Millionen-Streit landet vor Bundesgerichtshof

Millionen-Streit landet vor Bundesgerichtshof

In der juristischen Auseinandersetzung wegen seiner im Jahr 2004 erlittenen Knieverletzung plant Ex-Fußballprofi Claus Grzeskowiak (38) den Gang vor den Bundesgerichtshof. Der ehemalige Spieler von Eintracht Trier hatte nach einem spektakulären Zusammenprall mit dem Cottbuser Stürmer Michael Thurk seine Profi-Karriere beenden müssen.

Trier. Die Folgen des Unfalls am 31. Oktober 2004 spürt er noch heute. Ab und an schmerzt das rechte Knie, zum Beispiel bei längeren Autofahrten. "Ich bin noch immer in Behandlung. Ich muss regelmäßig ein dosiertes Krafttraining machen", sagt Claus Grzeskowiak.
Es war der elfte Zweitliga-Spieltag. Halloween vor acht Jahren. Im Heimspiel gegen Cottbus stürzt der Gäste-Angreifer Michael Thurk unglücklich auf das rechte Knie von Eintracht-Defensivspieler Grzeskowiak. Zwei Zähne von Thurk bleiben stecken. Eine unappetitliche Szene.
Während Thurk noch immer spielt - aktuell beim Drittligisten 1. FC Heidenheim - endete für Grzeskowiak die Profi-Karriere abrupt. Er verbrachte viele Wochen im Krankenhaus.
Seit fünf Jahren beschäftigen sich die Gerichte mit dem Unfall. Grzeskowiak klagt auf 75 000 Euro Schmerzensgeld, 200 Euro monatliche Rente und rund 1,33 Millionen Euro Verdienstausfall, weil die Wunde damals nicht richtig versorgt worden sei. Sowohl das Landgericht Trier als auch kürzlich das Oberlandesgericht Koblenz haben die Klage abgewiesen.
Grzeskowiak, der aktuell in der niedersächsischen Stadt Hildesheim lebt und dort abseits des Rasens dem Fußball weiterhin verbunden ist, will nun die nächsthöhere Instanz anrufen - den Bundesgerichtshof.
"Ich unterstelle niemandem, damals vorsätzlich falsche Dinge getan zu haben. Ich verspüre auch keine Wut und keinen Hass. Aber es wurden damals Fehler gemacht, die ich nicht zu verantworten habe. Es kann nicht sein, dass ich jetzt als Schuldiger dargestellt werde", begründet der 38-jährige gebürtige Hannoveraner seinen Entschluss.
Nach dem folgenschweren Zusammenprall mit Thurk wurde Grzeskowiaks Wunde im Stadion von einem Arzt genäht. Während das Landgericht Trier daran keinen Anstoß nahm, spricht das OLG von einem "groben Behandlungsfehler".
Zur weiteren Untersuchung wurde der Abwehrspieler in ein Trierer Krankenhaus geschickt. Dort wurden ihm nach Darstellung des OLG dringend die Öffnung der Naht und eine antibiotische Therapie empfohlen. Da Grzeskowiak dies abgelehnt habe, könne der Arzt, der die Wunde genäht hatte, nicht in Haftung genommen werden.
Grzeskowiak widerspricht dieser Darstellung. "Ich habe im Krankenhaus lediglich gesagt, dass ich mich über das weitere Vorgehen am nächsten Morgen mit dem damaligen Eintracht-Arzt besprechen müsse. Ich war ja vertraglich gebunden. Ich habe nicht per se gesagt: ,Die Wunde bleibt zu. Ich will keine Antibiotika.\' Bei den Konsultationen in den folgenden Tagen wurde mir die Öffnung der Wunde dann nicht nahegelegt." Letztlich kam es laut Gericht zu einer Kniegelenksinfektion und einem irreparablen Knieschaden.
Der beklagte Arzt will sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter äußern, mit Verweis auf "interne Auskünfte", die er aufgrund des Datenschutzes nicht geben könne. Auch sein Anwalt, Christoph Pitsch aus der Trierer Kanzlei Spaetgens, geht mit dem Hinweis auf die ärztliche Schweigepflicht nicht ins Detail. "Ich darf keine Auskünfte zu Kernbereichen der Behandlung geben."
Dass es - wie von Grzeskowiak behauptet - vor mehreren Jahren ein Angebot zur Zahlung einer Entschädigungssumme gegeben habe, kann Pitsch nicht bestätigen: "Das ist mir nicht bekannt."