HSV-Freunde im Gewissenskonflikt

Wohin führt der Weg des Hamburger SV? Das einzig verbliebene Bundesliga-Gründungsmitglied gastiert im DFB-Pokal als Kellerkind in Trier. Die "HSV-Freunde Südwest" sind dennoch optimistisch, dass der Dino die Kurve bekommt.

Mehring. Es ist schon einige Jahre her. Anfang Juni 1999 trat der Hamburger SV (mit Anthony Yeboah, Sergej Kirjakow und Harald Spörl) zu einem Freundschaftsspiel in Horath gegen eine Hunsrückauswahl an. Für den in die Organisation eingebundenen Fanclub HSV-Freunde Südwest war die Partie ein großes Ereignis. Jetzt kommt der HSV wieder in die Region Trier - diesmal zu einem Pflichtspiel. Am Dienstag geht es im Moselstadion gegen Eintracht Trier um den Einzug ins DFB-Pokal-Achtelfinale.
Eintracht Trier - HSV Noch 3 Tage


"Wir sind begeistert von der Auslosung", sagt Fanclub-Gründungsmitglied Edgar Reinehr. Der 49-Jährige aus Föhren war einer von 14 Anhängern der "Rot hosen", die 1998 in Trier die HSV-Freunde aus der Taufe gehoben haben. Zwischenzeitlich hatte die Gruppe mehr als 40 Mitglieder, heute sind es 20.
Viele sind schon lange HSV-Fans, angesichts der aktuell prekären Lage denken sie etwas wehmütig an die Hoch-Zeit der Hanseaten in den 70er und 80er Jahren zurück. "Ich habe schon ein bisschen Angst, dass der HSV absteigt. Einen so schlechten Saisonstart hatte ich trotz des Umbruchs nicht erwartet", gibt Reinehr zu.
Doch er bleibt optimistisch: "Ich denke, dass der Kader stark genug ist, um die Klasse zu halten." Thorsten Fink, der neue Trainer der Norddeutschen, soll bei Mladen Petric, Heiko Westermann und Co. bislang nicht abgerufenes Potenzial herauskitzeln. Fink, der Messias? Fanclub-Mitglied Andreas Adams (49) aus Mehring ist vorsichtig: "Seit der Entlassung von Thomas Doll ist kein Trainer längerfristig geblieben. Die Fluktuation in den vergangenen Jahren ist ein Grund für die aktuelle Misere."
Das Pokalspiel in Trier bedeutet für Fink den ersten Auswärtsauftritt mit seinem neuen Club. Für die Partie wurden 2000 Tickets über den HSV abgesetzt. Für Adams keine Überraschung: "Der Verein hat seine Fans in der gesamten Bundesrepublik."
Einige Mitglieder der HSV-Freunde Südwest kommen aus Trier und dem Umkreis, also dem Einzugsgebiet von Eintracht Trier. Da bleiben Gewissenskonflikte nicht aus. Beispiel Jörg Lex, 39, aus Schweich: "Ich bin seit Kindesbeinen HSV- und Eintracht-Fan. Für mich ist das ein ganz blödes Gefühl. Ich kann am Dienstag nicht für oder gegen einen sein." Seit mehr als zehn Jahren ist er Eintracht-Dauerkarteninhaber. Sein möglicher Plan für nächste Woche: "Es soll ja nicht so warm werden. Vielleicht ziehe ich zwei Trikots übereinander an. Eins vom HSV und eins von der Eintracht. Dann bin ich auf der sicheren Seite."

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