Wille, Talent und ein Ziel

Immer einen Schritt nach vorne machen, beim richtigen Verein zur richtigen Zeit: Wie der in Saarburg aufgewachsene Lukasz Szukala (25) nach den Stationen Trassem, Trier, Metz und 1860 München nun mit Aachen die Bundesliga anpeilt, lesen Sie im fünften Teil der TV-Serie "Wer wird Millionär".

 Reinhold Breu. Foto: TV-Archiv

Reinhold Breu. Foto: TV-Archiv

Saarburg/Aachen. Fußball-Profi! Das ist ein Berufswunsch, den man öfter hören dürfte, wenn man einen Rundruf in der dörflichen E-Jugend startet. In zehn Jahren werden die allermeisten andere Antworten auf die gleiche Frage finden. Beim Deutsch-Polen Lukasz Szukala (25) sieht es anders aus. Fast linear nach oben sollte es gehen. Mit eiserner Disziplin statt - wie bei anderen - vielleicht feuchtfröhlichen Dorffest-Eskapaden. Mit dem festen Willen, Fußball-Profi zu werden.

Blick zurück: Als Achtjähriger erhält Lukasz seinen ersten Spieler-Pass; E-Jugend beim TuS Fortuna Saarburg. Dort lebt seine Familie heute noch. Für ein Jahr bleibt er, wechselt dann ins benachbarte Trassem ("Da spielten viele meiner Freunde"). Als Zwölfjähriger kommt der nächste Schritt.

"Mein Vater hat meinen Bruder Arek und mich ‚eingepackt'. Wir sind nach Trier gefahren und haben dort vorgespielt", sagt Szukala. Lukasz und sein zwei Jahre älterer Bruder, der heute noch in Trier lebt, bleiben bei der Eintracht. Das heißt für ihn auch neben der Schule: Drei Mal die Woche Training, Spiele am Wochenende, dazu die Zugfahrten von Saarburg nach Trier.

Ein Vorgeschmack auf das, was kommen soll - inklusive aller Entbehrungen. "In diesem Geschäft musst du ein Kämpfertyp sein", sagt Szukala. "Sonst bist du weg vom Fenster." Vermutlich wurde damals in Trier die Basis für die spätere Profi-Karriere gelegt: "Mein Trainer Manni Kühne hat mich sehr gefördert. Er hat mir damals klargemacht, dass es nur über Disziplin geht. Das heißt: Keine Cola, kein Bier, früh ins Bett."

Szukala war fokussiert. Das Ziel war klar umrissen: Profi-Fußballer. Nach zwei Jahren bei der Eintracht in der CI und der B-Junioren-Regionalliga stand für den drahtigen Innenverteidiger der nächste Schritt auf der Leiter an. Der FC Metz hatte Interesse. Ein Club, der bekannt ist für seine sehr gute Jugendarbeit. Szukala bekam einen der begehrten 30 Plätze im Fußball-Internat. "Es wurde dort alles für uns gemacht. Ich hatte anfangs einen Privatlehrer, der mir Französisch beibrachte. Es gab nur Schule und Fußball spielen. Alles unter Profi-Bedingungen. Es war einfach Luxus."

Über zweieinhalb Jahre lang teilte sich Szukala dabei ein Zimmer mit einem Spieler, der heute ein Weltstar ist: Emmanuel Adebayor war gerade aus seiner Heimat Togo an die Mosel gewechselt. Dass er im Sommer 2009 dann für 29 Millionen Euro Ablöse von Arsenal London zu Manchester City wechseln würde, konnte man damals nicht ahnen. "Wir haben noch guten Kontakt", sagt Szukala. Auch sein Weg ging weiter. Zwar nicht ohne Hürden. Aber doch nach oben, Meter um Meter, Stück für Stück. Der Bundesliga-Traum schien für Szukala schon früh in Reichweite. Falko Götz wollte den gerade 19-Jährigen als Perspektivspieler ins damalige Bundesliga-Team von 1860 München holen (2003). "Ich war in München. Alles war geklärt."

Ein 30-Minuten-Debüt, das aufhorchen ließ



Aber es folgten erste kleine "Knacks" (Szukala). Metz verlangte über 300 000 Euro Ausbildungsentschädigung. So platzte der Deal. Szukala blieb noch ein Jahr in Metz und wechselte ein Jahr später zu den "Löwen", die in der Zwischenzeit in die zweite Liga abgestiegen waren. Er erhielt seine Chance: Im Dezember 2004 stand er beim Heimspiel gegen Fürth erstmalig im Kader. Nach 60 Minuten kam er beim Stand von 0:1 rein. Eine halbe Stunde später hatte 1860 drei Punkte mehr (2:1) - und Szukala seinen Stammplatz in der Zweitliga-Mannschaft.

Aber es folgten Schattenseiten. Vor allem 2007. Mit zwei Rissen der Patella-Sehne, erst im einen Knie, nicht viel später im anderen. Wieder rankämpfen, den Rückstand aufholen. Hinzu kamen einige Trainerwechsel bei 1860 - vor allem Walter Schachner hätte ihn links liegen lassen.

Im Sommer 2008 ging Szukala nach Aachen, wo er im vergangenen Jahr in 18 Zweitliga-Spielen eingesetzt wurde. In diesem Jahr sind die Ansprüche höher. Szukala ist ein heißer Kandidat für die Startformation. Und ein besserer Platz für seine Alemannia, den Vierten der Vorsaison, soll drin sein. Als 25-Jähriger dann im Mai in die Bundesliga aufsteigen? "Das wär schon ein Happy-End", sagt Szukala. Und die besten Fußball-Jahre hat der 1,95-Meter-Mann ja noch vor sich.

Der Weg zum Jung-Profi: Ein Geben und Nehmen

Auch im Jugend-Fußball sind Vereinswechsel an der Tagesordnung. Reinhold Breu, Jugendkoordinator von Eintracht Trier, plädiert für eine gute Zusammenarbeit zwischen den Vereinen — zum Wohle der Entwicklung eines Spielers.

Von unserem Redakteur Mirko Blahak

Trier. "Abwerben": Im Fußball ist der Begriff verpönt. Der Vorwurf: Größere Clubs werben Spieler bei kleineren Clubs ab. Schamlos schöpfen sie den Rahm ab. Bei den Profis, aber auch bei den Jugendlichen.

Wie sieht die Praxis aus? Beispiel Eintracht Trier. Zur neuen Saison hat der Verein — um für die nächsten Jahre ein Fundament zu legen — in der E-, D- und C-Jugend mehr als 50 neue Spieler an Land gezogen. Von kleineren Vereinen aus einem Umkreis von 100 Kilometern. Hat die Eintracht die Jungs abgeworben? Eintracht-Jugendkoordinator Reinhold Breu wehrt sich gegen die Verwendung dieses Begriffs. Bis auf drei Fälle seien die Wechsel weitgehend reibungslos über die Bühne gegangen. Weil der Club fair und ehrlich aufgetreten sei. Breu: "Wir stellen uns vor und erläutern Eltern sowie Spielern ausführlich unser Konzept."

Breu: Vereinsbrille muss beiseite gelegt werden



Wechsel im Jugendbereich seien ein Muss, wenn Talente nach vorne kommen wollen, sagt der Deggendorfer. Dabei bilde die Eintracht wie andere Vereine auch nur eine Zwischenstufe. Breu: "In unseren Jugend-Teams können Talente auf einem konstanten Leistungslevel mit hoher Intensität trainieren. Aber es gibt andere Vereine, die nochmals besser ausbilden können. Etwa die Bundesligisten mit ihren Leistungszentren, die einen Etat in Millionenhöhe haben und entsprechend viele hauptamtliche Trainer." So kommt es, dass jüngst Eintracht-Spieler Aliu Besart einen Fünf-Jahres-Vertrag beim MSV Duisburg unterschrieben hat und künftig dort U-19-Bundesliga spielen soll. Trier nimmt — muss aber auch (ab-)geben.

Freiwillige Ausbildungsentschädigung



Und welche Rolle spielt dabei das Geld? Bei den älteren Jahrgängen gibt es Ablöseforderungen. Dort sind auch Berater involviert. Breu sagt: "Im unteren Jugendbereich beteilige ich mich nicht am Geldfluss." Er spricht sich gegen die Verweigerung von Freigaben, gegen Provisionen an Berater sowie gegen Ablöse-Zahlungen aus — wobei er nicht die von der Deutschen Fußball Liga aus einem Solidaritätspool zur Verfügung gestellten Ausbildungsentschädigungen meint. Wie die aussehen? Bis zu 50 000 Euro erhält ein Klub, wenn ein von ihm ausgebildeter Akteur seinen ersten Einsatz als Lizenzspieler in der Bundesliga hat. Er darf aber nicht älter als 23 Jahre sein. Waren mehrere Vereine an der Ausbildung beteiligt, wird der Förderbetrag entsprechend geteilt.

Mit Spielern im zweiten A-Jugend-Jahr darf die Eintracht Verträge abschließen — und damit bei Wechseln Ablösen verhandeln. Davon macht der Verein auch Gebrauch, etwa bei Tim Eckstein, Christoph Anton oder Jan Brandscheid.

Grundsätzlich plädiert Breu für den Abbau von Hürden: "Wenn es ein Talent gibt, darf auf keiner Stufe die Vereinsbrille getragen werden. Es muss im Jugendbereich um den Einzelnen gehen. Darum, gute Spieler im Idealfall zu Profis zu machen."