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Leere und Lehren

Die erste Spielzeit in der neuen dreigeteilten Fußball-Regionalliga ist Geschichte. Die Bilanz: Das sportliche Niveau ist okay, die Akzeptanz dagegen nicht. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sieht Korrekturbedarf. Von unserem Redakteur Mirko Blahak Von Mirko Blahak

Trier. Die Liste der Krisen-Meldungen aus den Regionalliga-Staffeln West, Süd und Nord ist lang: Der TSV Großbardorf hat frühzeitig bekundet, keinen neuen Lizenzantrag zu stellen. Auch Viktoria Aschaffenburg und der FSV Oggersheim ziehen sich aus der vierten Liga zurück. Daneben haben weitere Vereine finanziell zu kämpfen (etwa Waldhof Mannheim oder Darmstadt 98). Der SV Wilhelmshaven steht derzeit noch ohne richtige Mannschaft da.

Offensichtlich eine Mitschuld an den wirtschaftlichen Schwierigkeiten tragen die Rahmenbedingungen in den Regionalliga-Staffeln. In einigen Vereinen können die Einnahmen nicht mit den hohen Anforderungen durch den Spielbetrieb sowie die Verbands-Auflagen Schritt halten. "Die aktuellen Probleme sind aber auch ein Spiegelbild der momentanen gesellschaftlichen Umstände. Und manche Clubs haben mehr Geld in Spieler investiert, als es ihnen die wirtschaftliche Lage erlaubt hätte", bemerkt DFB-Vizepräsident Hermann Korfmacher auf TV-Anfrage.

Dennoch macht er deutlich: "Die Zweit-Vertretungen der Lizenz-Clubs stellen ein Problem dar. Wenn in der West-Staffel erst der Viertplatzierte ein eta blierter Amateurverein ist, muss das nachdenklich stimmen. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Zweit-Teams ist größer." Der DFB werde sich der Frage annehmen, wie künftig mit den U-23-Teams der Profi-Clubs umzugehen ist. Gibt es einen neuen Anlauf für eine eigene Liga der Zweit-Vertretungen? "Wir werden ergebnisoffen diskutieren", sagt Korfmacher.

Letztlich geht es um die Attraktivität der vierten Liga. Und um die Perspektiven der dort spielenden Clubs — also etwa für Eintracht Trier. Sind sie nicht gegeben, fehlen Sponsoren- und Zuschauer-Einnahmen.

An den (hohen) Anforderungen zum Beispiel für die Stadien soll indes nichts geändert werden. Gleichzeitig wird es laut Korfmacher schwer, die Fernseh-Präsenz zu erhöhen.

Bei den Zuschauerzahlen ist die Diskrepanz groß, bei einigen Partien herrschte auf den Rängen gähnende Leere. In der West-Staffel begrüßte Rot-Weiss Essen zu Hause im Schnitt 7000 Fans, Trier kommt auch noch auf einen passablen Schnitt von 2100 Fans. Zu den Heimspielen von Bayer Leverkusen II kamen dagegen gerade einmal 247 Zuschauer.

Als Marke wird die Regionalliga — im Gegensatz zur ebenfalls neuen dritten Liga — (noch) nicht wahrgenommen. Korfmacher macht wenig Hoffnung, dass sich daran großartig etwas ändern kann: "Es fehlt der Regionalliga die Einmaligkeit."

Meinung

Gefahr noch nicht gebannt

Dass es in den Staffeln der Fußball-Regionalliga keine gesunde Grundstruktur gibt, ist augenfällig. Die Verantwortung dafür tragen manche Clubs, weil sie unseriös gewirtschaftet haben. Andere Vereine wiederum treiben die kostenintensiven Vorgaben der Lizenzierung ins Verderben. Recht hat, wer ein Grundübel in den Zweit-Vertretungen der Erst- und Zweitliga-Clubs sieht. Auch im Deutschen Fußball-Bund wird die Gefahr erkannt. Gebannt ist sie aber noch nicht. Gespräche über Veränderungen werden angekündigt. Doch ob sie etwas bewirken? Im Grunde kann es nur eine Alternative geben: Die Zweit-Vertretungen müssen raus aus den drei Staffeln und rein in eine eigene Liga! m.blahak@volksfreund.de