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Fußball: Trier thront weiter an der Tabellenspitze – 1:0-Sieg bei Leverkusen II

FOTO: Manuel Kölker
Köln. Eintracht Trier bleibt obenauf! Die Moselaner verteidigten am Samstagnachmittag die Tabellenführung in der Regionalliga West durch einen mühsamen 1:0-Erfolg bei Bayer Leverkusen II. Im Kölner Südstadion gingen die Alban-Meha-Festspiele weiter. Der Mittelfeldakteur erzielte das Tor des Tages – erneut mit einem herrlichen Freistoß.

(bl) Er hatte bis dato wahrlich nicht den besten Tag erwischt. Im Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen II rieb sich Alban Meha in vielen Duellen auf, mehr als einmal blieb er mit dem Ball am Fuß am Gegenspieler hängen. Gute Szenen hielten sich beim Eintracht-Mittelfeldspieler in Grenzen. Kein Tag, um Selbstvertrauen zu tanken. Sollte man denken. Doch Meha ist anders. Er weiß, was er kann. Und er zeigt das auch. Selbst in Partien, in denen scheinbar nichts zusammenlaufen will.

In der 72. Minute schlug Mehas Stunde. Nach einem Foul an Thomas Kraus gab es Freistoß für Trier. Halblinke Position, 25 Meter Torentfernung. Der Rahmen - wie zugeschnitten auf Meha. Er lief an und traf - unhaltbar für den ansonsten starken Bayer-Torwart Fabian Giefer. Der Ball schlug rechts oben im Leverkusener Tor ein. Effet, Geschwindigkeit – Mehas Schusstechnik ist und bleibt brillant. Und sie bescherte Trier den Sieg gegen Leverkusen.

Mehas Statistik bleibt atemberaubend. Zwölf Spiele, neun Tore, vier Freistoß-Treffer. Die letzten drei Trierer Tore steuerte der 24-Jährige per Freistoß bei. Allerdings müssten auf Mehas Tore-Konto inzwischen zehn Treffer geführt werden. Sechs Minuten nach dem 1:0 vergab er leichtfertig einen Foulelfmeter (Giefer parierte den flach getretenen Strafstoß). Schiedsrichter Sven Waschitzki hatte zuvor nach einem Foul von Stefan Grummel an Meha auf Notbremse entschieden. Leverkusens Mittelfeldstratege musste mit Roter Karte vom Platz.

Trier gewann nicht unverdient, spielerisch überzeugte das Team aber nicht. In der ersten Halbzeit bestimmten die Gastgeber die Partie. Gegen den Spitzenreiter wirkte Bayer hoch motiviert. Leverkusen störte früh, oftmals liefen die Angriffe über die rechte Seite (Julian Riedel, Maciej Zieba). Gefahr beschworen die Rheinländer allerdings ausschließlich bei Standardsituationen hervor.

Da allerdings wurde es brenzlig. 13. Minute: Dennis Krol brachte einen Freistoß in den Trierer Strafraum, Eintracht-Torwart André Poggenborg musste sich strecken, um den Ball mit der Faust über die Querlatte zu lenken. Zwei Minuten später: Bei einem Eckball der Hausherren verpassten vor den Augen „Pogges“ Christoph Siefkes und Daniel Schumann den Ball nur um Haaresbreite. Kurz vor der Pause traf Siefkes nach einem neuerlichen Krol-Freistoß per Kopf, der Unparteiische erkannte jedoch auf Stürmerfoul (41.).

Ansonsten machte die Trierer Abwehr einen guten Job, sie agierte sehr aufmerksam. Im Spiel nach vorne schlichen sich bei den Gästen wie in der Vorwoche im Heimspiel gegen Wiedenbrück (2:0) dagegen zu viele Fehler ein. Viel lief durch die Mitte, wo Leverkusen die Räume gut zustellte. Was blieb waren einige hohe Bälle in den Sturm aus dem Halbfeld heraus, die meist eine sichere Beute für Leverkusens Defensive wurden. Nico Patschinski und Lukas Mössner sahen in vorderster Linie wenig Land.

Mössner war von Eintracht-Trainer Roland Seitz in die Startelf beordert worden. Für ihn wechselte Thomas Kraus auf die rechte Seite. Dort ersetzte er den verletzten Olivier Mvondo (Muskelriss im rechten Oberschenkel).

Über beide Außenpositionen (Kraus, Meha) kam im Trierer Team wenig. Zudem konnte Piero Saccone in den ersten 45 Minuten dem Eintracht-Spiel nicht die nötige Struktur verleihen.

In der zweiten Hälfte kam Trier besser in die Partie, im Ansatz ergaben sich Torchancen. Die Hektik und die Ungenauigkeiten in der Vorwärtsbewegung blieben jedoch. Nach knapp einer Stunde Spielzeit stellte Eintracht-Trainer Roland Seitz um. Thomas Kempny kam und beackerte fortan die rechte Mittelfeldseite. Dafür ging Thomas Kraus anstelle von Patschinski in den Sturm.

Nach dem Platzverweis ergaben sich für Trier mehr Räume – und Gelegenheiten zum möglichen 2:0. Ein Tor an diesem Nachmittag jedoch sollte nur aus einem Freistoß resultieren. Egal: Nach dem Schlusspfiff feierte die Mannschaft im Kölner Südstadion mit den mitgereisten Trierer Fans unter den 275 Zuschauern den Verbleib an der Tabellenspitze.

Stimmen zum Spiel:

Roland Seitz, Trainer Eintracht Trier: „Ich bin nicht zufrieden, wie wir gespielt haben. Wir haben uns manche vielleicht gute Torchance dadurch verbaut, dass der letzte Pass nicht richtig ankam. Spielerisch haben wir derzeit einen Hänger, aber wir dürfen auch nicht alles schlecht reden. Die Mannschaft hat gut gegen den Ball gearbeitet. Wir haben aus dem Spiel heraus keine Chancen zugelassen. Wir haben den ersten Tabellenplatz verteidigt. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Wir können – auch aufgrund fehlender personeller Möglichkeiten – nicht jede Woche Powerfußball spielen.“

Thomas Drescher, Eintracht-Linksverteidiger: „Aus der Abwehr heraus haben wir heute nicht die besten Bälle nach vorne gespielt. Aber wir standen hinten richtig gut. Das ist derzeit unser großes Plus: Wir lassen fast nichts zu. In der Offensive können wir uns derzeit auf die Freistoßkünste von Alban Meha verlassen. Aber es wird Zeit, dass wir auch aus dem Spiel heraus mal wieder treffen.“

Alban Meha, Torschütze gegen Leverkusen: „Drei Freistoß-Treffer in zwei Spielen – so einen Lauf hatte ich noch nie. Wir sind weiterhin Spitzenreiter, verrückt machen lassen sollten wir uns deshalb aber nicht.“

Torge Hollmann, Eintracht-Innenverteidiger: „Es war gegen Leverkusen wieder ein hartes Stück Arbeit. So wird es auch in den nächsten Wochen sein. Im Spielaufbau haben wir uns schwer getan. Vielleicht verlassen wir uns derzeit zu sehr darauf, dass wir hinten ,zu Null’ spielen und vorne Alban Meha etwas macht. Nach einer schwachen ersten Halbzeit haben wir in den zweiten 45 Minuten besser agiert.“

Statistik:

Bayer Leverkusen II: Giefer – Riedel (77. Lanwer), Weiler (70. Kramer), Schumann, Eichmeier – Zieba, Celik, Grummel, Krol (77. Vasquez) – Siefkes, Marquet
Eintracht Trier: Poggenborg – Cozza, Cinar, Hollmann, Drescher – Kraus (90. Bachl-Staudinger), Kohler, Saccone (75. Riedl), Meha, Patschinski (59. Kempny), Mössner
Tor: 0:1 Meha (72.)
Schiedsrichter: Sven Waschitzki (Essen)
Zuschauer: 275
Rote Karte: Grummel (78.)
Besonderes Vorkommnis: Giefer pariert einen Foulelfmeter von Meha (78.)