"Von alleine geht nichts"

1:3 in Münster verloren, drei Punkte aus den ersten drei Regionalliga-Spielen. Ist bei Eintracht Trier das Glas halb voll oder halb leer? Trainer Roland Seitz warnt vor Panikmache: "Wo das Team steht, wissen wir noch nicht genau, auf jeden Fall nicht oben. Aber das haben wir auch nicht gefordert."

Trier/Münster. Im Fußball wird gerne Schwarz-Weiß-Malerei betrieben. Nach einem Sieg ist oft alles super, nach einer Niederlage oft alles schlecht. Bei der Analyse des Saisonauftakts von Eintracht Trier geht Trainer Roland Seitz dezidierter vor: "Beim 2:0 in Kaiserslautern war die Mannschaft sehr gut, beim 2:4 gegen Wuppertal gut — auch wenn das Ergebnis nicht gestimmt hat. Beim 1:3 gegen Münster hat sie uns erstmals enttäuscht. Nach drei Spielen haben wir vielleicht einen Punkt zu wenig."

Das sind die aktuellen Baustellen in der Mannschaft:

Konzentration: Nach fünf Minuten stand es in Münster bereits 0:2 (Tore: Halet, N'Diaye). "So früh entscheidend hintenzuliegen — das geht gar nicht", sagt Mittelfeldspieler Stefan Kohler, der Selbstkritik übt: "Ich muss im Mittelfeld mehr dirigieren, auch dafür sorgen, dass die Außenspieler bei Bedarf mehr ins Zentrum rücken. Wir alle müssen wissen, dass nichts von alleine geht." Trainer Seitz sah sich nach einer Trainingswoche, in der er mehr als einmal die fehlende Spannung moniert hatte, in Münster leider bestätigt: "Die Grundeinstellung hat gefehlt."

Alternativen: Im neu zusammengesetzten Trierer Defensiv-Verbund klappte in Münster wenig. Der Ausfall von Innenverteidiger Torge Hollmann machte sich negativ bemerkbar, Cataldo Cozza fehlte bei seinem Debüt auf der rechten Verteidigerposition noch die Bindung zum Team sowie anfangs die Spritzigkeit gegen Wirbelwind Mehmet Kara.

Cozza entwaffnend ehrlich: "Ich kannte Kara vorher nicht. Über mein Debüt braucht man nicht viel reden. Das habe ich mir anders vorgestellt."

Michael Dingels ersetzte Hollmann im Abwehrzentrum. Er wurde fitgespritzt, spielte trotz eines Teilanrisses des Innenbands im rechten Knie. Seitz rechtfertigt dennoch seine Nominierung: "Er war einer der wenigen hinten, der die Zweikämpfe angenommen hat."

Der Eifeler will ab Mittwoch wieder trainieren und am Samstag im Heimspiel gegen Düsseldorf II zur Verfügung stehen. Hollmann soll trotz seiner Kopfverletzung ab sofort wieder ins Teamtraining einsteigen, dabei aber Vorsicht walten lassen.

Ausrechenbarkeit: Auch in Münster wurde deutlich: Triers Spiel ist noch (zu sehr) linkslastig. Rechtsaußen Tolgay Asma blühte im Preußenstadion erst auf, als er in der letzten halben Stunde in die Mittelfeldzentrale beordert wurde — auf seine Stammposition. Joker Olivier Mvondo sorgte in der Schlussphase im rechten Mittelfeld für mehr Dampf nach vorne. Seitz: "Wenn Olivier die Woche über gut trainiert, bekommt er am Samstag vielleicht mehr Einsatzzeit."