"Wir hätten Münster packen können"

"Wir hätten Münster packen können"

Nach ihrem höchsten Saisonsieg ist der Mannschaft von Eintracht Trier die Vizemeisterschaft kaum noch zu nehmen. Dem 4:0-Triumph bei Borussia Mönchengladbach II gewann Verteidiger Torge Hollmann auch eine wichtige persönliche Erkenntnis ab: Es klappt noch mit dem Toreschießen.

Mönchengladbach. Lange musste er auf diesen Glücksmoment warten. Nach 2685 Spielminuten ohne Erfolgserlebnis in der Regionalliga strahlte Torge endlich wieder Torgefahr aus. Per Kopf traf Hollmann am Freitag zum 4:0 in Mönchengladbach. Sein zweiter Saisontreffer nach einer nicht enden wollenden Durststrecke. "Ich war in dieser Saison öfters nah dran. Da fragt man sich nach einer Zeit schon, ob das nur Pech ist. Umso erleichterter bin ich, dass es mit dem Toreschießen nach wie vor funktioniert", bekennt der Eintracht-Innenverteidiger. Das Credo des 29-Jährigen, der bei Ecken und Freistößen den Weg nach vorne sucht: "Wer arbeitet, wird belohnt."
Beinahe hätte er sich im Spiel bei Borussias U 23 sogar noch ein zweites Mal beschenkt. Kurz vor Schluss steuerte er schnurstracks auf Gladbachs Torwart Janis Blaswich zu. Statt selbst abzuschließen, legte Hollmann auf Olivier Mvondo ab, der den Ball aber nur ans Außennetz hämmerte. Hollmann: "Ich hätte das Tor zu 100 Prozent gemacht. Ich wusste schon, dass ich dem Torwart durch die Beine schießen werde. Als ich Olivier rufen hörte, wollte ich mir den Luxus erlauben, querzulegen. Olli hätte seinen ersten Saisontreffer verdient gehabt." Teamgeist statt Egoismus — in diesem Fall war es die falsche Entscheidung.
Insgesamt hat Hollmann in der zu Ende gehenden Saison jedoch viele richtige Entscheidungen getroffen. In der Innenverteidigung ist er ein Fels in der Brandung. Dass die Eintracht mit vier Siegen in Folge und drei Partien ohne Gegentor zuletzt noch mal richtig Fahrt aufgenommen hat, kommt für den Niedersachsen nicht von ungefähr. "Wir hätten über die gesamte Saison hinweg zu diesen Leistungen imstande sein können." Hollmann, dessen Vertrag bis 2012 läuft, ist überzeugt: "Zwischendrin hätten wir Preußen Münster packen können." Eine Schwächeperiode vor und nach der Winterpause kostete Trier jedoch einen spannenderen Kampf mit den Westfalen um Platz eins. Die magere Ausbeute damals: fünf Punkte aus sieben Spielen. "In dieser Phase war uns allen nicht richtig bewusst, dass wir 16 Punkte liegen gelassen haben", sagt der Familienvater.
Noch hat die Eintracht aber die Chance auf einen Titel. Am 25. Mai trifft Trier als Außenseiter zu Hause im Rheinlandpokal-Finale auf Drittligist TuS Koblenz. "Wir müssen uns primär auf das Sportliche konzentrieren. Dass an der Partie für den Verein auch wirtschaftlich viel hängt, können wir dabei sicherlich nicht ganz ausblenden", sagt Hollmann. Der Pokalsieg würde wichtiges Geld in die alles andere als üppig gefüllte Vereinskasse spülen. Und ein Triumph könnte manch zögernden Spieler vielleicht zum Bleiben bewegen, hofft Hollmann.
Im Eintracht-Etat für die neue Saison gibt es bislang keine finanziellen Spielräume. Dennoch bläst Hollmann kein Trübsal: "Bislang habe ich keine Furcht, dass der künftige Kader wegen der wirtschaftlich begrenzten Möglichkeiten qualitativ schlechter sein wird."Pagenburg überzeugt: Chhunly Pagenburg hat im Probetraining einen positiven Eindruck hinterlassen. "Er hat sich gut bewegt", sagte Eintracht-Trainer Roland Seitz zum TV. Elf Monate war der 24-Jährige wegen eines Knorpelschadens außer Gefecht gesetzt, in der vergangenen Woche hatte der Stürmer von Rot-Weiß Erfurt am Eintracht-Training teilgenommen (der TV berichtete). Seitz könnte sich eine Verpflichtung des Nürnbergers vorstellen: "Ist er fit, wäre er eine Option für uns. Ich denke, dass er auch zu finanzieren wäre. Zuerst wollen wir aber die Gespräche mit den Spielern des aktuellen Kaders abschließen." Leicht verletzt: Humpelnd verließen Ahmet Kulabas und Fahrudin Kuduzovic am Samstag das Trainingsgelände. Kulabas bekam im Spiel bei Mönchengladbach II einen Schlag auf den rechten Oberschenkel — dort, wo er sich zuletzt einen Muskelriss zugezogen hatte. "Ich muss jetzt erstmal kürzertreten, um im Pokalfinale gegen Koblenz wieder fit zu sein", sagte Kulabas. Ähnlich sieht der Fahrplan bei Kuduzovic aus, der am Niederrhein einen Schlag oberhalb des Knies erlitten hatte. Positive Gespräche: Bei Kapitän Josef Cinar gehen die Vertrags-Verhandlungen voran. "Der Verein hat signalisiert, mit mir verlängern zu wollen. Ich bin auch nicht abgeneigt", sagte Cinar zum TV. Womöglich muss sich der 27-Jährige jedoch mit einem Angebot zu reduzierten Grundbezügen beschäftigen. bl

Mehr von Volksfreund