Torlos, aber nicht trostlos

Es war eine Nulldiät, die Regionalligist Eintracht Trier zumindest teilweise auf den Magen schlug. Dank des 0:0 im Prestigeduell bei der TuS Koblenz bleibt der SVE zwar auswärts unbesiegt, gleichzeitig verloren die Moselaner aber zwei wertvolle Punkte. Die Partie war ein Spiegelbild des bisherigen Saisonverlaufs.

Trier/Koblenz. Eine Faustregel besagt: Mannschaften, die im Schnitt zwei Punkte pro Spiel sammeln, haben am Saisonende gute Karten, ganz oben zu stehen. Mit 19 Zählern aus den ersten zehn Partien liegt Eintracht Trier vor der nun zweiwöchigen Spielpause nur knapp unter der Marke. Ist also alles in Butter?
Bollwerk: Positiv ist bislang die Defensivarbeit der Mannschaft zu bewerten. Sechs Spiele ohne Gegentor, mit acht Gegentreffern ligaweit die zweitwenigsten - das hat Spitzenformat.
Im Tor ist die Eintracht mit André Poggenborg und Ersatzmann Andreas Lengsfeld gut aufgestellt. Die Vierer-Abwehrkette harmoniert trotz der notwendigen Integration von gleich zwei Neuzugängen (Oliver Stang und Denny Herzig).
Auswärtsstärke: 13 Punkte aus fünf Spielen bei einem Torverhältnis von 10:1 sind aller Ehren wert. Die Mannschaft steht auswärts dank guter Laufarbeit kompakt. Ihr kommt es entgegen, nicht das Spiel machen zu müssen.
Spielaufbau: Hierbei knirscht es noch. In Koblenz attestierte Eintracht-Trainer Roland Seitz seinem Team seit längerem wieder eine gute fußballerische Vorstellung. Doch auch der Oberpfälzer wird nicht der Meinung sein, dass die Mannschaft spielerisch schon am Limit ist.
Immerhin: In Koblenz lief der Ball tatsächlich flüssiger durch die eigenen Reihen als in einigen Partien zuvor. Trier hatte mehr Ballbesitz und mehr Spielkontrolle, an fehlender letzter Entschlossenheit änderte das aber nichts. "Wir müssen effizienter werden. Wenn man ein Spitzenteam sein will, muss man so ein Spiel wie in Koblenz mit 1:0 gewinnen", ärgerte sich Oliver Stang.
Torabschluss: In der Offensivabteilung (Mittelfeld und Sturm) läuft noch die Experimentierphase. Zuletzt ließ Seitz zwei Mal in einem 4-1-4-1-System spielen. Das System kann Erfolg versprechend sein, wenn die einzige Spitze aus dem Mittelfeld mehr Unterstützung bekommt. Eine Voraussetzung dafür ist ein gutes Umschaltverhalten. In Koblenz zeigte Alon Abelski in der Mittelfeldzentrale aufsteigende Form.
Unter den sechs Spitzen-Teams in der Tabelle hat Trier die wenigsten Tore erzielt (15 in zehn Spielen). Fünf Treffer in fünf Heimspielen sind eine maue Ausbeute. Vor allem zu Hause ist der SVE noch nicht in der Lage, über 90 Minuten hinweg einen Gegner in Schach zu halten.
Heimschwäche: Mit drei Heimniederlagen auf dem Buckel darf sich die Eintracht im Moselstadion fast schon nichts mehr erlauben, will sie bis zum Schluss ein Wörtchen um die Meisterschaft mitreden. Zum Vergleich: Die Aufsteiger der vergangenen drei Jahre - Münster, Saarbrücken und Dortmund II - leisteten sich in 17 Heimspielen jeweils nur drei beziehungsweise zwei Niederlagen.
Es ist nicht auszuschließen, dass Seitz auch und gerade vor heimischem Publikum wieder zu einem System mit zwei Spitzen zurückkehren wird. Die Angreifer Ahmet Kulabas, Chhunly Pagenburg und Wojciech Pollok verkörpern - wenn sie in Bestform sind - Top-Regionalliga-Format. Wenn alle drei bei 100 Prozent sind, dürfte es ein zu großer Luxus sein, immer zwei auf der Bank sitzen zu lassen. Programm: Am nächsten Wochenende werden in der Regionalliga West nur zwei Partien ohne Trierer Beteiligung ausgetragen. In dieser Woche stehen im Eintracht-Training daher unter anderem Sprinttests sowie für die im Sommer spät verpflichteten Akteure Laktattests an. Am Freitag, 7. Oktober, bestreitet die Eintracht in Rüsselsheim ein Testspiel gegen den Drittligisten Wehen-Wiesbaden (16 Uhr, Stadion am Sommerdamm). In der Woche danach beginnt die Vorbereitung auf das nächste Regionalliga-Spiel gegen den SC Verl (Freitag, 14. Oktober, 19 Uhr, Moselstadion). bl

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