Ohne Gastgeber kein Spiel

Die Posse rund ums Rheinlandpokalspiel zwischen dem FSV Salmrohr und Eintracht Trier spitzt sich weiter zu. Weil der Fußballverband Rheinland seine Beschwerde gegen den Spieltermin abgeschmettert hatte, trat der FSV gestern nicht zur Partie an. Nun tagt die Spruchkammer.

Einträchtig standen sie vor verschlossenen Toren. Rund 100 Eintracht-Anhänger, 60 Polizisten und vereinzelte FSV-Sympathisanten waren umsonst zum Salmtalstadion gekommen. Weil der gastgebende FSV Salmrohr zum Achtelfinalspiel im Rheinlandpokal gegen Eintracht Tier nicht antrat, mussten Fans und Beamte unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Was war geschehen? Der FSV hatte am vergangenen Freitag Widerspruch beim Fußballverband Rheinland gegen die gestrige Spielansetzung um 15 Uhr eingereicht. Eine Begründung stellte er dem Verband vorgestern Abend zu (der TV berichtete). Der Rheinlandligist sah sich außerstande, die Sicherheit zu gewährleisten. 30 Ordner wären gebraucht worden, nur fünf hätten laut Friedhelm Rach, sportlichem Leiter des FSV, zur Verfügung gestanden. Der Grund: der Spieltermin zu einer Uhrzeit, zu der die meisten Menschen arbeiten. Da die Partie bereits zweimal verschoben worden war (siehe Chronologie) fiel es dem Club schwer, erneut Helfer zu rekrutieren.

Am Dienstagmittag verwarf der Verbands-Spielausschuss den Widerspruch als unzulässig. Verbandspräsident Walter Desch zum TV: „Unter anderem wurde keine Beschwerdegebühr gezahlt, und es wurde kein Beschwerdenachweis geführt.“

Daraufhin teilte der FSV per E-Mail gestern um 13.48 Uhr dem Verband mit, nicht anzutreten. 1:12 Stunden vor dem Anpfiff. Zu einem Zeitpunkt, zu dem Fans schon auf dem Weg nach Salmrohr waren. Bereits im Stadion war die Eintracht-Mannschaft. Sie spulte ihr Aufwärmprogramm ab – und blieb nach 15 Uhr 45 Minuten in der Kabine, bis Schiedsrichter Florian Fochs dem Treiben endgültig eine Ende setzte.

Sein „Spielbericht“ wandert nun zur Verbandsspruchkammer. Sie entscheidet zum einen, ob das Spiel für den FSV als verloren gewertet wird (wovon auszugehen ist), und zum anderen über eine mögliche (Geld-)Strafe.

Apropos Geld: Die Eintracht kündigt an, die entgangenen Zuschauereinnahmen sowie Kosten für die Anreise beim FSV in Rechnung stellen zu wollen. Vorstandsmitglied Ernst Wilhelmi: „Das könnten 4000 bis 5000 Euro sein. Es gibt keinen plausiblen Grund für Salmrohr, nicht anzutreten. Das ist lächerlich, eine Farce, einfach nur unsportlich.“

Wann die Spruchkammer ihr Urteil fällt, ist unklar. Der FSV will sich laut Rach juristischen Beistand nehmen. Hans Christmann, stellvertretender Vorsitzender des Verbands-Spielausschusses, sagt: „So einen Fall, in dieser Größenordnung, hatten wir noch nicht.“
Meinung: Scherbenhaufen ist riesengroß
Von Mirko Blahak

Von der Schuld an dem gestrigen Pleiten-Pech-und-Pannen-Szenario rund um das Salmtalstadion kann sich der FSV Salmrohr nicht freisprechen. Das Katz-und-Maus-Spiel war respektlos. Aber trägt der Rheinlandligist die Alleinschuld an dem aktuellen Rheinlandpokal-Desaster? Über Wochen hinweg wurden einer unappetitlichen Geschichte Kapitel um Kapitel hinzugefügt. Das Wetter, zweifelhafte Sicherheitsvorgaben, Giftpfeile zwischen den Vereinen, Sturköpfigkeit, Emotionen, zuletzt mangelndes Krisenmanagement im Fußballverband: Viele Köche haben den Pokal-Brei verdorben.

Der Scherbenhaufen ist nun riesig, und er wird womöglich noch größer. Ihn später wieder zusammenzukehren wird viel Zeit in Anspruch nehmen.

Der Fall macht deutlich: Grundsätzliche Reformen am Rheinlandpokal, der Aushängeschild im Verband sein soll, sind unumgänglich. Sonst wird das nächste unangenehme Kapitel nicht lange auf sich warten lassen. dr

m.blahak@volksfreund.de

Chronologie
3. Januar: Bei der Auslosung zum Rheinlandpokal-Achtelfinale wird der Knüller FSV Salmrohr – Eintracht Trier gezogen.

28. Januar: Nach langem Hin und Her legt der Fußballverband als Spieltermin Aschermittwoch, 17. Februar, 14.30 Uhr (später 15 Uhr), fest. Es ist ein Kompromiss, mit dem beide Seiten (vor allem der FSV Salmrohr als Amateurclub) nicht wirklich zufrieden sind. Hintergrund des ungewöhnlichen Nachmittagstermins: Aus Sicherheitsgründen untersagt die Polizei eine Austragung auf dem Salmrohrer Kunstrasenplatz, weil es dort keine abgetrennten Fanblöcke gibt. Im Salmtalstadion gibt es jedoch kein Flutlicht.

15. Februar: Wegen Unbespielbarkeit des Platzes im Salmtalstadion wird die Partie verschoben — auf den 3. März, 15 Uhr.

1. März: Erneut wird die Partie wegen schlechter Platzverhältnisse verschoben – und für den 9. März, 15 Uhr, neu angesetzt.