Spielwiese für Einsteiger

Im Profi-Fußball kommt nahezu kein Spieler mehr ohne Berater aus. Aber auch an der Schwelle zwischen Amateuren und Profis gedeiht der Markt der Spieler-Betreuer.

 „Es gibt zu viele Trittbrettfahrer“: Fritz Fuchs, Ex-Bundesligaspieler und sportlicher Leiter von Eintracht Trier, hat zwiespältige Erfahrungen mit Beratern gemacht. TV-Foto: Archiv/Mirko Blahak

„Es gibt zu viele Trittbrettfahrer“: Fritz Fuchs, Ex-Bundesligaspieler und sportlicher Leiter von Eintracht Trier, hat zwiespältige Erfahrungen mit Beratern gemacht. TV-Foto: Archiv/Mirko Blahak

Trier. Er war Bundesliga-Spieler (168 Einsätze für den 1. FC Kaiserslautern) und Trainer (unter anderen in Homburg, Bielefeld und Saarbrücken). Fritz Fuchs hat hautnah mitverfolgt, wie sich das Beratertum im Fußball in den vergangenen 20 Jahren entwickelt hat.

Nun ist der 65-Jährige sportlicher Leiter bei Eintracht Trier. Auch im semi-professionellen Bereich der vierten Liga geht fast kein Transfer mehr ohne Berater über die Bühne. Zum Leidwesen von Fuchs: "In meiner Anfangszeit als Trainer habe ich Spieler, die einen Berater hatten, direkt wieder weggeschickt. Im Laufe der Zeit ging das nicht mehr, weil zu viele Akteure einen Berater präsentiert haben." Seine Meinung ist eindeutig: "Ich bin dagegen, dass jemand schon einen Berater anschleppt, wenn er den Ball fünfmal hochhalten kann. Hinzu kommt, dass 90 Prozent der Berater selbst noch nie gegen den Ball getreten haben. Es gibt zu viele Trittbrettfahrer, die das Geld riechen." Fuchs' Erfahrungen mit den Betreuern der Spieler sind zwiespältig: "Es gibt seriöse, die ihre Schützlinge tatsächlich beraten, schützen und nicht schon während einer Vertragslaufzeit bei anderen Vereinen anbieten." Es gebe aber auch schwarze Schafe. Vor allem im Grenzbereich zwischen Amateur- und Profitum.

"Gerade in diesen Spielklassen versuchen Berater, im Geschäft Fuß zu fassen. Das führt dazu, dass manchen das nötige Rüstzeug fehlt. Es kommt vor, dass unrealistische Forderungen gestellt werden, oder dass Brutto- und Netto-Gehälter verwechselt werden", sagt Eintracht-Geschäftsstellenleiter Dirk Jacobs.

Was ist realistisch? TV-Schätzungen zufolge gehören Regionalliga-Spieler mit einem Brutto-Monatsgehalt im mittleren vierstelligen Euro-Bereich zu den Besserverdienenden.

In den Regionalligen sehen laut Fuchs auch deshalb viele Berater ein mögliches Betätigungsfeld, weil einige Vereine (noch) nicht viel in die eigene Sichtung von Spielern investieren können. Für den Pfälzer ist das aber gefährlich: "Fehleinkäufe kommen zustande, wenn Spieler nur auf Grundlage von Eindrücken aus ein bis zwei Trainingstagen verpflichtet werden."

Um unliebsame Überraschungen zu vermeiden, will die Eintracht ihre Sichtung weiter ausbauen - und bei der Maxime bleiben, Beratern keine Provision zu zahlen. Fuchs: "Die Viertligisten sind im Armenhaus, weil wenig finanzielle Unterstützung vom Deutschen Fußball-Bund sowie vom Fernsehen kommt. Wenn wir nun auch noch Ausgaben für Berater hätten, ginge das auf Kosten der Zahl möglicher Neuzugänge."

Deshalb sieht er auch die Vereins-Verantwortlichen in der Pflicht: "Es ist unseriös, bestimmten Gehaltsforderungen von Spielern und Beratern stattzugeben. Es ist ein Verbrechen am Spieler, wenn ich im Juli eine Summe zusage, obwohl ich da schon weiß, dass ich sie im Dezember nicht mehr überweisen kann."