Qualität und Realität

Das war ein Rückschritt: Bei der 1:3-Auswärtsniederlage in Mannheim offenbarte Eintracht Trier Schwächen, die Trainer und Mannschaft bereits abgestellt zu haben glaubten. Eine miese erste Halbzeit und wenig Durchschlagskraft in Überzahl verhagelten den mitgereisten Fans die Laune.

Mannheim. Sie kennen sich aus gemeinsamen A-Jugend-Zeiten beim 1. FC Nürnberg. Die früheren Schulkameraden Martin Wagner und Chhunly Pagenburg liefen sich auf dem Rasen des Mannheimer Carl-Benz-Stadions nach längerer Zeit mal wieder über den Weg. Beim Verlassen des Spielfelds war die Gemütslage bei beiden höchst unterschiedlich.
Wagner, der Ex-Trierer, feierte mit Waldhof einen verdienten 3:1-Erfolg. Eine enorme Gefahr bei Standards und ein großes Kämpferherz reichten, um der Eintracht den Schneid abzukaufen. Bei der 1:0-Führung nutzte der aufgerückte Verteidiger Dennis Geiger die Schludrigkeit in der SVE-Defensive, die nach einem Eckball von Nicolas Roth den Ball nicht im eigenen Strafraum klären konnte. Geiger traf aus wenigen Metern (21.). Dem 2:0 ging ein Freistoß von Flügelflitzer Wagner voraus, den der zweite Mannheimer Innenverteidiger Jure Colak per Kopf aus fünf Metern verwertete. Eintracht-Torwart Andreas Lengsfeld verharrte auf der Linie, Colaks Gegenspieler Steven Kröner hatte zudem das Nachsehen (27.).
"So effektiv waren wir bei Standards in der Vergangenheit nicht. Heute kam jeder Ball gut", freute sich Wagner, der keine Notwendigkeit sah, seinen Kumpel Pagenburg aufzubauen. "Die Qualität des Eintracht-Kaders ist so groß, dass die Mannschaft die Niederlage schnell wegstecken wird."
Sollte die Qualität vorhanden sein, dann hat sie der SVE in Mannheim gut versteckt. Die Realität sah so aus: Selbst während einer einstündigen Überzahl übten die Gäste kaum Druck aus. Die Eintracht agierte fahrig, ohne zündende Ideen und war schlampig im Passspiel. Ein Konzept, die numerische Überlegenheit auszunutzen, war nicht zu erkennen. "Von hinten bis vorne hat keiner Normalform erreicht", fand Pagenburg klare Worte.
Fall bringt Pagenburg zu Fall


Der Eintracht-Stürmer war nach 30 Minuten von Wal Fall (20) zu Boden gestoßen worden - Schiedsrichter Boris Reisert hatte ohne Zögern die Rote Karte gezückt. SVW-Trainer Reiner Hollich kündigte eine interne Strafe an, gleichzeitig wollte er aber auch ein rotwürdiges Nachtreten von Pagenburg erkannt haben.
In Unterzahl musste Mannheim nur den 1:2-Anschlusstreffer des früh eingewechselten Markus Fuchs hinnehmen. Nach einem der ganz wenigen gelungenen Angriffe war er mit einem satten Schuss erfolgreich.
"Wir haben zu wenig Durchschlagskraft gezeigt", monierte Eintracht-Trainer Roland Seitz. Symptomatisch dafür, dass die Mannschaft neben der Kappe stand, war auch die Entstehung des 1:3. Ohne Not spielte Trier auf Abseits, Ajdin Zeric nutzte nach Zuspiel von Roth den unerwarteten Freiraum zur Entscheidung.
"Wir sind eine starke Truppe. Die Niederlage wirft uns nicht um", meinte Eintracht-Innenverteidiger Mario Klinger. Ob er recht hat oder die Lage falsch einschätzt, werden unter anderem die beiden anstehenden Heimspiele zeigen. Am kommenden Freitag kommt die TuS Koblenz ins Moselstadion, eine Woche später die SV Elversberg.
In einem Benefizspiel tritt Eintracht Trier am morgigen Dienstag beim Rheinlandligisten SV Morbach an (18 Uhr, Alfons-Jakobs-Stadion in Morbach). Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf (Erwachsene: sechs Euro, Kinder: drei Euro) werden für die Lotto-Spendenaktion zugunsten der rheinland-pfälzischen Kinderschutzdienste verwendet.