Raus aus dem Schatten: Mehr Fernsehpräsenz für die vierte Liga

Raus aus dem Schatten: Mehr Fernsehpräsenz für die vierte Liga

Mit dem Eröffnungsspiel Koblenz gegen Offenbach startet heute Abend die neue Saison der Fußball-Regionalliga Südwest. Unter den Trainern ist Hessen Kassel, am Samstag Auftaktgegner von Eintracht Trier, Favorit auf einen der beiden Relegationsplätze. Sport1 wird einige Partien der vierten Liga live übertragen.

München/Trier. Der Dienstagabend gehörte bislang den Handballfans. Der Münchner Fernsehsender Sport1 übertrug an diesem Wochentag stets Partien aus der deutschen Männer-Bundesliga. Die gerne als "stärkste Liga der Welt" beworbene Spielklasse muss nun auf Mittwoch ausweichen - zugunsten der vierten Fußball-Liga. Sport1 überträgt aus den fünf Regionalliga-Staffeln in der Saison 2013/14 einige Spiele. Die Rede ist von 26 Partien. Los geht\'s am nächsten Dienstag mit dem Südwest-Duell zwischen Waldhof Mannheim und dem SSV Ulm.
Eingefangen werden die Partien von fünf Kameras. Vor Ort sind zudem ein Moderator, ein Kommentator und ein Sendungsleiter. "Wir haben in der vergangenen Saison bereits vier Spiele der Regionalliga West live übertragen und dabei im Schnitt 220 000 Zuschauer erreicht", sagt Michael Röhrig, Sport1-Teamleiter Kommunikation. Eine für den Sender gute Quote. Deshalb nun die Aufstockung.
Welche Spiele werden noch gezeigt? Röhrig hält sich noch bedeckt: "Wir sind derzeit dabei, weitere Begegnungen fix zu machen." Für den Sender entscheidendes Kriterium ist die Attraktivität. Sport1 setzt auf Traditionsvereine mit bundesweiter Bekanntheit. Röhrig: "Rot-Weiss Essen zieht besser als ein kleinerer Club." Kommt Eintracht Trier auch infrage? "Das kann durchaus sein", sagt der Teamleiter Kommunikation.
Daneben gibt es weitere Bedingungen für eine Live-Übertragung: Die Stadien müssen fernsehtauglich sein (ausreichendes Flutlicht). Zudem muss die Polizei grünes Licht geben (Sicherheitsaspekte). Und die Vereine müssen der notwendigen Verschiebung der Partie zustimmen.
Zu den finanziellen Rahmenbedingungen schweigt der Sender. Nach Aussage von Sascha Döther, Geschäftsführer der Regionalliga Südwest, müssen sich die Clubs nicht an Produktionskosten beteiligen. Stattdessen gibt es ein bisschen Geld. Aus mehreren Fernsehverträgen des Südwest-Verbands (unter anderem mit dem Hessischen Rundfunk, dem Saarländischen Rundfunk und jetzt neu mit Sport1) könnten in der Saison 2013/14 alle 13 ersten Mannschaften der Südwest-Staffel laut Döther jeweils mit einem niedrigen vierstelligen Euro-Betrag rechnen.
Trier auf Rang vier: Nach einer Trainerumfrage des Mediendienstleisters MSWP gilt der aktuelle Meister Hessen Kassel auch in der neuen Saison als Favorit auf Platz eins oder zwei in der Regionalliga Südwest. Die Nordhessen waren in der Aufstiegsrelegation an Holstein Kiel gescheitert. Kassel wurde von den Trainern der 18 Südwestclubs 14-mal genannt - Mehrfachnennungen waren möglich. Zu den Favoriten für die Aufstiegsrelegation zählen demnach auch die SG Sonnenhof Großaspach und Wormatia Worms (jeweils zehn Stimmen). Eintracht Trier wurde acht Mal genannt. blMeinung

Keine Königsklasse der Amateure
Der Einstieg des Fernsehsenders Sport1 in die regelmäßige (Live)-Berichterstattung über die Regionalliga belegt einmal mehr die These, dass die drei wichtigsten Medien-Sportarten Fußball, Fußball und Fußball sind. Das ist schon eine kleine Sensation: Viertliga-Fußball verdrängt Weltklasse-Handball auf einen anderen Sendeplatz. Sport1 hat neben attraktiven Inhalten auch Einschaltquoten und Einnahmequellen durch Sponsoren im Blick. Dabei hat die Regionalliga offenbar keine schlechten Karten. Heißt das im Umkehrschluss, dass die vierte Spielklasse also gar keine "Todesliga" ist - wie mehrere Vereinsvertreter vehement kritisieren -, sondern ein Premiumprodukt? Oder, wie es bei Sport1 heißt, die "Königsklasse des Amateurfußballs"? Leider nicht. Mehrere Traditionsclubs (etwa Alemannia Aachen oder Kickers Offenbach) kämpfen in der vierten Liga nicht um eine rosige Zukunft, sondern schlicht gegen den Totalabsturz. m.blahak@volksfreund.de

Mehr von Volksfreund