Erpicht aufs Weiterkommen, nicht auf den Moselwein

Erpicht aufs Weiterkommen, nicht auf den Moselwein

André Schubert hat beim FC St. Pauli den Trainerposten von Kiezclub-Ikone Holger Stanislawski übernommen. Nach dem guten Zweitliga-Start will der 40-Jährige auch im Pokalspiel in Trier nichts dem Zufall überlassen.

Hamburg. Für St. Pauli gab es im vergangenen Sommer ein böses Erwachen. Erstrunden-Aus im DFB-Pokal beim Chemnitzer FC. Vor dem Duell mit Eintracht Trier (Samstag, 15.30 Uhr, Moselstadion) sind die Kiez-Kicker daher gewarnt. Neu-Trainer André Schubert (seit Sonntag 40 Jahre alt, gebürtig aus Kassel, gekommen vom SC Paderborn, Germanistik- und Sport-Studium) zeigt im Interview mit TV-Redakteur Mirko Blahak Respekt vor der Eintracht. Gleichzeitig gibt er sich selbstbewusst.
Der FC St. Pauli wirbt auf seinen Trikots für die ARD-Fernsehlotterie. Damit die Pokalpartie in Trier für Ihre Mannschaft kein Glücksspiel wird, haben Sie die Eintracht beobachten lassen. Wie oft?
Schubert: Ein paar Mal, leider nur bei Testspielen. Aber es ist uns wichtig, dass wir vernünftig über den nächsten Gegner informiert sind.
Wie lauten Ihre Erkenntnisse?
Schubert: Trier ist ein guter Regionalligist, der im letzten Jahr nur knapp am Aufstieg in die Dritte Liga vorbeigeschrammt ist. Zwar hat der Verein mit Alban Meha einen wichtigen Spieler verloren, aber er hat sich gut verstärkt. Die Eintracht verfügt über eine Mannschaft, in der gestandene Spieler aktiv sind, die auch Zweitliga-Erfahrung mitbringen.
Zu Beginn der Saison 2006/07 war der jetzige Eintracht-Trainer Roland Seitz Chefcoach beim SC Paderborn. Sie arbeiteten zeitgleich als Trainer der zweiten Mannschaft und Nachwuchskoordinator. Wie haben Sie sich ausgetauscht?

Schubert: Es war damals eine sehr hektische Zeit bei Paderborn. Bei den Profis gab es kurz hintereinander mehrere Trainerwechsel. Als Roland Seitz Chef-Trainer wurde, war ich gerade dabei, das Nachwuchsleistungszentrum aufzubauen. Wir hatten einen ganz normalen Kontakt, wie er zwischen der Profi- und Nachwuchsabteilung üblich ist.
Besteht noch enger Kontakt?
Schubert: Nein, derzeit haben wir keinen Kontakt.
Vier Punkte aus zwei Spielen — der Zweitliga-Start nach dem Abstieg ist geglückt. Sind Sie mit St. Pauli zum direkten Wiederaufstieg verdammt?
Schubert: Das ist Quatsch. Der Verein hat eine klare Zielvorgabe gemacht und möchte die Mannschaft unter den Top 25 in Deutschland etablieren. Wir haben eine qualitativ hochwertige Mannschaft, die eine gute Rolle in der Liga spielen kann. Aber dafür muss auch alles passen.
Sie haben ein Faible für ein anspruchsvolles Kurzpass-Spiel. Werden Sie damit auch gegen Trier erfolgreich sein können oder sind andere Qualitäten gefragt?

Schubert: Wir sind von dem überzeugt, was wir machen und was wir können. Ich habe es vor dem Spiel bei Eintracht Frankfurt am Montag schon gesagt: Es macht keinen Sinn, an der Ausrichtung irgendetwas zu ändern. Wir werden versuchen, unser Spiel durchzubringen, ohne den Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen.
Im Tor hatten Sie die Qual der Wahl zwischen Benedikt Pliquett und Neuzugang Philipp Tschauner (1860 München). Sie fällten eine — wie Sie sagen — "brutale Entscheidung" pro Tschauner. Ist das Duell zwischen den Pfosten Beleg für die große Konkurrenz auch auf den Feldspieler-Positionen?
Schubert: Das ist ja genau das, was wir wollen. Daher sind fast alle Positionen im Kader doppelt besetzt.
Offensivspieler Charles Takyi wollte nach dem Abstieg mit einem Wechsel in der Ersten Liga bleiben. Nun muss er weiter für St. Pauli spielen, weil sich kein Käufer fand. Geht das gut?

Schubert: Es klingt ja so, als wäre es eine Strafe, für uns zu spielen. Das Thema Wechsel ist vom Tisch. Charles hat sich in den vergangenen Wochen absolut professionell verhalten und sich durch seine Trainingsleistungen die Einsätze in den ersten beiden Spielen verdient. Mit ihm gibt es überhaupt keine Probleme.
Sie trinken nicht viel Alkohol. Werden Sie dennoch ein paar Flaschen Moselwein mit zurück nach Hamburg nehmen?

Schubert: Nein, das werde ich nicht. bl