Emotionaler Abschied des Kapitäns

Emotionaler Abschied des Kapitäns

Als Eintracht Trier im letzten Saisonspiel beim SC Verl kurz vor der Pause einen Elfmeter zugesprochen bekommt, schauen sich die Spieler um. Die Fans fordern ihren Kapitän: Josef Cinar soll schießen und sein Abschiedsspiel für den SVE mit einem Tor krönen. Doch der 27-Jährige winkt ab. Cinar meidet auch in der Stunde des Weggangs den großen Auftritt.

Verl. Unauffällig und doch von hoher Bedeutung für sein Team: Diese Tugenden haben Josef Cinar während seiner drei Jahre bei Eintracht Trier zu einer Identifikationsfigur werden lassen. "Wir haben wieder wenig zugelassen. Daran hatte Josef seinen Anteil", lobt ihn Trainer Roland Seitz nach dem Schlusspfiff ein letztes Mal, bevor es den Abwehrchef in die Dritte Liga nach Burghausen zieht.
Es ist von Beginn an ein emotionaler Nachmittag für Cinar. Vor seinem Engagement an der Mosel spielte er vier Jahre lang in Verl. Auch bei den Ostwestfalen avancierte der Innenverteidiger schnell zum Publikumsliebling. Er wurde beim Provinzklub besonders für seine bescheidene Art geschätzt. Seine Familie wohnt bis heute im benachbarten Gütersloh, wo sein Bruder einen stadtbekannten Imbiss betreibt. Kein Wunder also, dass der Innenverteidiger vom Verler Publikum vor dem Anstoß mit Applaus herzlich begrüßt wird.
Während der Partie feiern die mitgereisten Eintracht-Fans den 27-Jährigen immer wieder mit "Josef Cinaaar"-Rufen. Gegen seinen Ex-Club Verl zeigt der Rechtsfuß eine solide Leistung. Beim Gegentor - Matthias Hae der kommt gegen Cataldo Cozza ungehindert zum Kopfball - trifft Cinar keine Schuld. Nur einmal hat er noch Glück: In der 65. Minute köpft der gebürtige Bremer zum eigenen Torwart André Poggenborg. Allerdings so lässig, dass Verls Sascha Brinker an den Ball kommt, der die Kugel jedoch nicht im Trierer Gehäuse unterbringen kann. Das war\'s.
Die letzten 90 Minuten im Eintracht-Dress sind für Cinar um 16.31 Uhr gelaufen. Ein Mal klatscht er noch jeden der Kollegen ab. Dann verabschiedet sich Cinar vom Trierer Anhang, dann vom Verler Publikum. "Der Abschied fällt mir schwer. Ich werde die Zeit bei der Eintracht vermissen, denn es waren drei schöne Jahre", sagt Cinar. Der Wechsel zu Wacker kam zustande, weil RW Ahlen die Drittligalizenz entzogen wurde und Burghausen so doch noch die Klasse hielt.
"Josef war meine rechte Hand, ich hätte ihn gerne gehalten. Aber ich akzeptiere seine Entscheidung", erklärt Seitz. Er wünscht ihm viel Glück in Liga drei. Es ist eine Chance, die Cinar wohl nicht mehr allzu oft bekommen hätte. "Irgendwann brauchte ich etwas Neues. Die Herausforderung in Burghausen reizt mich sehr", sagt der scheidende Eintracht-Kapitän, um gleich anzufügen: "Umso schöner ist es, dass wir in dieser Saison so erfolgreich waren. Wir haben den Namen Eintracht Trier aufpoliert." Vizemeister: Nach dem Rheinlandpokal-Sieg haben die Eintracht-Spieler auch noch ihr zweites in der vergangenen Woche gestecktes Ziel erreicht. Der Regionalligist schließt die Saison auf Tabellenplatz zwei ab. "Im Anschluss an das Pokalfinale gegen Koblenz haben die Jungs kräftig gefeiert, dazu war nun noch die Anfahrt so problematisch. Hut ab, wie die Mannschaft in Verl trotzdem aufgetreten ist", freute sich Trainer Roland Seitz. Der eine Punkt in Verl reicht Trier trotz des Siegs von Lotte in Homburg für Platz zwei. red

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