Sander sucht den Silberstreif am Horizont

Sander sucht den Silberstreif am Horizont

Kurz vor dem Rheinlandpokal-Finale am Mittwoch gegen Trier versprüht Petrik Sander, Trainer der TuS Koblenz, nicht gerade grenzenlosen Optimismus. "Der Heimvorteil spricht schon ein wenig für Trier", sagt er im TV-Interview.

Koblenz. (bl) Fußball-Drittligist TuS Koblenz — morgen im Moselstadion um 19 Uhr Gegner von Eintracht Trier im Rheinlandpokal-Finale — kämpft um die Lizenz für die neue Saison. Ob und wie es weitergeht, steht finanzbedingt noch in den Sternen. Im Interview mit TV-Redakteur Mirko Blahak gibt TuS-Trainer Petrik Sander Einblicke in sein Seelenleben. Der 50-Jährige aus Quedlinburg heuerte Ende 2009 bei der TuS an. Zuvor arbeitete der ehemalige Stürmer als Trainer bei Bundesligist Energie Cottbus und Drittligist VfR Aalen.
Herr Sander, wo sind Sie in der nächsten Saison Trainer?
Sander: Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.
Sehen Sie für sich noch eine Perspektive in Koblenz?
Sander: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich weiß, dass viele solvente Leute an Lösungen arbeiten. Solange von ihnen kein Signal kommt, dass es keinen Sinn mehr ergibt, hoffe ich noch. Aber jeder Tag, der ohne Ergebnis verstreicht, spricht eigentlich gegen eine Lösung.
Sehen Sie noch einen Silberstreif am Horizont?
Sander: Wir haben seit mindestens sieben, acht Wochen sportliche Planungssicherheit. Uns läuft die Zeit davon. Am 1. Juni ist Stichtag für die Abgabe der letzten Lizenzunterlagen. Vorher können wir den Spielern keine Auskunft darüber geben, wie es hier weitergeht. Da ist doch klar, dass Zweifel aufkommen.
Wäre ein Sieg im Rheinlandpokal-Finale überlebenswichtig für den Club?
Sander: Die Einnahmen wären nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber ein Erfolg wäre als Signal wichtig.
Für den benötigten Investor?
Sander: Zum Beispiel.
Defensivspieler Manuel Hornig wechselt nach Bielefeld. Weitere Spieler stehen in Gesprächen mit anderen Clubs. Kann die Mannschaft unter diesen Umständen am Mittwoch gegen Trier überhaupt 100 Prozent abrufen?
Sander: Ich bin überzeugt davon, dass die Mannschaft das kann. Aber dafür müssen die Spieler ihre Köpfe absolut frei haben. Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen. Ganz einfach ist das nicht.
Mit Nottbeck, Pospischil oder Cannizzaro fehlten zuletzt wichtige Spieler. Lichtet sich das Lazarett bis morgen?
Sander: Nein, leider gibt es keine Blitzheilungen. Die Verletztenliste ist ein Beleg dafür, dass unsere Personaldecke zu dünn ist. Als wir alle Mann an Bord hatten, haben wir in der Dritten Liga eine gute Rolle gespielt. Als in der Endphase der Saison die Zahl der Ausfälle größer wurde, bekamen wir gegen jede Mannschaft Pro bleme. Gegen Eintracht Trier im Pokalfinale wird wahrscheinlich auch noch Michael Stahl wegen seiner Knieverletzung ausfallen.
Wer ist Favorit im Finale?
Sander: Von der sportlichen Seite her sehe ich keine großen Unterschiede. Wenn wir komplett wären, hätten wir ein paar Vorteile. Da das aber nicht der Fall ist, spricht der Heimvorteil schon ein wenig für Trier.
Sie spielen im Stadion des Finalgegners, dafür aber sieben Tage früher als geplant — und somit nur noch eineinhalb Wochen nach dem Saisonende in der Dritten Liga. Wie gut können Sie mit diesem Kompromiss leben?
Sander: Ich will das nicht mehr groß aufwärmen. Wir müssen mit der Situation umgehen. Dennoch ist die Ansetzung mehr als unglücklich. Das Rheinland gehört zu den Landesverbänden, in dem das Pokalfinale am spätesten ausgetragen wird.
Ein Teil der Mannschaft fliegt am Donnerstag zum Saisonabschluss für ein paar Tage nach Mallorca. Sind Sie mit an Bord?
Sander: Mit Sicherheit nicht. Wenn die Zukunft im Verein ungewiss ist, ist mir nicht nach Feiern zumute.Trier sieht sich gewappnet: Im Lager von Eintracht Trier steigt vor dem Finale das Pokalfieber. "Die Vorfreude ist groß. Das merkt man an der Stimmung in der Mannschaft", sagt Trainer Roland Seitz. Vor dem heutigen Abschlusstraining hat sich die personelle Lage entspannt. "Die zuletzt angeschlagenen Spieler sind fit", berichtet Seitz. In der Startelf dürfte somit nur eine Position offen sein: Spielt Karikari oder Kohler im defensiven Mittelfeld? Seitz: "Das wird eine Bauchentscheidung." Die Eintracht baut gegen die klassenhöhere TuS Koblenz auf die stimmgewaltige Unterstützung ihrer Fans. Geschäftsstellenleiter Dirk Jacobs hofft am Mittwoch auf 5000 Zuschauer im Moselstadion. Karten im Vorverkauf gibt es in Trier bis einschließlich heute bei Presse-Tabak-Lotto Reinhold Schmotz (Matthiasstraße 8) und TTS-Sport (Zurmaiener Straße 155). Zu haben sind laut Jacobs auch noch Sitzplatzkarten. Trainer Seitz glaubt nicht, dass die Unruhe im Umfeld der TuS Auswirkungen auf die Koblenzer Mannschaft hat: "Die Spieler werden Gas geben. Bei keinem Akteur werden auch nur drei Prozent fehlen." Sein Team sieht der Oberpfälzer gut vorbereitet: "Wir haben die TuS drei Mal beobachtet. Für uns könnte es schon heute losgehen." bl

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