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"Jetzt bloß nicht zerfleischen"

Torwart Stephan Loboué will bei Eintracht Trier seine Erfahrung in die Waagschale werfen. TV-Foto: Hans Krämer
Torwart Stephan Loboué will bei Eintracht Trier seine Erfahrung in die Waagschale werfen. TV-Foto: Hans Krämer
Trier. Bei Fußball-Regionalligist Eintracht Trier verschärft sich nach der dritten Niederlage in Serie die Situation. Dass in dieser Lage ausgerechnet ein Torwart zum Hoffnungsträger wird, ist eher ungewöhnlich. Mirko Blahak

Trier. Mit einem Auge schielt Stephan Loboué auf den Fernsehbildschirm. Sein Freund Dani Schahin rettet in der Fußball-Bundesliga gerade mit zwei Toren für Fortuna Düsseldorf ein Remis gegen Schalke. Loboué würde im Vip-Zelt hinter dem Moselstadion auch gerne über ein Erfolgserlebnis plaudern. Kann er aber nicht. Bei der 0:1-Niederlage gegen Elversberg stand der 31-Jährige erstmals in der Regionalliga für Trier im Tor. Die Ablösung von An dreas Lengsfeld hatte intern schon länger festgestanden, offen kommuniziert wurde sie aber nicht.
An Loboué lag es nicht, dass Trier die dritte Niederlage in Folge kassierte - nach einem vor allem in der zweiten Halbzeit indiskutablen Auftritt seiner Vorderleute. Mit mehreren Paraden verhinderte der 1,94-Meter-Hüne ein auch im Ergebnis sichtbares Debakel. "Wir haben schlecht gespielt. Der Gegner hätte uns mit seiner Spielanlage eigentlich nicht beherrschen dürfen."
Als erfahrener Profi, der vor mehreren Jahren 81 Zweitliga-Spiele für den SC Paderborn und Greuther Fürth bestritt, sieht sich der Pforzheimer in der für die Eintracht prekären Situation gefordert. "Ich habe schon ein paar Spiele auf dem Buckel. Ich übernehme gerne Verantwortung." Seine Botschaft: Nicht in Panik verfallen. "Wir dürfen uns jetzt bloß nicht untereinander zerfleischen. Der Trainer muss die Lage analysieren. Er wird die richtigen Antworten geben." Davon sind einige Fans nicht mehr überzeugt. Mehrere Anhänger beschimpften Coach Roland Seitz und die Spieler nach dem Schlusspfiff - teilweise unter der Gürtellinie.
Bei aller Unzufriedenheit mahnt Loboué zu Besonnenheit: "Wir spielen Fußball - und es bleibt Fußball. Das Beispiel Boris Vukcevic zeigt, wie sich Prioritäten verschieben." Ein schwerer Verkehrsunfall, in den der Bundesliga-Profi von 1899 Hoffenheim verwickelt war, hatte am vergangenen Freitag aufgeschreckt. Am Wochenende war der Gesundheitszustand des 22-Jährigen weiterhin sehr kritisch.Extra

… Eintracht-Sportvorstand Ernst Wilhelmi: Wie bedenklich ist die Lage? Wilhelmi: Ich schaue schon nach unten. Aber wir haben erst den zehnten Spieltag rum. Wir brauchen Geduld. Drei Niederlagen in Folge: Woran liegt\\'s? Wilhelmi: Wir sind zu leicht auszurechnen. Dem Trainer fehlen die Alternativen. Zudem haben manche Spieler ein Einstellungsproblem. Inwieweit hinterfragen Sie die Arbeit des Trainers? Wilhelmi: Es ist die Aufgabe von Trainer, Vorstand und Spielern, dass die Mannschaft wieder so arbeitet, wie zu Saisonbeginn. Trainer Roland Seitz hat im Kader wenig Möglichkeiten: Hat der Vorstand schlechte Vorarbeit geleistet? Wilhelmi: Mehr war nicht drin. Wir machen kein Harakiri. Wir kämpfen ums Überleben, auch finanziell. Uns fehlen im Vergleich zur Vorsaison mehr als 200 000 Euro wegen des weggefal lenen Fernsehgelds und der verpassten DFB-Pokal-Qualifikation. Was passiert, wenn Trier jetzt auch in Kassel verliert? Wilhelmi: Nichts. Dann geht es weiter. bl