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Was macht eigentlich ... Günter Herrmann?

Trier. Günter Herrmann ist ein echter Trierer Jung. Nach ersten Erfolgen bei der Eintracht ging es für ihn zu Schalke 04 in die Bundesliga. Seit über 40 Jahren lebt er im Wallis. Der Trierische Volksfreund hat bei dem Wahl-Schweizer nachgefragt, ob er noch mit seiner alten Heimat Trier verbunden ist. Ich war schon sieben, acht Jahre nicht mehr in Trier.

Herr Herrmann, Sie leben seit über 40 Jahren im Wallis, im schweizerischen Crans-Montana. Haben Sie noch Verbindungen nach Trier?

Ja, ich war sicher schon sieben, acht Jahre nicht mehr in Trier. Aber ich telefoniere ab und zu mit meinem Cousin in Konz oder meiner Stiefschwester in Bitburg. Im Mai will ich mit meiner Frau eine Tour machen. Dann geht's nach Karlsruhe, anschließend an die Mosel. Ich bin ja schließlich mitten in Trier großgeworden, nach dem Krieg. Das war direkt im Zentrum, am Stockplatz. Da hatten meine Großeltern eine Pferdemetzgerei und das Hotel Haag.

Und Ihr Vater Karl hat Ihnen dort das Kicken beigebracht?

Mein Vater war ein sehr guter Fußballer. Er hat mich auch gefördert, nachdem er aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war. Auch bei meinem Wechsel von der Eintracht zum Karlsruher SC. Das war damals ein Top-Club.

Sie hatten es schon in Trier in die Jugend-Nationalmannschaft geschafft. War in den späten 50ern schon richtig Geld zu verdienen?

Ich hatte bei meinem Wechsel 10 000 Mark bekommen, dazu 1500 Mark im Monat vom KSC. Das war mehr oder weniger inoffiziell. Offiziell arbeitete ich in einem Sportgeschäft.

Sie gehörten damals zu den begehrtesten deutschen Fußballern. Bei Ihrem Wechsel vom KSC nach Schalke zum Bundesliga-Start 1963 bekamen beide Clubs Ärger vom DFB. Was war da los?

Es ging um die Ablöse. Damals war eine maximale Summe von 50 000 Mark pro Spieler festgeschrieben. Der KSC wollte mich aber nicht für 50 000 Mark gehen lassen. Da haben sie einen Deal gemacht. Sie haben Schalke noch einen anderen Spieler mitgegeben, einen aus dem Amateurteam, auch für 50 000 Mark. Das war eine Lücke, die man genutzt hat. Es war ein kleiner Skandal, aber der DFB konnte nichts machen. Und wenn ich mir heute die Ablösesummen anschaue, kann ich nur mit dem Kopf schütteln.

Wie sind denn Ihre Erinnerungen an die vier Jahre im Ruhrpott, als Spielmacher bei Schalke?

Als ich 1963 nach Schalke ging, hatte ich schnell die Idee, eine Espressobar zu eröffnen. Zuerst in Moers, wo meine damalige Frau Verwandtschaft hatte. Und ein Jahr später kam ich dann gemeinsam mit meinem Cousin in Trier auf die Idee, dass das doch auch in Gelsenkirchen laufen müsste. Da haben wir die zweite Espressobar eröffnet, für 70, 80 Leute. Das war der Renner, die war immer bumsvoll. Das lief ein paar Jahre. Als bekannt wurde, dass ich zurück nach Karlsruhe gehe, haben sie mir die Bude kurz und klein gehauen.

Bitte? Wer denn?

Na, Schalke-Fans eben - das war damals so. Wenn einer wegging, haben einige Randale gemacht. Bei mir haben sie die ganzen Hocker von der Theke rausgeschleudert und Lampen abgerissen. An der Randale war auch noch ein Mannschaftskollege von mir beteiligt, mit dem ich mal befreundet war. Das hat mich schon geärgert. Aber was soll's. Schalke ist Schalke. Das ist immer noch mein Verein. Es waren schon tolle Zeiten damals in der Glückauf-Kampfbahn.

Wann hatten Sie fußballerisch Ihre beste Phase?

In der Zeit beim KSC vor der WM 1962 Sepp Herberger stand unheimlich auf mich. Er wollte mich zum Nachfolger von Fritz Walter machen. Das Problem war: Ich war ein fauler Hund. Ich habe nur auf die Zähne gebissen, wenn es nicht anders ging. Wenn alles gut war, habe ich mich gehenlassen. So ist es in meinem Leben immer gewesen.

Gibt's dafür ein Beispiel?

Herberger hatte jedem von uns schon damals Gewichte gegeben, um uns auf die WM in Chile vorzubereiten. Für Zuhause, damit wir uns fit halten. Die Sachen hatte ich nie in der Hand, die hat nur mein Schwager benutzt. Und in Chile hat dann Hans Schäfer gespielt.

Bereuen Sie das manchmal im Nachhinein?

Ach wissen Sie, ich war jung. Wir hatten unseren Spaß und hatten viel erlebt. Ich bin in jungen Jahren viel rumgekommen, habe in Brasilien, den USA oder mal in Peru gespielt. Normalerweise hätte ich mit meinem Talent mehr machen können. Aber wichtig ist, dass man trotzdem was geschafft hat, dass man ein gutes Leben hat. Bevor ich Rentner wurde, hatte ich ein gut laufendes Restaurant in Crans-Montana. Das ist vor zehn Jahren wegen eines Kurzschlusses abgebrannt, aber die Leute schwärmen heute noch manchmal davon. Ich hatte immer ein bisschen Glück gehabt und im richtigen Moment das Richtige gemacht. Wenn ich hier sitze und aus dem Fenster schaue, sehe ich das Matterhorn und den Mont Blanc, es ist herrliches Wetter. Was sollte ich also bereuen?

Interview: Andreas Feichtner

ZUR PERSON

Günter Herrmann: Der "Trierer Jung" wurde kurz nach dem Kriegsbeginn geboren, am 11 September 1939 Bei Eintracht Trier machte er alle Jugendstationen durch. Vom SVE aus schaffte es der kreative Offensivspieler in die Jugend-Nationalteams und debütierte mit 17 Jahren in der Oberliga. 1958 wechselte er zum Süddeutschen Meister nach Karlsruhe. 1962 zerschlug sich ein geplanter Wechsel nach Italien. Herrmann zog es 1963 als Spielmacher zu Schalke 04 in die Bundesliga (134 Liga-Spiele). Nach einem kurzen Intermezzo beim KSC (1967) zog es Herrmann ins schweizerische Wallis, wo er mit Sion Pokalsieger wurde und im Uefa-Cup spielte. Herrmann machte zwischen 1960 und 1967 neun Länderspiele. Herrmann ist in zweiter Ehe mit einer Schweizerin verheiratet. (AF)

„Mit 70 muss man aufpassen, dass man nicht anfängt, abzubauen“: Günter Herrmann hält sich mit Golfen (Handicap 13), Wandern und Mountainbiken fit. Fotos: privat
„Mit 70 muss man aufpassen, dass man nicht anfängt, abzubauen“: Günter Herrmann hält sich mit Golfen (Handicap 13), Wandern und Mountainbiken fit. Fotos: privat