Experte: Kampf gegen Diskriminierung braucht Zeit

Experte: Kampf gegen Diskriminierung braucht Zeit

Heute ist der Internationale Tag gegen Homophobie (Feindseligkeit gegen Schwule und Lesben). Deutschlandweit prangert das Netzwerk "Fußball gegen Homophobie" immer wieder Diskriminierungen in Stadien an. In diesem Zusammenhang distanziert sich Eintracht Trier von einem Transparent beim Spiel in Homburg.

Berlin/Trier. "Homosexualität im Fußballsport ist eines der letzten Tabus in der Gesellschaft", sagt der Berliner Medienwissenschaftler Jörg Litwinschuh. Er hat im März 2010 das Experten-Netzwerk "Fußball gegen Homophobie" gegründet. Informieren und Veränderungen anstoßen — diesen Aufgaben hat sich die Initiative verschrieben. Dazu gehört, auf versteckte oder offene Diskriminierungen aufmerksam zu machen.
Kürzlich hat sich das Netzwerk bei Eintracht Trier über ein Transparent beschwert, das beim Regionalliga-Spiel in Homburg im Gäste-Block entrollt worden war. Zu lesen war der Schriftzug "Homo-Fotzen" — wobei die ersten drei Buchstaben in Anlehnung an den Verein FC Homburg grün hinterlegt waren.
In einer Stellungnahme distanzieren sich der Eintracht-Fanbeauftragte Thomas Metzger, der Vorstand sowie das Trainerteam und die Mannschaft "in aller Deutlichkeit von Meinungen diskriminierender Art". Gleichzeitig betont der Verein, dass es sich um einen Einzelfall handele: "Rund ums Thema Diskriminierung/Sexismus/Homophobie gab es in der Vergangenheit keine nachhaltigen Probleme beim SV Eintracht Trier 05." Zudem sei das Plakat über eine Gruppierung ins Stadion gelangt, die bei der Eintracht nicht den Status eines offiziellen Fanclubs habe.
Im konkreten Fall moniert Metzger, dass der Homburger Ordnungsdienst das Mitnehmen des Plakats am Einlass hätte verhindern müssen. Dominik Boulanger vom Trierer Fanprojekt und er hätten die Mitglieder der Fangruppierung zu Beginn des Spiels aufgefordert, das Plakat nicht länger in die Höhe zu halten. Metzger: "Dem haben sie sich aber leider trotz eingehender Intervention energisch widersetzt. Um die Situation im Fanblock nicht eskalieren zu lassen, haben wir auf eine gewaltsame Entwendung verzichtet."
Die Eintracht prüft nach eigenen Angaben derzeit, rechtliche Schritte gegen die Mitglieder der Fangruppierung einzuleiten.
Jörg Litwinschuh hofft, dass sich im deutschen Fußball im Kampf gegen Diskriminierung alsbald genauso Erfolge einstellen wie beim Kampf gegen Rassismus. "Wir stehen erst am Anfang. Schwul zu sein ist das meistgebrauchte Schimpfwort an Schulen. Wir müssen im Kleinen anfangen", sagt er.
Unter den Fußballfans gibt es Anstrengungen, für das Thema zu sensibilisieren. Das "Bündnis Aktiver Fußball-Fans" (Baff), das sich gegen Rassismus und Diskriminierung, gegen eine übertriebene Kommerzialisierung und gegen eine zunehmende Repression seitens Polizei und Ordnungskräften einsetzt, hat die Ausstellung "Tatort Stadion" entwickelt, die derzeit in einer neuen Version gezeigt wird. In ihr wird unter anderem Homophobie im Fußball thematisiert.
Auch in einigen Vereinen bemerkt Litwinschuh Fortschritte: "Dort, wo schon seit längerem mit guten Fachleuten besetzte Fanprojekte arbeiten, nehmen Diskriminierungs-Phänomene ab." bl

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