1. Sport
  2. Fußball
  3. Eintracht Trier

Tore und Sprüche sind nicht alles

Tore und Sprüche sind nicht alles

Er ist nicht nur der erfahrenste Neuzugang beim Fußball-Regionalligisten Eintracht Trier, sondern auch der bekannteste: Stürmer Nico Patschinski (33), Rückkehrer aus Berlin, ist immer für ein Tor und einen Spruch gut. Aber darauf will er sich nicht reduzieren lassen.

 „Ich bin für jeden Spaß zu haben“, sagt Nico Patschinski. Das Bild zeigt ihn bei der Einlösung einer verlorenen Wette – Autoputzen im String-Tanga vor der Arena im Juni 2005. TV-Foto: Archiv/funkbild
„Ich bin für jeden Spaß zu haben“, sagt Nico Patschinski. Das Bild zeigt ihn bei der Einlösung einer verlorenen Wette – Autoputzen im String-Tanga vor der Arena im Juni 2005. TV-Foto: Archiv/funkbild

Trier. Die Antwort kommt ohne Millisekunde Bedenkzeit. "Na klar! Die fragen mich schon mal, wie man ein Kondom richtig abrollt." Das mag eine ungewöhnliche Antwort für einen Fußball-Profi sein. Zumal die Frage profan war: Ob die jungen Spieler, die 18- oder 19-Jährigen, sich mal ein paar Tipps beim Altmeister abholen, abgehangene Lebensweisheiten? Bei Nico Patschinski, 33, dem "Schlitzohr", wie ihn Eintracht-Trainer Roland Seitz nennt. "Das könnten ja meine Kinder sein", flachst Patschinski. Das erklärt wohl den Dr.-Sommer-Anflug. "Aber nach Tricks fragen mich die Jungs nicht." Zumindest dieser Teil der Antwort mag ernst gemeint sein.

Da ist er wieder, Nico Patschinski. Nach fünf Jahren zurück an der Mosel. Damals, in den Zweitliga-Jahren 2003 bis 2005, schoss er sich bei den Fans ins Langzeitgedächtnis: Mit seinem Siegtreffer in Köln. Oder seinem Fallrückzieher zum 1:0-Heimsieg gegen Duisburg. Es waren die letzten seiner 23 Zweitliga-Tore für die Eintracht. Schlachten gewonnen, den Krieg verloren. Trier ging runter. Und Patschinski zog es nach Ahlen, dann zu Union Berlin, später zum Intimfeind BFC Dynamo. Beides waren schon Clubs seiner Kindheit, noch in der DDR. Die "Eisernen" und der Ex-Stasi-Club Dynamo - das gehört nicht zusammen? So wie nachdenkliche Töne nicht ins Bild vom Guerilla-Spaßkönig Patschinski passen?

Es passt. In Patschinskis Leben hat sich einiges geändert. In Trier auch. Vielleicht nicht auf der LaOla-Terrasse, wo der Torjäger gerade in der Mittagssonne sitzt. Drinnen hängen seine Trikots: Trier, Ahlen. Oder zu Beginn seiner Profi-Karriere das Grün-Weiße aus Fürth. Damaliger Trainer der zweiten Mannschaft: Seitz.

Ansonsten ist vieles neu. "Das Riverside hat auch zu, oder?", fragt er den Reporter. Klar, schon ewig. Und bei der Eintracht ist alles neu, nicht nur die Liga. Bis auf den Spielerkollegen Michael Dingels und Zeugwärtin Alexandra Ziewers, die er noch von damals kennt.

In der Vorbereitung läuft es bisher. Nach den ganzen Kantersiegen wäre mal ein Dämpfer gut, findet Patschinski. Besser jetzt als zu Saisonbeginn. "Die Mischung passt. Ich spiele lieber mit jungen, fleißigen Spielern als mit alten Säcken. Das hält auch mich jung."

Patschinskis persönliche Ziele sind bescheiden. "50 Saisontore und keine Niederlage"? Das ist der Spaß-Spruch für die Medien. Die ernste Seite, realistischer: "Ich will in meinem Leben einfach nie wieder absteigen." Denn das reicht für drei Karrieren. St. Pauli machte er zwar einst zum "Weltpokalsieger-Besieger". Er traf beim Bundesliga-Sieg 2002 gegen Bayern. Dann aber folgten vier Abstiege: mit St. Pauli (zwei), Trier, Ahlen. Apropos: Die Westfalen sprachen ihn an jenem Tag im Juni an, als er fast nackt vor der Arena Trier ein Auto putzte. Aus Spaß wird ganz schnell Ernst. "Nach Ahlen zu gehen - das war ein großer Fehler."

Der Abstieg mit Trier war traumatisch. "Der 22. Mai 2005 war der schlimmste Tag meines Lebens", sagt Patschinski. Diesmal bleibt das schelmische Lächeln aus. Diese Leere, so viele weinende Fans, darunter auch Freunde: "Das ging unter die Haut. Nach dem Abschied war ein Essen mit der Mannschaft angesetzt. Aber keiner bekam etwas runter. Und niemand hat etwas gesagt."

Dass er wieder in Trier gelandet ist, überrascht ihn nicht wirklich. "Im Spaß hatte ich schon oft gesagt, dass ich zurück will." Nun ging's schnell: In Trier hat er Freunde. Und in Berlin hielt ihn nicht mehr viel. Die Ehe ging in die Brüche, das Haus in Wandlitz will er loswerden. Nur Pete vermisst er, seinen vierjährigen Sohn, benannt nach Tennis-Legende Sampras. Oder wie es Patschinski zusammenfasst: "Gezeugt in Trier, geboren in Westfalen, aufgewachsen in Berlin."

EINTRACHT-ECKE

Vorletzter Neuzugang: Die Eintracht hat am Mittwoch einen weiteren Neuzugang unter Vertrag genommen: Piero Saccone (26, Mittelfeld) hat bis 2011 unterschrieben. Der Italiener gehörte zuletzt beim SC Pfullendorf zur Stammformation. Trainer Seitz kennt Saccone aus der Regionalliga Süd. "Er hat mich überzeugt", sagt Seitz. Saccone war beim Eintracht-Trainingslager in Reutlingen dabei. Er ist der Ersatz für den Schweizer Allmir Ademi, dessen Vertrag einvernehmlich aufgelöst worden war. Gesucht wird weiter nach einem Stürmer. Fanabend: Eintracht-Team, Trainerstab und Vorstand haben sich am Dienstagabend rund 60 Anhängern in der Vereinsgaststätte Null-Fünf präsentiert. Vorstandsmitglied Ernst Wilhelmi richtet den Blick nach der "Katastrophen-Saison" nach vorn. Besser solle es werden - nach einer Regionalliga-Saison, in der die Eintracht als Tabellenletzter nur durch Lizenzentzüge für andere Clubs die Liga halten konnte. Wilhelmi suchte den Schulterschluss mit den Fans. Der Fanbeauftragte Thomas Metzger interviewte die Neuzugänge. Viel Applaus gab es für Trainer Roland Seitz und den neuen Kader. Aber auch für den in der Vergangenheit öfter kritisierten Vorstand - neben Wilhelmi war auch Roman Gottschalk beim Fanabend - gab es keine öffentliche Kritik von den Fans. (AF)