Verkehrte Welt im Moselstadion

Ein starker, selbstbewusst auftretender Aufsteiger Eintracht Trier 05 II, der den Tabellenführer der Oberliga Südwest, den SV Rossbach-Verscheid auch in dieser Höhe verdient mit 4:0 (0:0) vom Platz fegte, war nicht die einzige Besonderheit bei dieser faustdicken Überraschung.

(wir) Die zweite lieferte Gästetrainer Stefan Krämer bei der nachfolgenden Pressekonferenz: „Ich muss meine Mannschaft in Schutz nehmen. Die Niederlage geht auf meine Kappe, weil ich einige Anzeichen nicht richtig gedeutet habe.“ Und auf Nachfrage: „Ich habe dem einen oder anderen Spieler eine Steigerung zugetraut, die aber nicht erfolgt ist.“ Beide Seiten waren sich einig, eine ausgeglichene erste Halbzeit „ohne große Höhepunkte“ (Triers Trainer Bernhard Weis) gesehen zu haben.

Was später passierte, ist für die Gäste mit dem Begriff „Einbruch“ noch dezent umschrieben. Dabei schienen die Hausherren, die auch schon vor dem Wechsel zwei, drei Möglichkeiten hatten, die angeschlagenen Wiedtaler nicht ausknocken zu können. Ausgerechnet der erneut starke Kapitän Fabio Fuhs schoss einen Foulelfmeter so schwach, dass Sven Eckhardt, der Zwei-Meter-Mann im gegnerischen Kasten, den Ball aus dem unteren linken Eck holen konnte. „Dass wir danach nicht gewackelt haben, sondern mit voller Konzentration auf Sieg gespielt haben, war vielleicht unsere größte Stärke“, mutmaßte Weis.

Der Lohn für die engagierte Vorstellung ließ nicht lange auf sich warten. Der seltsam lethargisch und müde wirkende Tabellenführer ließ Max Bachl-Staudinger ohne Gegenwehr durchs Mittelfeld marschieren. Die „Leihgabe der 1. Mannschaft“ packte die Gelegenheit beim Schopf – sein Schuss aus 23 m schlug unhaltbar im Winkel von Eckhardts Gehäuse ein. Die Eintracht gab jetzt richtig Gas und Rossbach lief nur noch hinterher. In der 65. Minute hatte Fabio Fuhs sein Elfmeter-Missgeschick vergessen, als er einen Freistoß von Erwin Bradasch per Grätsche in die Maschen setzte. Kurz darauf war die Partie entschieden.

Wieder Freistoß Bradasch, dieses Mal drückte Johannes Kühne das Leder über die Linie. Die Krämer-Elf ließ die Köpfe hängen, die Frage war jetzt nur noch, wie hoch der Eintracht-Sieg ausfallen würde. „Das gibt es nur im Fußball“, sagte Weis in Erinnerung an den nun folgenden vierten Treffer. Christoph Anton, der gerade eine zweijährige Leidensgeschichte mit Verletzungen und Operationen hinter sich gebracht hat, kam für Bradasch und drosch den Ball mit seinem ersten Ballkontakt zum 4:0 unter die Latte.

SV Eintracht Trier 05 II: Poggenborg – Hess, Kühne (80. Heck), Fuhs, Petersch – Schottes, , Bradasch (73. Anton), Bachl-Staudinger (71. Ting), Kempny – Brandscheid, Bidon
Tore: 1:0 (58.) Bachl-Staudinger, 2:0 (65.) Fuhs, 3:0 (68.) Kühne, 4:0 (73.) Anton
Besonderes Vorkommnis: Fuhs (Trier) scheitert mit Foulelfmeter an Torhüter Eckhardt (52.)
Schiedsrichter: Braun (Saarbrücken) – Zuschauer: 200