselstadion gelohnt. Der designierte neue Trainer des Zweitligisten SC Paderborn wollte sich ein Bild von Triers Mittelfeldspieler Alban Meha machen. Schmidt bekam den 25-Jährigen in Galaform zu Gesicht. Eine millimetergenaue Vorlage zum 1:0 von Ahmet Kulabas, das 2:0 selbst erzielt mit seinem siebten Freistoßtreffer — im Saisonendspurt ist beim Kosovaren die Effektivität endgültig zurückgekehrt. "Er war der entscheidende Mann. Er hat herausragende Fähigkeiten", sagte Schmidt zum TV. Der 44-jährige Übungsleiter war angetan. Er mag Spieler, die für besondere Aktionen gut sind. Die mit einem genialen Moment eine Kettenreaktion in Gang setzen können. Der ehemalige Trainer von Preußen Münster hält Ausschau nach kreativen Offensivkräften: "Das Problem beim SC Paderborn in dieser Saison ist, dass die Mannschaft bislang nur 28 Tore erzielt hat. Da muss sich etwas ändern."
Meha ist ein ernsthafter Kandidat in Paderborn. Aber vielleicht auch anderswo. Gegen Elversberg wurde er auch von Spähern des Zweitligisten Greuther Fürth in Augenschein genommen. Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass der nunmehr 14-fache Saison-Torschütze bei der Eintracht ein Ass auf Abruf ist. Zumal er inzwischen selbst verbal in die Offensive geht. Zweite Liga mit Meha? "Ich hoffe, dass es klappt."
Bei aller Meha-Manie: Grundstein für den 2:0-Sieg gegen die SV Elversberg war auch eine geschlossene Mannschaftsleistung. Nach Problemen in der Anfangsviertelstunde fand die Eintracht über Standardsituationen die Einstellung zum Spiel. Und sie kam vor lediglich 1415 Zuschauern zu Chancen.
Die Führung kurz vor der Pause war hochverdient. In der zweiten Halbzeit gerieten die drei Punkte nicht mehr in Gefahr. Weil von Elversberg nichts kam. Und weil Meha beim zweiten Trierer Treffer einen weiteren Geniestreich folgen ließ. "Er hat heute den Unterschied ausgemacht", empfand Elversbergs Trainer Günther Erhardt, der mit seinem Team hart ins Gericht ging: "Es fehlte an Aggressivität und Leidenschaft." Eintracht-Coach Roland Seitz zollte seinen Spielern großes Lob: "Respekt an die Jungs, wie sie nach den Problemen zu Beginn bei den hohen Temperaturen ins Spiel gefunden haben."
Den wohl nicht zu verhindernden Abgang Mehas betrachtet er mit einem weinenden Auge: "Alban blüht jetzt in der Endphase der Saison wieder richtig auf. Das müssen wir genießen. Es tut weh, wenn er geht. Aber er hat uns in dieser Saison auch viel gegeben."Versprechen gehalten: Nach seinem Tore-Doppelpack vor einer Woche im Gastspiel beim FC Homburg hatte Stürmer Ahmet Kulabas via TV versprochen: "Gegen Elversberg wird es Zeit für mein erstes Heimtor!" Hintergrund: Seine bis dato fünf Treffer hatte der 23-Jährige alle auswärts erzielt. Gegen Elversberg hielt "Kula" Wort — er markierte das 1:0. Den Treffer widmete er Co-Trainer Rudi Thömmes: "Er hat mir immer gut zugeredet, dass ich auch im Moselstadion zum Erfolg komme. Ich habe das Tor auch für ihn gemacht." Abschiedstour: Gegen Elversberg kam er in den letzten 24 Minuten zum Zug. Piero Saccone — erneut nur eingewechselt. Der offensive Mittelfeldspieler fristet bei der Eintracht ein Dasein in der zweiten Reihe. "Die Situation ist schwierig für mich", sagt der 27-Jährige, der Trier nach nur einer Saison wieder verlassen dürfte. "Die Zeichen stehen auf Abschied. Da braucht man nicht groß drüber reden", sagt Saccone. Womöglich zieht es den gebürtigen Lörracher wieder in Richtung Heimat. Auch die Schweiz könnte eine Option sein. bl